Aphasie ist eine durch einen Schlaganfall, eine Hirnblutung oder ein Schädel-Hirn-Trauma verursachte Sprachstörung, die das Sprechen, Verstehen und Schreiben betrifft. Da der Patient Probleme hat, sich auszudrücken, andere Menschen und geschriebene Texte zu verstehen, ist die Beziehung zu allen Gesprächspartnern zunächst gestört. Der Verfasser Jürgen Tesak ist Professor für neurogene Sprach- und Sprechstörungen und beruflich mit der Rehabilitation Betroffener befasst. Er beschreibt die einzelnen Aspekte einer Aphasie wie Wortfindungsstörungen, falsche Wortwahl innerhalb eines korrekten Wortfeldes, Lücken und Stereotypien in anschaulichen Beispielsätzen. Tesak weist daraufhin, dass Angehörige die Einschränkung des Sprachverständnisses oft nicht erkennen, da die Intelligenz und die sozialen Fähigkeiten des Patienten erhalten geblieben sind. Sprache und Kommunikation kann auch getrennt voneinander ablaufen: selbst starke Störungen können manche Patienten geringer beeinträchtigen, wenn Stimme, Gestik und Mimik erhalten geblieben sind; einige Patienten sprechen trotz geringer Störungen öffentlich gar nicht mehr. Tesak beschreibt die Phasen der Krankheitsverarbeitung, den Kompetenz-Verlust des Patienten und die Folgen für die Aufgabenverteilung in der Familie. Er regt an, über Umfang und Grenzen einer Unterstützung durch Angehörige offen zu sprechen.
In farblich abgesetzten Kästen geben Zitate Betroffener Einblick in ihre Situation und ihre Gefühle. Als Leser erfährt man aus ihren Aussagen sehr anschaulich, wie man sich einem Aphasiker gegenüber verhalten sollte. Die Entstehung der Sprachstörung wird in einem weiteren Kapitel umfassend und verständlich erklärt, der typische Verlauf einer Aphasie im ersten Jahr ausführlich dargestellt. Faktoren, die den positiven Verlauf fördern können, sind aufgeführt. Der Autor weist auf zusätzliche Einschränkungen wie Lähmungen, Sehstörungen und Persönlichkeitsveränderungen hin. Im Anhang des Ratgebers sind Anschriften und Internetadressen von Selbsthilfegruppen und Hinweise auf Erfahrungsberichte Betroffener angegeben.
Die 2. überarbeitete Auflage von 2007 ist verständlich formuliert und übersichtlich gegliedert. Das von Selbsthilfegruppen empfohlene Buch richtet sich an Angehörige und medizinische Fachberufe. Es ist besonders den Angehörigen empfohlen, die nicht direkt mit dem Betroffenen zusammenleben und sich deshalb im Umgang unsicher fühlen.