Nach sieben Jahre Streik-Pause (äh: soll heißen; XTC haben sieben Jahre gestreikt und nicht sieben Jahre Pause vom Streik gemacht...), was dem Konflikt mit ihrer Plattenfirma geschuldet war, erschien dieses Werk (1999). Es gab einige Querelen mit den diversen Produzenten und Langzeit-Mitglied Dave Gregory stieg während der Aufnahmen auch noch aus, weil er sich zuwenig einbringen durfte. Soviel zu den äußeren Umständen.
Zur Musik: Um es kurz zu machen; ein Meisterwerk an avantgardistischen Pop. Delikat arrangierte Songs mit vergleichsweise wenig Gitarren und Drums, dafür oft Streicher und dezente Bläsereinsätze. Aber nichts davon ist überproduziert oder, wie es XTC ja oft gerne machen, den Hörer mit zu vielen Ideen auf zu wenig Raum überfordernd; alles ordnet sich diszipliniert dem jeweiligen Song unter.
"Knights In Shining Kharma" z.B. ist geradezu skelettiert und lebt in seiner sakralen Stimmung nur durch eine malerische Klangfarben erzeugende E-Gitarre plus ein Vibraphon und eine eindringlich-festliche Gesangsmelodie, ohne süßlich zu werden. Simon & Garfunkel in gut sozusagen...
Der grandiose und gewagte Opener "River Of Orchids" fängt mit leisem Pluckern an, bevor abgehackte Trompetentöne und Violinenzupfer eine rhythmisch anspruchsvolles Fundament liefern, über die Andy Partridge leicht gequält seinen komplexen Text wirft. "Easter Parade" und "Harvest Festival" hingegen sind lupenreine, eklektizistische Kammer-Pop-Perlen, "Green Man" kann man fast als fröhlich bezeichnen, während "Your Dictionary" eine düstere Abrechnung mit Partridge's Ex-Frau ist. Bassist Colin Moulding steuert seine üblich lockeren zwei Nummern bei, die das doch etwas introvertiert-katharsische Gesamtbild an den richtigen Stellen aufhellt. Und immer wieder tauchen interessante Stellen und Wendungen in jedem Song auf, die einen ein ums andere Mal überrascht stehen bleiben lassen.
Insgesamt also eine Erste Sahne-Kollektion perfekter, liebevoll gestalteter, intelligenter und gekonnt in Szene gesetzter Musik. XTC's sorgfältigste und beste Platte. Absolut preisverdächtig, aber natürlich kommerziell ein Flop. Auch, weil sich keine potentielle Single anbietet. Das ist einfach ein in sich geschlossenes, hochwertiges Album, wie es sie selten gibt.