Achtung! Nachdem Sie die letzte Seite gelesen haben, werden Sie wahrscheinlich versuchen, alles über die anderen Bücher dieses Autors herauszufinden. Und Sie werden feststellen, daß es derer eine ganze Menge gibt (die bedauerlicherweise alle vergriffen sind, aber hier gelegentlich noch auftauchen).
Nicht viele Bücher schaffen es auf die Liste jener Bücher, die ich gerne um mich hätte, wenn ich auf einer einsamen Insel strande, aber diesem ist es problemlos gelungen. Owen Linzmayer hat es geschafft, so ziemlich alles über das erstaunliche Unternehmen Apple zu erwähnen, was die Menschheit wissen durfte, und darüberhinaus eine Menge pikanter Leckerbissen, die mit Sicherheit nicht für die Ohren der Öffentlichkeit bestimmt waren. Durch 322 Seiten folgen Sie Apple von seiner Gründung (finanziell gestützt durch den Verkauf von Steve Jobs' altem VW Bus und und Steve Wozniak's geliebtem HP Taschenrechner) in der Garage von Jobs' Eltern bis zu dem, was es jetzt ist: Ein in der Computerbranche führendes Unternehmen mit mehreren Milliarden Dollar Jahresumsatz. Ein Unternehmen, das zunehmende Konkurrenz und verheerende Managemententscheidungen an den Rand des Bankrotts brachten, bevor es durch Innovation, atemberaubendes Design und ein Gespür für das richtige Produkt zur richtigen Zeit wieder zu dem wurde, was es heute ist.
Obwohl Sie dies vermutlich ohnehin tun werden (da es schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen), ist es nicht unbedingt erforderlich, es komplett von vorn bis hinten zu lesen. Im Gegensatz zu den meisten Büchern dieser Art ist es nämlich nicht strikt chronologisch aufgebaut. Statt dessen sind den Produkten, Schlüsselpersonen, Triumphen und Krisen jeweils eigene Kapitel gewidmet. Zeitlinien geben einen schnellen Überblick über Schlüsselprodukte und -personen. Die John Sculley (Chief Executive Officer von 1983 bis 1993) gewidmete Zeitlinie ist z. B. vier Seiten lang und erwähnt alle wichtigen (und eine Menge weniger wichtige, aber dennoch sehr interessante) Entscheidungen, Events und Produkte, die Apple's Aufstieg und Fall während dieser Zeit bestimmt haben.
Das Buchlayout ist recht ungewöhnlich. Die Seiten sind in zwei Spalten unterteilt. Die innere Spalte belegt ca. zwei Drittel jeder Seite und enthält den eigentlichen Text. Das äußere Drittel enthält jede Menge Bilder, Cartoons, Zitate und kurze Zusammenfassungen, die alle mehr oder weniger mit dem zu tun haben, um das es im Text daneben gerade geht. Auf diese Weise erfährt man z. B. im Kapitel über den Apple III (von 120.000 insgesamt produzierten IIIs mußten mehr als 14.000 ersetzt werden) die Tatsache, daß Apple trotz dieses Fiaskos Dankbriefe von Kunden erhielt, weil diese der Meinung waren, daß andere Weltfirmen wie z. B. General Motors längst nicht so kulant reagiert hätten.
Ich fand diesen Seitenaufbau anfangs recht verwirrend. Im Laufe der Zeit erwies es sich aber, daß er das Lesevergnügen deutlich steigern kann. Man fragt sich schon vor dem Umblättern jeder Seite, welches pikante kleine Detail einen wohl auf der Folgeseite erwarten wird.
Es gibt ein Kapitel in diesem Buch, das meiner Meinung nicht unkommentiert bleiben darf. Betitelt "The fallen Apple" versucht das Kapitel über den Apple Newton auf 23 Seiten zu erläutern, warum dieser erstaunliche Computer ein Mißerfolg war. Im Bezug auf Apple's Finanzlage zu jener Zeit kann er wohl als solcher bezeichnet werden. Bedenkt man aber seine selbst heutzutage (acht Jahre nach seiner offiziellen Abkündigung) ständig steigende Beliebtheit bei alten und neuen PDA Benutzern, ist der Newton mit Sicherheit ein großer Erfolg. Ich schreibe diese Rezension auf einem Newton 2100, der 1997 gebaut wurde. Ein winziger Computer, der meine Handschrift fehlerfrei (und weit besser als ich selbst) erkennen kann. Mit einer Hintergrundbeleuchtung, die hell genug dafür ist, saubere Finger zu behalten, wenn man während eines Stromausfalls seinem Nachwuchs die Windel wechseln muß. Fähig, Geräusche in einer Lautstärke von sich zu geben, von der sogar ich heute morgen wach wurde, als der Weckruf der Hotelrezeption nicht rechtzeitig kam. Obwohl ich das Gerät täglich benutze, lade ich die Batterien bestenfalls zweimal im Monat. Vermittels einer PCMCIA WLAN Karte, die zu der Zeit, als der "Mißerfolg" Apple's Fertigungsstraße verließ, noch nicht einmal angedacht war, wird mein verläßlicher kleiner Begleiter in etwa fünf Minuten diese Rezension drahtlos aus meinem Hotelzimmer mailen.
Dessenungeachtet gibt es zusammenfassend eigentlich nur einen Grund, dieses Buch nicht zu kaufen: Wenn Sie es bereits getan haben.