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4,7 von 5 Sternen
Aphorismen zur Lebensweisheit
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62 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Oktober 2002
Nun, dieses Buch war das erste ernsthafte philosophische Werk, das ich gelesen habe und bisher fand ich kein anderes, das seiner Weisheit gleichkommt. Dieses Buch muss man ganz langsam lesen, Satz für Satz, nicht hastig, besser mehrmals die Zeilen lesen, denn der Inhalt ist recht komprimiert und mann muss erst das gelesene Häppchen verdauen, sich an ihm ergötzen bis man zum nächsten schreitet. Ich war höchst beeindruckt von der sprachlichen Elleganz, in die Schopenhauer seine äußerst humorvollen und bissigen Sarkasmen kleidet. Das geht unter die Haut, das gräbt sich ein ins Gehirn, das muss man essen! Ich fand das Buch auch gar nicht pessimistisch, wie einige der Schopenhauer-Kritiker behaupten, nein, eher realistisch: mit einer ungeheuren Menschenkenntnis verrät er uns die Wahrheit über den Menschen, die ja oft schmerzt. Das empfinden wir dann als Pessimismus, der keiner ist. Bei der sehr amüsanten Lektüre dieses Buches wurden mir viele Sinnlosigkeiten unseres menschlichen Treibens klar.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. November 2010
Der Buchtitel könnte für den modernen Leser missverständlich sein, denn die Schrift ist keine Sammlung von Epigrammen nach Art von Oscar Wilde, sondern eine frei assoziierte Kontemplation ohne strenger Gliederung, von welcher der Autor anmerkt: "Mit der Vollständigkeit fällt aber auch die systematische Anordnung größtenteils weg. Über beide tröste man sich damit, dass sie, in Dingen dieser Art, fast unausbleiblich die Langweile in ihrem Gefolge haben.".
Die Frage, der Schopenhauer in dem Traktat nachgeht ist, wie man sein Leben in einer von dem Willen getriebenen Welt am besten zubringt. Der Epigraph, den der Philosoph seinem Werk voranstellt, beschreibt prägnant seinen Lösungsansatz: "Das Glück ist keine leichte Sache: es ist sehr schwer es in uns, und unmöglich, es anderswo zu finden." Die Antwort also wäre, sich so weit wie möglich dem Diktat des blinden Willens zu entziehen und sich selbst als Inspirationsquelle zu genügen. Das höchste Glück wäre der Prozess der Eigen- und Welterkenntnis unter der Nebenbedingung der weitestgehenden Befreiung von Außenzwängen. Eine Reihe von (größten-)teils brillanten und anregenden, teils eher ridikülen Reflektionen zu praktischer Organisation des Lebens und zu mentaler Hygiene verdeutlicht und präzisiert diese Ansicht.
Die Schrift verrät einen ausgewiesenen Einzelgänger, der von der Menschheit nicht viel hält. "Denn monoton, wie ein solches eintöniges Horn, ist der Sinn und Geist der allermeisten Menschen: sehn doch viele von ihnen schon aus, als hätten sie immerfort einen und denselben Gedanken, unfähig irgendeinen anderen zu denken." Und das ist nicht mal die drastischste im Buch vorkommende Charakterisierung des Menschengeschlechts. Aber der Leser muss nicht zwangsläufig die extreme Misanthropie des Autors teilen, um das Buch gut zu finden.
Schopenhauer behandelt das Verhalten sich selbst gegenüber und den anderen gegenüber, daneben thematisiert er die Selbst- und Weltwahrnehmung in unterschiedlichen Lebensphasen. Der mäandernde Gedankenschweif geht dabei hier und da mit einer Redundanz der Aussagen einher. Der Schreibstil lässt im Verfasser einen im 18. Jahrhundert geborenen erkennen, die Sätze sind oft etwas länger als sie - ohne Einbußen für den Inhalt - sein könnten. Dennoch hat die Schrift einen Rhythmus inne, so dass ihre Rezeption nicht anstrengt. Sie ist reich an pointierten Metaphern, und die vielen altmodischen Wörter - wie Truism, exzellieren, Imbizillität - verleihen den "Aphorismen" einen aparten Charme.
Durchdacht eingebaute Anmerkungen erleichtern das Leseverständnis. Die Begriffserklärungen - z. B. für die oben erwähnten nicht mehr gebräuchlichen Begriffe sowie Übersetzungen - findet man dabei unten auf der gleichen Seite, weiterführende Infos zu einem Thema sind nach dem Haupttext platziert. Ein informativer etwa 30-seitiger Umriss des Lebens und der Theorien von Schopenhauer schließt das Buch ab.
Der einzige Kritikpunkt zum Werk wäre folgender: Manchmal wünschte ich mir vom Autor mehr Nonchalance in den Betrachtungen, wie z. B. beim Thema Ruhm. Denn wozu sich über etwas auslassen, das eher keine Rolle spielt?
Ansonsten wunderbar. Der Mann ist zwar ein wunderlicher Kauz, aber unbestreitbar ein smarter Denker. Das Buch zählt zu Recht zum Kanon der Lebensratgeber.
