"Apollonias Welt" gehört definitv zum Besten, was ich an SM-Literatur bislang gelesen habe. Vor allen Dingen deshalb, weil die Autorin den immer wieder notwendigen Beleg dafür liefert, dass SM in keinster Weise politisch fragwürdig, sondern vielmehr mit linkem Gedankengut vortrefflich zu vereinen ist, dass die Auseinandersetzung mit SM sogar dezidiert den Blick auf Machtverhältnisse und Herrschaftsstrukturen in der Real-Welt lenkt. Der im weitesten Sinne von Aristoteles entlehnte Satz "In der Herrschaft ist niemand frei" dient dem Buch als Grundton und Leitmotiv. Im futuristischen Untergrund-Reich Femdom-City herrschen dominante, schöne, selbstbewusste Frauen über Männer, die sie aus der herkömmlichen Welt entführen, um sie als Arbeits-, Lust- oder Zeugersklaven zu missbrauchen. Dass die detaillierten Schilderungen des Lebens in Femdom-City für Liebhaber der weiblichen Dominanz überaus anregend sein können, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass Apollonia sich in eines ihrer potentiellen Opfer verliebt und die Struktur ihrer Heimat für sie fortan nicht mehr funktioniert. Denn: Lieben und Herrschen sind zwei grundsätzliche verschieden Dinge, das Streben nach Macht schließt das Erlangen von Liebe aus. Und: Prinzipien, Regeln und Systeme müssen früher oder später durchbrochen werden, damit Leben, das mehr ist als bloßes Existieren, möglich bleibt.
Angenehmer Weise ist dieser Liebesroman in wirklich bewundernswert präzisem, treffendem, vor allen Dingen kraftvollem, drängendem und lebendigem Stil geschrieben. Vom ersten Satz an wird Tacheles geredet, niemals verwäscht sanftes Dahin Plätschern den harten Beat des Werkes, die Kompromisslosigkeit der Sprache trifft tiefer als die der dargestellten sadomasochistischen Szenen.
Ein wundervolles und vor allen Dingen wichtiges Buch!