- Vorsicht, es folgen Spoiler aus ASCENSION -
Kurz sah es so aus als würde sich das Schicksal der Galaxis zum besseren wenden, doch dann betrat Abeloth die Bühne der galaktischen Politik und nach kurzer Zeit regiert sie, mit dem Lost Tribe als willigen Werkzeugen, von Coruscant aus eine krisengebeutelte Galaktische Allianz. Doch während Abeloth ihre Tentakel von Corusant aus selbst in den imperialen Raum ausstreckt und den Machtkampf zwischen Daala und Jagged Fel zu beeinflussen beginnt, sind die Jedi mehr als gewillt mit aller Härte zurückzuschlagen. Unterstützt von Admiral Nek Bwua'tu planen sie der Machtergreifung der Sith und Abeloths mit Gewalt ein Ende zu setzen. Eine letzte Schlacht muss geschlagen werden...
Schon das Ende von ASCENSION geriet nach einem durchaus vielversprechenden Auftakt zu einer Farce. Mit aller Gewalt wurden die vielversprechenden Entwicklungen ins Negative verkehrt, ein hoffnungsvoller neuer Staatschef kurzerhand wieder ermordet und die 5000 Jahre in Abgeschiedenheit lebendenden Sith des Lost Tribe zu Meistern der Infiltration erklärt, die nun praktisch alle wichtigen Machtpositionen der GA besetzt halten. Allzu viel Logik sollte man nun von APOCALYPSE daher auch nicht mehr erwarten. Und Troy Denning tut dazu sein übriges indem er über Abeloth noch eine Verbindung zu den Celestials, alias, Vater, Tochter und Sohn herstellt (die heilige Dreifaltigkeit der neuen reformierten Star Wars-Mythologie). The Clone Wars lässt grüßen und die Rolle Anakin Skywalkers als vermeintlichen Auserwählten wird einmal mehr in Frage gestellt.
- War der Ärger vorprogrammiert? -
FATE OF THE JEDI war eine Reihe mit ihren Hochs und Tiefs, allerdings in den Augen dieses Rezensenten eine mit besserer Balance als noch LEGACY OF THE FORCE. Doch auch das Finale von FATE tritt nun in LEGACYs Fußstapfen, nach einigen durchaus großen Momenten steht einmal mehr Troy Denning vor der Aufgabe diese über acht Bände erzählte Geschichte in einem glorreichen Finale aufgehen zu lassen... und verwandelt APOCALYPSE wie INVINCIBLE in einen überlangen Epilog. Es passiert was halt noch passieren muss, aber richtig Schwung kommt nicht mehr hinein. Auch weil Christie Golden in ASCENSION bereits eine Überleitung geschaffen hat die die wichtigsten Entwicklungen schon vorhersehbar machte.
Blicken wir auf FATEs Entwicklung zurück sehen wir einen lauen Beginn, einen wendungsreichen Mittelteil, aber nicht wenige Logikprobleme und nun ein krampfhaft vom Happy End abgerücktes Finale. Meinte mancher Leser wärhend ASCENSION vielleicht noch nun ergäbe alles plötzlich Sinn was seit DARK NEST geschehen ist, APOCALYPSE ruiniert diesen Enthusiasmus endgültig. Von 21 aufeinander aufbauenden Romanen seit dem Ende der wirklich apokalyptisch angelegten NEW JEDI ORDER-Reihe stammen nicht weniger als 9 aus der Feder Troy Dennings, dessen Einfluss unverschweigbar in DARK NEST, LOTF und FOTJ erkennbar ist. Und Denning hattte immer so seine Lieblinge, wie Raynar Thul und andere Charaktere "seiner" DARK NEST-Trilogie. Mit APOCALYPSE wirft Denning die Galaxis auf einen Stand wie vor bzw. während DARK NEST zurück. Mochte man diesen 21 Büchern seit Ende der NJO-Ära also noch Bedeutung zumessen, in APOCALYPSE geht die Hoffnung unter, dass dieser Mega-Zyklus mehr war als nur ein Wiedergänger vergangener Bantam-Zeiten. Selbst die One Sith feiern am Ende noch einen kurzen Gastauftritt, auch wenn das weitere Schicksal des Lost Tribes, Jagged Fels und Tahiris neuermals offen bleibt.
So sehr FOTJ zeitweise mit Querverbindungen zu John Ostranders kultigen LEGACY-Comics begeistern konnte, Troy Denning tritt das alles scheinbar wieder in die Tonne. Die diversen Transformationen, der Rückzug des Jedi Ordens nach Ossus ausgenommen, werden plötzlich wieder aufgehoben. Dabei war es Denning der am Ende von DARK NEST Luke zum Großmeister aufsteigen und den Jedi-Rat wiederauferstehen ließ. Und es war auch dieser Troy Denning der Jag Fel am Ende von LEGACY OF THE FORCE zum imperialen Staatschef kürte. Am Ende hängt das Schicksal der Galaxis seit DARK NEST nun am Leben und Erfolg Allana Solos, die auch in FATE OF THE JEDI noch kurzerhand zum Zentrum des Konflikts erkoren wird.
