Pranke des Jaguars (überzeugend und intensiv gespielt von Rudy Youngblood), sein Vater und dessen Mitstreiter kommen von der Jagd nach Hause. Unterwegs treffen sie auf Flüchtlinge eines anderen Stammes, die desorientiert und verstört erscheinen. Am Tag darauf erfahren sie am eigenen Leib den Grund: Ihr Dorf wird brutal von einer kriegerischen Horde Majas überfallen, die Sklaven und Menschenopfer für den Bau ihrer Pyramiden erbeuten wollen. Pranke des Jaguars gelingt es, seinen Sohn und seine hochschwangere Frau in einem Felsloch in der Nähe zu verstecken, kann aber nicht verhindern, dass er selbst gefangen und der Rest des Dorfes entweder getötet oder verschleppt wird. Er weiß dass seine Familie ohne ihn nicht wieder aus dem Versteck entkommen kann. Die Majas entführen ihn in eine gigantische Stadt, eine Welt voller Gewalt und Grausamkeit, und gegen die zahlenmäßig weit überlegenen und perfekt ausgebildeten Krieger haben die Dorfbewohner keine Chance zur Flucht. Die Mayas rechnen jedoch nicht mit dem unbändigen Willen Pranke des Jaguars seine Familie zu retten, und das Schicksal hilft denen, die ihre Hoffnung nicht verlieren, und so bekommt auch er seine Chance.
Mel Gibson hat es hier mal wieder geschafft durch seine Arbeit zu überzeugen und seine privaten Eskapaden in den Hintergrund zu verdrängen. Apocalypto ist in seiner Gesamtheit ein stimmiges und packendes Abbild einer längst vergangenen Welt. Die Illusion wird perfekt durch die originale Sprache der damaligen Zeit, doch das stört nicht im Geringsten. Denn selten gelang es Schauspielern so gut wie hier, nur durch Gesten und Mimik nonverbal zu kommunizieren. Eigentlicher Hauptdarsteller ist der Dschungel selbst, für den Komponist James Horner einen kongenialen Score geschrieben hat und den Kameramann Dean Semler in zum Teil unglaublichen Kamerafahrten und Bildern abgelichtet hat. Zwar ist der Film ohne Frage blutig und brutal, aber nie zum Selbstzweck oder Effekthascherisch. Es lässt sich geschichtlich belegen, dass die Mayas dem Wert eines Lebens keine große Bedeutung beimaßen.
40minütiger Höhepunkt des Films ist eine atemberaubende und an Spannung kaum zu überbietende Verfolgungsjagd durch den Dschungel. In ihrer Intensität, der Dauer und Konzeption kann sie es selbst mit Klassikern der Autoverfolgung wie French Connection oder Bulitt aufnehmen. Auch hier hat sich Kameramann Dean Semler selbst übertroffen; derart spektakuläre und verblüffende Bilder, Aufnahmewinkel und Schnitte sah man in dieser Perfektion lange nicht mehr.
Apocalypto ist ein weiterer Beweis dafür dass Gibson ein Visionär des Kinos ist. Man kann von der Glaubwürdigkeit der Geschichte und deren Blutgehalt halten was man will, von der Bildersprache, dem visuellen Einfallsreichtum, der Kameratechnik und der an eine Highspeed Achterbahnfahrt erinnernden Verfolgungsjagd nicht überwältigt zu sein, ist fast unmöglich.