Aus der Amazon.de-Redaktion
Man sollte alle Eindrücke, die man über die privaten Entgleisungen Mel Gibsons hat, vergessen und
Apocalypto schlichtweg als durchgeknallte, blutige Achterbahnfahrt erleben. Die Geschichte spielt innerhalb der vorkolumbianischen Zeit der Maya: ein Dorf wird brutal von einem herrschenden Stamm überrannt, der sich Sklaven und Menschenopfer verschaffen will, wobei die Dorfbewohner entweder verschleppt oder getötet werden. Das Ganze dreht sich um den fähigen Jäger Jaguar Paw (Rudy Youngblood) obwohl Gibson gekonnt eine ganze Reihe von Charakteren einführt, von denen jedoch viele die erste Hälfte des Films nicht überleben. Ein Großteil des Films spielt im tiefen Dschungel, aber der Mittelteil zeigt eine großartige Stadt der Maya und präsentiert die hohe Kunst von Design, Kostümen und schlichtweg dekadentem Grauen. Der Film selbst ist ein Triumph der Brutalität, denn Gibson verdeutlicht seine altbekannte Faszination gegenüber körperlichen Verstümmelungen, indem er eine ganze Reihe davon vorführt, darunter Pfählung, Ausweidung, Schlangenbisse und Bienenstiche. Das ist alles eine düstere, abstoßende Vision, aber Gibson lässt dennoch einiges an filmemacherischem Instinkt innerhalb all der Gewalt durchblicken darunter auch die Schaffung zweier toller Bösewichte (umwerfend gespielt von Raoul Trujillo und Rodolfo Palacias). Im Film wird ein Maya-Dialekt gesprochen, was aber untertitelt wurde, und man hat auf Digitalvideo gedreht (was sich manchmal durch verschwommene schnelle Schwenks selbst verrät). Neben all den Grausamkeiten ruft jedoch nichts mehr Verzweiflung hervor als der finale, wortlose Austausch von Blicken zwischen dem gefangen genommenen Dorfbewohner Blunted (Jonathan Brewer) und seiner Schwiegermutter (Maria Isabel Diaz) ein toller Stimmungswandel gegenüber ihrer früheren Beziehung. Es handelt sich um einen obsessiven, durchgeknallten Film, aber Gibson weiß durchaus, was er tut.
--Robert Horton
Movieman.de
Auch wenn man Mel Gibson sonst eher kritisch begutachtet, muss man ihm hier wirklich lassen, dass er ein Meisterwerk hingelegt hat. Story, Ausstattung und vor allem die irrsinnig ausdrucksvollen Darsteller sind einfach nur berauschend. Dabei sollte der Zuschauer aber nicht zimperlich sein, denn Gibson spart auch diesmal nicht an rohem Fleisch. Unterm Strich: erstaunlich intensiv!
Moviemans Kommentar zur DVD: Das enorm ausdrucksstarke Bild sieht sich mit einer hervorragenden Soundausstattung komplimentiert. Ein Fest für alle Sinne. Das Bonusprogramm bietet gelungenen Audiokommentar und ein Making Of.
Bild: Das Bild sieht sich in jeglicher Hinsicht mit großer Präzision ausgestattet. Saftig leuchten sämtliche Farbtöne, die Auflösung gibt sich sowohl auf Distanz als auch im Detail enorm hoch und das Kontrastspektrum besitzt eine große Breite. Selbst in dunkleren Einstellungen oder innerhalb von schnellen Kamerabewegungen bleiben zahllose Details erkennbar. Auch die Farbpalette arbeitet differenziert und bedient nicht nur kraftvolle, warm leuchtende Nuancen, sondern auch feinere Pastellabstufungen. Von Rauschen oder groben Artefakten bleibt das Bild erfreulicherweise vollkommen verschont. Nur selten lässt sich ein leichtes Bildruckeln in Kameraschwenks entdecken (00:09:46).
Ton: Der optische Reichtum setzt sich auch klanglich um und durchdringt den Raum mit beiderseits Kraft wie Finesse. Die Geräusche des Dschungels dringen mit großer Direktionalität ausgestattet von allen Seiten in den Raum (00:00:42), ohne dabei zu dick aufgetragen zu wirken. Ganz im Gegenteil wurde viel Liebe ins Detail gesteckt, was aber nicht ausschließt, dass auch saftige Effekte an der Tagesordnung stehen (Affengebrüll, 00:12:08 oder Donnergrollen, 00:53:59), die sich hervorragend mit dem pulsierenden Soundtrack komplimentieren. Die Dialoge liegen in Original-Mayasprache vor und sind deutsch untertitelt. Obwohl der durchschnittliche Zuschauer die Maya-Sprache kaum verstehen wird, vermitteln sich in den sauber klingenden Dialogen zahlreiche stimmliche Facetten, welche die Gesamtstimmung individuell einzufärben wissen. Die DTS-Fassung bietet im Vergleich zum DD 5.1-Mix ein kleines Stück mehr Präsenz und Tiefenwirkung.
Extras: Die Extras beginnen mit dem Making Of "Becoming Mayan" (24:12 Min.), das die Dreharbeiten und Produktionsvoraussetzungen sowohl stimmungsvoll als auch hintergründig in Szene setzt. Dabei stehen Locations, Kostüme, Mitwirkende, Makeup, Waffen, Set-Bauarbeiten als auch die Kultur der Mayas im Vordergrund. Das Ganze unterteilt sich in schlüssig in nach Themen sortierte Kapitel, die dem Zuschauer die Navigation erleichtern. Des Weiteren findet sich ein äußerst aufschlussreicher Audiokommentar mit Mel Gibson und Fahrrad Safinia auf der Disc, der nicht nur die übliche Stimmung am Set dokumentiert, sondern sich zudem intensiv mit den Produktionsvoraussetzungen, den Hintergründen der portraitierten Maya-Kultur und der Arbeit mit den Laien-Darstellern auseinandersetzt. Dabei werden die Arbeiten am Set aber nicht vernachlässigt, sondern minutiös kommentiert. --movieman.de