- Troy Dennings Eigenheiten -
Schon seit STAR BY STAR und nicht zuletzt ABYSS gehört Troy Denning zu den momentan aktiven Star Wars Autoren die sich immer auch gerne ein wenig mehr mit der metaphysischen Seite der Macht beschäftigten. Da sollte es nicht überraschen wenn er Abeloth nun genauso wie die Killiks und ihre einstigen Dienstherren, die Celestials aka Force Wielders, unter einem Buchdeckel zusammenbringt. Die Killiks sind immerhin die einstigen Arbeitssklaven der Erbauer gewesen, welche Centerpoint, Sinkhole Station, den Maw und das Corellia System erschufen. Also auch für die Inhaftierung Abeloths auf ihrem Planeten verantwortlich waren. Um mehr über diese Verbindung zu erfahren entsendet man neben den Ex-Joinern Lowbacca und Tekli gerade auch Raynar Thul, dessen Weg vom UnuThul zum alten Raynar kein gerade leichter war. In einigen der vorigen Romane durfte er sogar wieder sein Lichtschwert schwingen und Kenner der Young Jedi Knights-Romane sich freuen, dass auch Raynar endlich seinen Weg zum Stammcast der Legacy-Ära gefunden hat, wobei seine Freundschaft zu Wynn Dorvan ungenutztes Potential für eine Nebenhandlung versprach.
- Fortsetzung folgt? -
Das Schicksal der Killiks lässt bereits das schlimmste vermuten - einen weiteren Schwarmkrieg vielleicht? So unwahrscheinlich wäre das nicht, immerhin hat man eine weitgehend befriedete Galaxis in LEGACY OF THE FORCE in ihren zweiten Galaktischen Bürgerkrieg gestürzt und wenn selbst Darth Caedus und Admiralin Daala noch fröhlich mit ihrer Anti-Jedi-Politik und sogar einer Belagerung des Tempels durchkommen konnten, dann ist wohl alles erlaubt, egal wie einfallslos und ausgelutscht das für die müden Augen älterer Fan-Generationen wirken mag. Zum Zeitpunkt von APOCALYPSEs Veröffentlichung ist die Zukunft Nach-Abeloth jedenfalls ungewiss. Zwar gab es einst diese durchaus glaubwürdige Versicherung es würden nun mehr Trilogien und Einzelromane anstatt unbefriedigender Mega-Reihen folgen, doch eine Personalrochade im lucasschen Romanuniversum später kündigt die neue Dame auf Sue Rostonis Stuhl an, größere Reihen seien sicher eine Option. Wenn der Del Rey Verlag endgültig die nächste Verlängerung seines Star Wars-Lizenz erreicht hat werden wir es erfahren.
Unmittelbar wird FATE OF THE JEDI jedenfalls von Aaron Allstons MERCY KILL fortgesetzt, einen X-Wing-Roman der auf die rasch abgewürgte und in einigen Bänden gar nicht vorkommende Lecersen-Verschwörung Bezug nimmt. Wedge Antilles Tochter und die Wraiths inklusive, ein Hoffnungsschimmer am Horizont.
- Das Positive -
APOCALYPSE steht für vieles was in den Augen treuer Leser in den letzten Jahren mit Star Wars-Romanen so falsch gelaufen ist und bleibt auch für sich genommen eher ein Kieselstein im Schuh als eine Perle. Um bei aller Enttäuschung noch positives zu finden ist guter Wille gefragt. Zumindest wird Jaina Solo endlich zur Jedi Meisterin erhoben und damit signalisiert, dass die ehemaligen Young Jedi Knights (sofern sie denn noch leben und die Gnade der Erwähnung finden) eigentlich die Fakel der ersten Jedi Generation (Luke Corran Horn, Kam und Tionee Solusar, Kyle Katarn, Kyp Durron) übernommen haben sollten. Tatsächlich ändert aber auch APOCALYPSE nichts an der Abkehr von diesem anfangs auch noch von Troy Denning mitgetragenen Trend (in STAR BY STAR und DARK NEST) die nächste Generation (die Young Jedi Knights alias Jacen, Jaina und Anakin Solo, Tenel Ka, Lowbacca, Tahiri, Raynar Thul, Tekli und Co.) aufzubauen. Die Führung des Jedi Ordens bleibt fast ausschließlich in Händen Lukes, gelegentlich assistiert von jeweiligen Autoren-Lieblingen wie Dennings Saba Sebatyne, aber der Jedi-Rat ist nachwievor mit Altlasten anderer Autoren (Corran Horn, Kyle Katarn, Kyp Durron) und gesichtslosen Unbekannten besetzt, die alle wenig beizutragen haben, vielleicht auch weil die meisten Autoren wenig mit ihnen anzufangen wissen.
Plötzlich ins Rampenlicht gerückt wird nun Allana, die ähnlich wie in Dark Nest einst ihr Großcousin Ben Skywalker als große Hoffnungsträgerin installiert wird. Angelegt ist der jüngste Spross der Skywalker-Dynastie durchwegs sympathisch, tierlieb wie Jacen Solo, sturköpfig wie ihre Großeltern Han und Leia, ganz die heranwachsende Kriegerprinzessin die man sich als Enkelin einer Leia erwarten würde. Setzt der nächste um die Großen Drei und Anhang aufgebaute Zyklus auch wieder nach einem Zeitsprung an könnte man im nächsten Abschnitt der LEGACY-Ära die Geburt Fels II., ein Wiederaufeinandertreffen des gestandenen Jedi-Ritters Ben Skywalker mit Sith Lady Vestara Khai und die Lehrjahre der künftigen Jedi-Königin Allana erleben. Wer wohl ihr Meister bzw. viel wahrscheinlicher ihre Meisterin werden würde? Allana verspricht einiges von dem Potential das von wenigen Zyklus-Autoren der letzten Jahre genutzt wurde. Sie ist gewissermaßen die Reinkarnation der Solo-Kinder, der Young Jedi Knights und auch der erzählerisch auf eine Nebenrolle reduzierten Prinzessin Leia.
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