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41 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Juli 2005
Die „Aphorismen" erschienen 1851 im Rahmen einer Sammlung populärer Schriften, der „Parerga und Paralipomena". Dabei handelt es sich aber um oft ziemlich lange Abhandlungen, aus denen man viele Aphorismen ziehen kann, da sie so präzise formuliert sind. Schopenhauers Denken nahm bei Kant seinen Ursprung, in seinen Augen entwickelte er dessen Werk weiter, ging sozusagen den nächsten Schritt. Schopenhauer entwickelte ein System der Metaphysik, das die Bedeutung des Unbewußten thematisiert. Er verbindet altindische Weisheiten mit einem Pessimismus, der sich in seinen Augen erfrischend von der „Hegelei" seiner Zeit unterschied.
In den Aphorismen nimmt er eine Unterteilung in drei Grundbestimmungen für das persönliche Glück vor: 1) Was Einer ist... Gesundheit, Schönheit, Kraft, Intelligenz usw. 2) Was Einer hat... seinen persönlichen Besitz 3) Was Einer vorstellt... Sicht der anderen auf ihn (Ruhm und Ehre). Er verweist auf die unendliche und unstillbare Suche des Menschen nach dem Glück, die nie dauerhaft ihr Ziel erreicht. So sollte man doch besser alle Kraft auf die Vermeidung von Unglück verwenden. Dabei zeigt er sehr fortschrittliches Denken in Bezug auf die Relevanz des Meinung anderer für das persönliche Glück und er kritisiert auf sehr sarkastische Weise die Untriebe des Duellierens seiner Zeit. Schopenhauer war sprachlich sehr begabt und das Gleiche setzt er auch bei seinen Lesern voraus. Zitate auf Griechisch, Latein, Französisch, Spanisch, Italienisch und Englisch werden selten übersetzt. Sein Buch ist auf höchstem schriftstellerischen Niveau, pointiert, ironisch und liefert „sprachliche Gemälde und keine Schablonenmalereien".
Kritik an Schopenhauers Werken bezieht sich oft auf gewisse Einseitigkeiten, die man durch sein sehr einsames Leben zu erklären sucht. Doch man sollte sich davor hüten, sein ganzes Werk so zu beurteilen. Alexander Heine schreibt: „Letztlich kann das Biographische nur die äußere Hülle des Denkens erklären. Ob ein Gedanke wahr oder falsch ist, hat damit nichts zu tun. Und Vieles von dem, was Schopenhauer schreibt, ist nicht nur gewandt, witzig, intelligent, es ist auch wahr..." Dem gibt es nichts hinzuzufügen.
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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Oktober 2004
es ist schon absurd, wenn schopenhauer in seinen 50er jahren eine "anleitung zum glücklichsein schreibt", besser gesagt eine "anleitung zur vermeidung von unglück und leid". verständlich ist die absurdität all jenen, die sein hauptwerk "die welt als wille und vorstellung" gelesen haben, was übrigens ein faszinierendes erlebnis ist.
grundsätzlich sagt schopenhauer, dass man sich bewusst machen muss, dass man nicht zum glücklichsein auf der welt ist (um glücklich werden zu können). eine anleitung zum glücklichsein gibt es also gar nicht. die jagt nach dem glück eine missliche sache, die einen immer wieder zurückwirft. darum empfiehlt schopenhauer, nach aristoteles, lieber zu versuchen, das unglück zu vermeiden. das unglück ist real und automatisch vorhanden, das glück nur schwer erreichbar und flüchtig. darum also sich auf die vermeidung von unglück und leid konzentrieren.
schopenhauer teilt drei bereiche: das was einer besitzt (besitztum), was einer (für andere) darstellt, und was einer (für sich selbst) ist. und gibt ratschläge wie die dinge zu sehen und zu behandeln sind.
dann folgt ein katalog von kleinen absätzen mit maximen, und noch eine schrift über das verhalten im jeweiligen alter.
die "aphorismen" sind eigentlich teil der "parerga und paralipomena", entstanden im reiferen alter, das sind kleinere schriften und aufsätze, gegliedert, zu verschiedensten themen wie religion, tod, musik, frauen, etc., alles auf dem hauptwerk fußend, das im alter von 27 entstand, und mitte 50 entstand band zwei mit ergänzungen, jedoch keinen wesentlichen neuerungen.
FAZIT:
schopenhauers werk ist in sich rund abgeschlossen. die "aphorismen" sind aber auch ohne den rest gelesen zu haben, eine bereicherung und im alltag nützlich, ergreifend geschrieben - und sind demnach sowohl für "laien" als auch zb. "philo absolventen" ein genuss und eine bereicherung zu lesen. man muss schopenhauer nicht in allem zustimmen, aber vieles hat er raffiniert durchschaut und zeitlos auf den punkt gebracht.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Juli 2004
