Aphrodite - die griechische Göttin der Schönheit und der Liebe, Gemahlin von Hephaistos, dem Gott des Herdfeuers. Kaum könnte ein solches Buch über Sinnlichkeit anders heißen als "Aphrodite".
Isabel Allende schrieb dieses Buch gemeinsam mit dem Illustrator Robert Shekter und ihrer Mutter Panchita Llona, von der die Rezepte stammen..
Aber worum geht es? "Aphrodite" ist ein Buch über das Essen und Lieben (und das in eben dieser Reihenfolge). "Ich kann die Erotik nicht vom Essen trennen", schreibt Isabel Allende. Das tut sie in der Tat nicht. Die vorgestellten Gerichte werden ob ihrer Brauchbarkeit zur Verwendung beim Liebesspiel gelobt. Aber bevor der Leser in medias res geht, wird ihm von der Autorin die Intention für dieses Buch erklärt: "Mich reuen die Schlankheitsdiäten, mich jammern die köstlichen Gerichte, die ich aus Eitelkeit zurückwies, und ebenso leid tut es mir um die Gelegenheiten zur Liebe, die ich vorübergehen ließ..." Wie wahr, seufzt da der Leser und begibt sich zu den vielfältigen Kapiteln über Aphrodisiaka. Da wird in historischen Büchern geblättert und eine Reihe martialischer Zutaten aufgelistet, von denen Affenhirn und Menstruationsblut die am wenigsten abstoßenden sind.
Aber es gibt auch gute Tipps für die Verwendung von Kräutern, Früchten, Fleisch und Meeresfrüchten. Alles gespickt mit persönlichen Bemerkungen von Isabel Allende und kleinen Anekdoten aus ihrem Leben. Es gibt auch ein Kapitel über Liebestränke, eins über den Harem und ein über die Sprache der Blumen. Sogar enthält dieses Buch die Anweisung darüber, wie man perfekt eine Orgie ausrichtet, wobei sich die Autorin lediglich auf das leibliche Wohl kapriziert. Wie wohl - eine wahre Dame genießt und schweigt. Gleichwohl dieses Prinzip nicht konsequent durchgehalten wird. Es gibt Absätze und Bemerkungen, bei denen selbst der abgebrühteste Rezipient rote Ohren bekommen würde...
Aber nun zu den Rezepten, aus denen der zweite Teil des Buches besteht. Sie stammen von der Allende-Mutter Panchita Llona und wurden alle von ihr höchstpersönlich ausprobiert. Die Mengenangaben stehen in Tassen, Löffeln, Messerspitzen usw. Es wäre auch höchst unerotisch, beim Kochen vor, nach oder während der Liebe mit einer Haushaltswaage zu hantieren. Neben der Zutatenliste erhält der Leser Informationen über Situationen, zu denen speziell dieses Gericht passt.
Ich habe einige Rezepte ausprobiert. Um ehrlich zu sein: Ich finde sie ziemlich unspektakulär, wenn auch nicht gerade übel. Eins fiel mir aber auf: die inflationäre Verwendung von Mayonnaise. Ich befürchte, dass sich die Liebenden nach solch einem Genuss eher mit Sodbrennen denn dem Brennen vor Leidenschaft beschäftigen (müssen).
Dennoch: Dieses Buch zählt zu meinen ausgesprochenen Favoriten, regt die Phantasie an und beflügelt zu eigenen erotischen Kreationen.