Ich habe Apollo 18 soeben gesehen und wollte nach der eher schlechten einzigen 2 Stern Bewertung doch mal eine Lanze brechen. Der Film ist nach weniger als 80 Minuten vorbei aber bei "Nicht auflegen" war es nicht anders und auch wenn beide Filme unterschiedlicher nicht sein könnten, fühlte ich mich in der Zeit doch gut unterhalten. Man muss nur wissen worauf man sich einlässt und mit welcher Erwartungshaltung man an Apollo 18 rangeht.
Der Film ist in der neumodischen "Amateur-Dokumentation" -Optik gedreht und kommt mit vielem Wacklern, Tonaussetzern, Bildfehlern, Übersteuerungen und all den bekannten Cloverfield- / Paranormal Activity -Effekten daher. Der Übelkeitsfaktor hält sich angenehm in Grenzen und trotz des sehr speziellen Stils, der sicher nicht jedem gefällt (mein Vater hat nach 2 Minuten Cloverfield abgeschaltet...) strahlt der Film einen gewissen Charme aus. Mit einem geradezu lächerlichen Budget von 5 Mio. US Dollar schafft Apollo 18 Erstaunliches mir gegenüber. Das Mondset sieht sehr echt aus und bietet einige schöne Blicke auf die Erde, verbreitet durch seine Leere und Trostlosigkeit aber auch eine eindringliche und unangenehm bedrückende Atmosphäre. Als Schauplatz dienen abseits des kargen Trabanten nur die Innereien der klaustrophobischen Raumkapseln, in denen die 3 Schauspieler mit denen der Film auskommt einen guten Job machen und glaubwürdig ihre Rollen spielen. Die unbekannten Gesichter tragen gut zum Film bei, ein Tom Hanks oder ein Ben Affleck hätte mich glaube ich zu sehr daran erinnert dass ich eigentlich einen Film schaue, ihnen ist Hollywood geradezu auf die Stirn gestempelt.
Zur Story: Der Film ist recht langatmig und kommt spät in Fahrt, lange passiert außer der eigentlichen Mondlandung nicht viel und wenn man mit dem Wackelkamera-Stil nichts anfangen kann, der bei mir für Interesse und Spannung sorgte, fühlt man sich schnell gelangweilt. Doch natürlich läuft nicht alles wie geplant und plötzlich geschehen unerklärliche Dinge auf dem eigentlich verlassenen Mond und der Gedanke dass man im Weltall, auf einem fremden Himmelskörper, mitten im Nirgendwo, bei Totenstille und Dunkelheit nicht allein ist und die verglaßte Luftschleuse der 2x2 Meter engen Raumkapsel den einzigen Schutz gegen das Unbekannte darstellt, jagt mir eine Heidenangst ein. Der Film schafft für mich einen angenehmen Spagat zwischen Paranormal Activity-Horror der einem an seinem gesunden Verstand zweifeln lässt weil man nicht weiß ob und gegen was man eigentlich kämpft und eher typischem Sci-Fi Stoff der einem den Schrecken direkt for Augen führt. Leider geht dadurch auch ein wenig der Grusel verloren auch wenn es eine sehr intensive First-Person-Szene gibt in der sich einer der Beiden mit einer Art Blitzlich-Lampe in einen stockfinsteren Mondkrater begibt und die Umgebung nur für Sekundenbruchteile mit grellen Lichtblitzen erhellt. Nur so viel sei gesagt: Es gibt noch etwas anderes auf dem Mond als Staub und Gestein... was das ist sei hier natürlich nicht verraten. Leider hat der Film hier für mich das erste Mal einen negativen Eindruck hinterlassen:
!KLEINER SPOILER!
Nate wird auf der Mondoberfläche angegriffen und JEDER sieht dass ein "Ding" in seinem Helm ist. Ganz lange wird dieser Umstand jedoch nicht aufgegriffen und erst im letzten Viertel zeigt sich das "Ding" kurz erneut, nur um dann wieder zu verschwinden und Nate's Kollege hat natürlich nichts gesehen.
!SPOILER ENDE!
Auch wenn die Idee finde ich super ist (es hat schon was Gruseliges) und CGI-technisch solide Umgesetzt wurde ist der greifbare Schrecken doch die schwächere Hälfte des Films. Der wahre Horror spielt sich im Kopf ab. Der psychologische Aspekt an Apollo 18 gefällt mir viel besser und man kann die Paranoia der beiden Astronauten fast schon spüren. Jemand oder etwas ist außer uns noch hier oben. Keiner will etwas wissen. Das Bodenkommando hält uns mit Ausreden an der kurzen Leine. Die ersten Beweise werden gefunden. Es kommen Zweifel an der Mission auf. Fußspuren im Staub, nicht von uns. Etwas ist da draußen. Klopfgeräusche an der Außenhülle der Kapsel machen es einem unmöglich zu schlafen. Der Funk ist tot. Wir sind allein. Und doch wissen wir beide, dass wir es nicht sind. Wie so oft ist es nicht die Gewissheit dass etwas da ist sondern die Ungewissheit WAS es ist, die einem Angst bereitet.
Ich schreibe sonst nie Film Reviews und der Film hat bei mir etwas Ungewohntes ausgelöst. Ich fühlte den Drang der Welt das Erlebte mitzuteilen. Ich werde mir Apollo 18 sicher auf DVD kaufen und auch wenn es definitiv bessere Filme für Sci-Fi Horror-Fans gibt, wirklich mies ist hier nichts. Der Film ist leider nicht der erhoffte große Wurf geworden aber man kann sein Geld auch schlechter ausgeben und so schlecht wie er oft gehandelt wird ist es bei weitem nicht. Wer sich mit dem ein wenig zähen Plot, dem kleinen Budget (eigentlich fast schon zu gut gemacht für ein Indie-Projekt) und dem Doku-Stil anfreunden kann, könnte mit Apollo 18 durchaus einen kleinen Geheimtipp entdecken :)