Dieses Buch war meine erste Schopenhauer-Lektüre und es hat mein Leben dermaßen auf den Kopf gestellt, dass es einem fast unheimlich werden kann. Es ist eine populärphilosophische Schrift, also auch für philosophische Laien bestens geeignet. Wer dieses Werk allerdings wirklich verstanden hat, wird süchtig werden nach Schopenhauers Werken - so ging es mir zumindest.
Es gibt allerdings einige Dinge die mir an dieser Ausgabe (Inselverlag) nicht passen:
1. Schopenhauer zur Rechtschreibung: "[...] Meinen Fluch über Jeden, der, bei künftigen Drucken meiner Werke, irgend etwas daran wissentlich ändert, sei es eine Periode, oder auch nur ein Wort, eine Silbe, ein Buchstabe, ein Interpunktionszeichen."
Dieser Wille Schopenhauers wurde in dieser Ausgabe mißachtet, die Rechtschreibung wurde unserer Zeit (Zwecks Leserfreundlichkeit?) angepasst. Ich bevorzuge seine Schriften im Original, denen ist ein gewisser altertümlicher Flair zu eigen. (zum Beispiel sein=seyn usw...)
2. Die fremdsprachigen Zitate (und das sind viele) werden alle erst im Anhang übersetzt, so dass man ständig hin und her blättern muß. Das gilt natürlich nicht für solche Menschen, die des Lateinischen, Griechischen, Französischen und Englischen mächtig sind.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Mit diesem schmalen Bändchen in der Innentasche der Kutte kann man das Leben getrost auf sich regnen lassen und dabei Gelassenheit üben. Schopenhauer verfasst eine Art Vademekum, indem er Grundeinsichten, die nur das Hauptwerk vermittelt, als qualifizierte Lebenshilfe zugänglich macht, so wie er ja ohnehin Wert darauf legt, dass wir nur über die Anschauung lernen und nicht aus dem Abstrakten heraus. In einer Zeit, deren Mainstream die Präsentation über die Substanz stellt, ist es besonderes wohltuend, schlüssig hergeleitet zu bekommen, dass dem, was einer IST, höherer Wert zukommt, als dem, was einer HAT oder nur VORSTELLT. Für Schopenhauer geht die Essenz der Existenz voraus. Wie einer ist, so handelt er. Das Wesentliche ist Anlage. Alles andere bleibt Wunsch. Immerhin: Man kann sich in seinen Festgelegtheiten, also in seinem inneren eigentümlichen Vermögen, aber ebenso in seinen Grenzen, quasi sokratisch selbst erkennen. Dass es keinen freien Willen gibt und die Kausalität wesensabhängig regiert, sollte nicht als einengend, sondern kann als verlässliche Sicherheit angesehen werden. Amor fati! Sein kommt vor Schein, Wissen vor Meinen, das Was bestimmt das Wie, und unser Handeln weist uns verlässlicher aus als das bloße Gerede oder die eitle Fassade. Wer in sich selbst eine feste Heimstatt findet und weiß, dass er für sein Glück zuerst allein zu sorgen hat, wer seine Lage ebenso erkennt wie seine Defekte, wird eigenverantwortlich leben können, von anderen nicht coabhängig alles erwarten und weniger schnell den Stab über das ihm nächste Mängelwesen brechen.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. April 2000
Die Aphorismen zur Lebensweisheit gehören zu den schönsten, wärmsten, traurigsten, vortrefflichsten und klugsten Reflexionen über die Bedingungen des Menschentums, die mir bekannt sind. Ihre überragende Stellung im 19. Jahrhundert als Reflexionen der Lebensweisheit verdanken sie nicht nur ihrem dem Gegenstande nach angemessenen Pessimismus, sondern auch noch der einmaligen Gabe Schopenhauers das Traurigste in eine herrliche Sprache zu kleiden, so das die Wirkung des Buchs als echte Katharsis zu verstehen ist, über das nunmal bescheidene Schicksal unseres Geschlechts. Bei der Entscheidung welches Buch ich auf die einsame Insel mitnehmen würde, würde ich das Buch selbst dem Aristoteles (Nikomachische Ethik) vorziehen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Dezember 2009
Vorweg gleich das wesentliche: Ich glaube, niemand der Schopenhauer kennenlernen möchte und dieses Buch kauft wird davon enttäuscht werden. Klare Worte, sprachlich wunderbar verpackte Einteilung des Unerklärbarem so das am Schluss etwas auf das Wesentliche reduziertes dasteht das wir ja schon immer wussten. Vordergründig plumpe Vorurteile die sich (zumeist) als bestechende Analysen über unser menschliches Verhalten entpuppen werden abgelöst von allereinster Existenzphilosophie. Ein Genuss für die Augenblicke an welchen man sich an sein Innerstes wagen möchte.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. April 2011
Im Vergleich zu Nietsches "Ecce Homo" ist die Sprache von Schopenhauer und hier besonders die lang gezogenen und mit Gedanken, Ideen und Hinweisen vollgestopften Saetzen, um einiges komplexer, was die Lesezeit des nahezu gleich dicken (von der Seitenanzahl betrachtet) Buches deutlich erhoeht.

