Wer einen Actionfilm wie „Platoon" erwartet, wird enttäuscht. Bereits die bisherige Fassung erforderte Geduld, die Redux-Version ist mehr als 3 Stunden lang. Zu lang? Ich finde nicht. Die zusätzlichen Szenen empfinde ich auf jeden Fall als Bereicherung! „Apocalypse now" ist ein Film über den Vietnamkrieg und zwar eher über seine psychologische, und weniger über seine militärische Seite. Es geht um „das Grauen" mit dem die Soldaten und Zivilisten im Krieg konfrontiert werden. Der legendäre Hubschrauberangriff zu Richard Wagners „Ritt der Wallküren" ist die bekannteste Szene des Films. Bombardierungen mit B-52 Bombern, der Abwurf von Napalm durch Jets, Angriffe auf das Patrouillenboot und Feuergefechte zwischen dem Vietcong und den GI's mit Maschinengewehren, alles was der Zuschauer von einem Vietnamfilm erwartet, kommt in Coppolas Meisterwerk vor. Sehr stark ist auch die Szene in der ein Angriff extra fürs Fernsehen nachgestellt wird. Der Vietnam-Krieg war der erste Krieg der ins Wohnzimmer gesendet wurde. Der überwiegende Teil des Films ist eher ruhig. Ein nachdenklicher Film! Die Handlung wird aus der Sicht des Hauptdarstellers Captain Willard (Martin Sheen) erzählt, eines in Ungnade gefallenen Soldaten. Willards Monologe geben dem Film eine ganz besonders starke Atmosphäre.
Sowohl Willard als auch sein Gegenspieler Colonel Kurtz (Marlon Brando) gefallen mir persönlich in der deutschen Synchro weit besser als mit ihren Originalstimmen. Neben der Möglichkeit den Film im englischen Original zu sehen, wurde als zusätzliche Ausstattung lediglich der Trailer und ein vom Regisseur kommentiertes ca. 2-miütiges alternatives Ende beigefügt. Technisch gesehen eine geradezu lächerliche DVD! Und das bei einem so essentiell wichtigen Film! Deluxe Edition ick hör' dir trappsen.
Was unterscheidet die Redux-Version von der bisherigen Fassung des Films? Die 50 zusätzlichen Minuten beleuchten weitere Aspekte des Vietnamkrieges. Die Szene in der französischen Plantage verdeutlicht, daß die Franzosen bereits vor den US-Amerikanern in Indochina gescheitert sind. Besonders beeindruckt hat mich die Szene in der die Soldaten auf Frauen, darunter ein ehemaliges Playmate treffen. Hier zeigt sich besonders wie wenig die traumatisierten GI's noch mit gesunden Menschen zu tun haben.
„Apocalypse Now Redux" besticht durch seine handwerkliche Perfektion. Starke Bilder, großartige Darsteller, eine packende Geschichte und der geschickte Einsatz von Tönen und Musik heben diesen Film auf den Kino-Olymp. Wer sehen will wie Krieg aussieht, guckt sich „Der Soldat James Ryan" an. Wer wissen will wie sich Krieg anfühlt, taucht in „Apocalypse now" ein.