"Wir werden dieses Welt ebenso dumm und ebenso schlecht
verlassen, wie wir sie vorfanden, als wir ankamen."
(Voltaire)
An Voltaire angelehnt, konnte Arthur Schopenhauer (1788-1860) bereits 1851 in seiner Schrift:
PARERGA und PARALIPOMENA Band I feststellen, dass die "Weisen aller Zeiten immer das Selbe gesagt, und die Thoren, d.h. die unermeßliche Majorität aller Zeiten, haben immer das Selbe, nämlich das Gegentheil gethan: und so wird es auch ferner bleiben". Nun, Schopenhauer war nie ein Kind von Vorsicht, seine Sprache ist deftig direkt. Am meisten hatte es der alte Hegel zu spüren bekommen, aber sei's drum. Seine im oben erwähnten Nebenwerk, in dem neben dem Übergangenen (Paralipomena) auch die Aphorismen zur Lebensweisheit den Leser erfreuen. Denn diese Aphorismen der Lebensweisheit, die im wirklich wahren Begriff der Lebensweisheit von der Kunst berichten, "das Leben möglichst angenehm und glücklich durchzuführen", treten an, letztendlich zu einem "glücklichen Daseyn" zu führen.
Chamforts Worte, dass das Glück nirgends zu finden sei, als in einem selbst, schickt er voraus und bettet so seine Agenda auf diese Idee der Sorge um sich. Sich zu fragen, was man ist; sich zu fragen, was man hat; sich zu fragen, was man vorstellt sind die Kategorien antiker Philosophie, die helfen, die Persönlichkeit, den Besitz und letztendlich die Sicht auf sich selbst im Auge der anderen zu erfahren und zu erkennen. "Höchstes Glück der Erdenkinder / Sei nur die Persönlichkeit" schrieb Goethe im W.O.Divan und konnte so das Sein fernab vom Besitz definieren, sicherlich genau unter der Prämisse Sokrates', der nichts anderes zu finden suchte, was er nicht (sic!) nötig hatte. Schopenhauer kommt auch so zu dem Schluss, dass das Wesentliche das ist, was wir sind. "Geprägte Form, die lebend sich entwickelt"; dieses Goethe-Wort als Maßstab und Aufforderung zu erkennen, was in der Macht steht zu ändern, zu bewegen, zu vollenden.
Schopenhauer bewegt seine Gedanken entlang der griechischen Philosophie, teils den Lehren Epikurs entsprechend, zum anderen nach der Bescheidenheit der Stoiker. Zudem verweist er was Ethik und Moral angeht auf seine Preisschrift, Über die Grundlage der Moral. Was den Besitz angeht, weiß er wie die Griechen die Quelle aller Unzufriedenheit in der Maximierung der Ansprüche zu finden. Insbesondere ist es das Geld, weil es nicht nur einem Bedürfnis in concreto begegnet, sondern vielmehr dem Bedürfnis überhaupt.
Unser Dasein in der Meinung anderer schließt den Reigen der brillanten Überlegungen und Aphorismen. Ist doch diese Fremdmeinung eigentlich unwichtig für das Wachsen des eigenen Glücks, treibt um so mehr die Frage den Geist, warum einer sich freut über des anderen Gunst. Die Eitelkeit und der Schmeichel treiben hier ihr Spiel und suchen fremdem Beifall. Wird man so zum "Sklave fremder Meinung und fremden Bedünkens", so ist um so mehr zu bedenken, was man in und für sich selbst ist, gegen das, was man bloß in den Augen anderer ist. Die richtige Abschätzung wird zum Glücke beitragen, Gellerts Worte geben zu bedenken: "daß oft die allerbesten Gaben / Die wenigsten Bewund'rer haben."
Eine lesenswerte Sammlung bester Aphorismen zur Lebensweisheit.
~~