Die Wortdefinitionen, welche diesem ueberarbeitete Auflage des Werkes, koennen im Regelfall nicht beachtet werden. Der Allgemeinbildung sei dank, kann man grob erahnen ob es sich bei manchen Woertern um Personen vergangener Zeitalter handelt, oder nicht. Da im Buch, fuer mein Wissensstand des deutschen Sprachgebrauchs, auch Woerter dabei waren, welche keine Definition inne hatten, bin ich nach der Haelfte des Buchs dazu uebergegangen, diese Definitionen groszzuegig nicht zu beachten.

Man sollte sich bewusst sein, dass dieses Werk schon viele Monde "auf dem Buckel" hat, was bei einigen Ausspruechen erkennbar ist. Ist man nicht zu zart besaitet und ist sich dem Sprachgebrauch der damaligen Zeit bewusst, stoeren einem die ab und an aufblitzenden Ansichten wenig.

Generell, und das muss man bewundernd anerkennen, ist das Buch eindeutig fuer "mehr" geschrieben. Es ist ueberraschend, dass sowohl ein zweiter Leser, wie auch ich, sich jeder fuer sich im Buch wieder entdeckt hat. Gegen Ende geht man gar der Annahme, dass man, laut Schopenhauer, schon zu den aelteren Menschen zaehlen muss, da man eine gewisse Weltansicht vertritt die man, wohl in der damaligen Zeit, erst im reiferen Alter erreicht. Natuerlich spielen hierbei auch bereits gelesene Buecher, wie auch eine gewisse, immaterielle Lebensart eine Rolle, denn diese ist, laut Schopenhauer, dass geringere Uebel.

