Vorausgeschickt: Beim ersten Hören war ich auf Anhieb stark beeindruckt. Vielleicht, weil sich mir aus Unkenntnis anderer Einspielungen keine Vergleiche aufnötigten, somit bei mir also der Glücksfall vermeintlicher Unvoreingenommenheit eintrat.
Christine Schäfer zeigt einen großen Gestaltungswillen nicht nur als berührende Interpretin der Lieder, sondern sie macht sich das Gesamtprodukt CD zu Eigen von der Liedauswahl bis zum Cover. Sie hat somit im besten Sinne eine klassische Independent Produktion vorgelegt, die in ihrer Innovationskraft richtungweisend für den Weg aus einer drohenden Erstarrung der so genannten ernsten Musik sein kann. Im schönen Beiheft erklärt sie, sie mache keinen Unterschied zwischen neuer und alter Musik und so mischen sich barocke Purcell Arien mit drei frühen Liedern von Georg Crumb (1947). Die Studioaufnahmen, mit viel Natürlichkeit im Klang, entstand bereits 2004. Die alleinige Klavierbegleitung, präzise und sensibel ausgeführt durch Eric Schneider, trägt zur durchgängigen Hörbarkeit bei. Pausen zwischen den Stücken entstehen nicht. Sie werden durch kurze Soundschnipsel Shakespearescher Sonetten ersetzt. Es entsteht somit ein wunderbares Hör-Stück mit Performance Charakter, im Mittelpunkt Christine Schäfers ausdrucksstarker Gesang, der nicht kokketiert, sondern sich ganz in den Dienst der Darbietung der Lieder stellt. In der kompositorischen Gegenüberstellung gehen die Punkte klar an Purcell. Zeitlich noch weit entfernt von der Romantik beschreiben die Arien in bildreichen Worten und Klängen die Vernunft übersteigende Göttlichkeit der Liebe und erklingen dabei modern, aktuell, erstaunlich nah am Jazz, doch nie modisch, sondern durch und durch künstlerisch. Formal müsste die CD eine Doppel Cd sein. Der sich an die Purcell und die frühen Crumb Lieder anschließende Liedzyklus Apparition von Robert Crumb stellt meines Erachtens ein eigenständiges Werk dar, das nun nicht mehr den Purcell Arien gegenüberstehen kann. Der sehr gute Gesamteindruck bleibt jedoch erhalten: Trotz, oder gerade wegen des experimentell, innovativen Ansatzes ist Christine Schäfer eine hervorragende CD gelungen, die dem Hörer eine Musik von transparenter Schönheit aber auch Traurigkeit ohne Kitschfaktor nahe bringt.