Die Publikation setzt sich aus verschiedenen Aufsaetzen zusammen, die sich allesamt mit dem Thema des gewaltsamen Todes auseinandersetzen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Fall des Jungen Apfelböck, der seine Eltern 1919 in Muenchen ermordete. Die Schilderung des Autors wie auch die akribische Dokumentation anhand der Polizeiberichte und Gerichtsprotokolle vor allem aber der Zeitungsberichte, wirft viele Fragen zum Motiv auf, beleuchtet aber auch eindrucksvoll das Zeitgeschehen in der bayerischen Landeshauptstadt Anfang der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Da es Bert Brecht war, der diesen Stoff in seiner Ballade (und einer Erzaehlung, was mir bislang nicht bekannt war) verarbeitete, wird auch ihm eine eigene Untersuchung gewidmet.
Bei allem Bemuehen um die akribische Dokumentation des spezifischen Falls liegt dem Buch - und das ist dem/den Autor(en) hoch anzurechnen - stets die Frage zugrunde, warum der Mensch ueberhaupt tötet bzw. wie wir mit diesem Phaenomen umgehen. So werden andere Faelle exemplarisch geschildert und allgemein das Thema Bild und Tod aufgegriffen (Autoren: Bachmann u. Rosen). Vielleicht waere es sinnvoll gewesen, einen Psychologen oder Soziologen hinzuzuziehen, um den Gruenden versierter nachzugehen - andererseits ist dieses Buch vielleicht auch gerade deshalb so aufregend, weil es keine Antworten gibt.
Ich bin zwar kein Germanist und auch kein Historiker, doch denke ich, dass diese Publikation fuer die Brechtforschung wie auch die Geschichtswissenschaftler von Interesse sein muss.
Da die einzelnen Aufsaetze gut geschrieben und auch gut proportioniert sind, kann das Buch von Christian Schön nur empfohlen werden.