Wie Eingangs angedeutet habe, empfehle ich dieses Buch jedem, der auch gleich mit Nitzsches "Ecce Homo" dazu bestellt. Mit beiden Buechern im Sinn, kann man seine Gedankenwelt durchaus in einen befreienden Zustand versetzen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 16. März 2010
"Wir werden dieses Welt ebenso dumm und ebenso schlecht
verlassen, wie wir sie vorfanden, als wir ankamen."
(Voltaire)

An Voltaire angelehnt, konnte Schopenhauer (1788-1860) bereits 1851 in seiner Schrift: PARERGA und PARALIPOMENA Band I feststellen, dass die "Weisen aller Zeit immer das Selbe gesagt, und die Thoren, d.h. die unermeßliche Majorität aller Zeiten, haben immer das Selbe, nämlich das Gegentheil gethan: und so wird es auch ferner bleiben". Nun, Schopenhauer war nie ein Kind von Vorsicht, seine Sprache ist deftig direkt. Am meisten hatte es der alte Hegel zu spüren bekommen, aber sei's drum. Seine im oben erwähnten Nebenwerk, in dem neben dem Übergangenen (Paralipomena) auch die Aphorismen zur Lebensweisheit den Leser erfreuen. In dem Erstling von Christoph Poschenrieder: Die Welt ist im Kopf" konnte man leicht nachempfinden, welche Mühe und Erwartung Schopenhauer für sein Hauptwerk: "Die Welt als Wille und Vorstellung" aufbringen musste. Die beiden Werke P&P II haben den Philosophen berühmt gemacht, während sein Hauptwerk fast 30 Verkaufs-Jahre benötigte für die Erstausgabe. Seine Mutter Johanna machte bereits Witze.

Nun zu den Aphorismen der Lebensweisheit, die im wirklich wahren Begriff der Lebensweisheit von der Kunst berichten, "das Leben möglichst angenehm und glücklich durchzuführen", letztendlich zu einem "glücklichen Daseyn" zu führen. Chamforts Worte, dass das Glück nirgends zu finden sei, als in einem selbst, schickt er voraus und bettet so seine Agenda auf diese Idee der Sorge um sich. Sich zu fragen, was man ist; sich zu fragen, was man hat; sich zu fragen, was man vorstellt sind die Kategorien antiker Philosophie, die helfen, die Persönlichkeit, den Besitz und letztendlich die Sicht auf sich selbst im Auge der anderen zu erfahren und zu erkennen. "Höchstes Glück der Erdenkinder / Sei nur die Persönlichkeit" schrieb Goethe im W.O.Divan und konnte so das Sein fernab vom Besitz definieren, sicherlich genau unter der Prämisse Sokrates', der nichts anderes zu finden suchte, was er nicht (sic!) nötig hatte. Schopenhauer kommt auch so zu dem Schluß, dass das Wesentliche das ist, was wir sind. "Geprägte Form, die lebend sich entwickelt"; dieses Goethe-Wort als Maßstab und Aufforderung zu erkennen, was in der Macht steht zu ändern, zu bewegen, zu vollenden.

Schopenhauer bewegt seine Gedanken entlang der griechischen Philosophie, teils den Lehren Epikurs entsprechend, zum anderen nach der Bescheidenheit der Stoiker. Zudem verweist er was Ethik und Moral angeht auf seine Preisschrift, Über die Grundlage der Moral. Was den Besitz angeht, weiß er wie die Griechen die Quelle aller Unzufriedenheit in der Maximierung der Ansprüche zu finden. Insbesondere ist es das Geld, weil es nicht nur einem Bedürfnis in concreto begegnet, sondern vielmehr dem Bedürfnis überhaupt, in abstracto. (Georg Simmel weiß dieses sehr interessant zu beschreiben.)

Unser Dasein in der Meinung anderer schließt den Reigen der brillanten Überlegungen und Aphorismen. Ist doch diese Fremdmeinung eigentlich unwichtig für das Wachsen des eigenen Glücks, treibt um so mehr die Frage den Geist, warum einer sich freut über des anderen Gunst. Die Eitelkeit und der Schmeichel treiben hier ihr Spiel und suchen fremdem Beifall. Wird man so zum "Sklave fremder Meinung und fremden Bedünkens", so ist um so mehr zu bedenken, was man in und für sich selbst ist, gegen das, was man bloß in den Augen anderer ist. Die richtige Abschätzung wird zum Glücke beitragen, Gellerts Worte geben zu bedenken: "daß oft die allerbesten Gaben / Die wenigsten Bewund'rer haben."

Zum Schluß soll das alte Goethe-Wort herhalten, welches den Schein zum Guten für sich selbst, trügerisch durch die Verneinung anderer zu erreichen glaubt. "Wenn ihr seht, wie sie sich geberden, / Die, um etwas zu scheinen, Mich gerne möchten verneinen." (Goethe)
Eine lesenswerte Sammlung bester Aphorismen zur Lebensweisheit.
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