Auf einem skurrilen und aberwitzigen Transport begleiten Angehörige ihre verstorbenen Familienmitglieder in ihre Heimat Bulgarien, wo sie ihre letzte Ruhe finden sollen.
Apostoloff ist der ruhige, stille Teilnehmer dieser Reise in die Vergangenheit. Er chauffiert das Auto mit zwei Schwestern, die in das Land ihrer Vorfahren reisen. Der Vater war in den vierziger Jahren nach Schwaben ausgewandert.
Ein geschäftstüchtiger alter Freund des Vaters hat die Rücküberführung ehemals nach Schwaben ausgewanderter und inzwischen verstorbener Bulgaren durchgesetzt. Zu diesen gehört auch der Vater der beiden Schwestern, denn er hatte sich vor langer Zeit erhängt,..... und, wie es geschrieben steht, >der Strick schleifte noch lange in ihrem Gedächtnis!<
In einem endlosen Konvoi werden die Urnen auf der Heimreise von den Angehörigen der Verstorbenen begleitet.
Die beiden Schwestern sind von unterschiedlicher Mentalität: die eine ist kampflustig und hat eine scharfe Zunge. Die ältere ist sanft und scheint immer nur zuzuhören.
Es scheint keine besonders spektakuläre Geschichte zu sein. Doch was die Autorin Sibylle Lewitscharoff daraus gemacht hat, das ist von umwerfender Komik und zeugt von tief schwarzem Humor. Während der Reise spuken die Einfälle aus Vergangenheit und Gegenwart nur so durch den Kopf der älteren der beiden Schwestern. Von Vaterschwärmern und Muttermöbeln ist die Rede, und jede Beschreibung enthält eine Welt von Vorkommnissen! Erinnerungen verbinden sich mit Beobachtungen des Momentes und eine skurrile Familiengeschichte tritt zutage. Die hinreißenden Landschaftsbeschreibungen Bulgariens, die Essgewohnheiten, denkwürdigen Bauten und Charakteristiken des Landes zeigen ein Bild, das voller verrückter Einzelheiten und Merkwürdigkeiten steckt. Über allem schwebt der Geist des toten Vaters Kristo. Er war Arzt, kümmerte sich liebevoll um seine Kinder bis zu deren Eintritt in die Schule. Da war es um den Vater geschehen. Im Frühling jeweils zwei Monate lang umwölkte sich sein Geist, und Depressionen nahmen ihm und damit auch seinen Kindern jede Fröhlichkeit. Der Leichengeruch, der seinem Zimmer entströmte, wenn er sich zurückzog, gibt auf bewegende Weise Kindheitseindrücke preis.
Das Selbstgespräch der jüngeren der beiden Schwestern, die namenlos bleiben, unterhält den Leser mit witzigen, geistreichen, bissigen und makaberen Zwischenbemerkungen über die Vergangenheit und Gegenwart bis zum Schluss. Eine Fülle von Skizzen erzeugen Eindrücke von Familien, Freunden, ihren Taten und Eigenheiten. Kleinste Begebenheiten werden exakt aufgezeichnet.
Es ist eine Reise zwischen Ost und West, zwischen der Mentalität des bulgarischen Volkes und der Schwaben um Stuttgart herum, zwischen Familien in der einen und der anderen Hemisphäre von Politik und Geographie. Sogar zwischen den Schwestern herrscht Rivalität und Bissigkeit um Ansehen, Wertigkeit in der Beliebtheit und um das Auftreten.
Die Autorin nimmt mit ihrer Komik und Ideenvielfalt der Tragik des Lebens den Ernst und die Düsternis. Mit ihrem Humor schafft sie Distanz und verwandelt das Buch in eine nachdenkliche, anregende und anspruchsvolle Unterhaltung. Es ist ein aufs höchste zu lobendes Werk!