Allgemein kann ich sagen, dass ich kein Freund von Autobiographien bin, denn entweder sind sie grottenlangweilig oder sie sind so beschönigend, dass sie vor lauter Schleim vor sich hin triefen. "Anything Goes" ist anders. Vielleicht vor allem, weil ich bei John Barrowman einfach mit schamloser Selbstbeweihräucherung gerechnet habe. Der Mann liebt sich und das was er tut - und hält mit dieser Meinung auch nicht hinter dem Berg. Sehr sympathisch. Er hat's auch verdient. Es ist schon fast putzig, wie er das Hochgefühl beschreibt, das er jedes Mal fühlt, wenn er in der Maske von Torchwood die "1" unter seinem Bild sieht und wie er es genießt sich selbst im TV zu sehen.
Das Buch an sich ist ein bisschen schwurbelig, weil er nach keiner klaren Chronologie erzählt und deshalb ständig hin und her springt. Er lässt viele Jahre und Dinge aus (Schulzeit, große Teile der Kindheit, etc.pp.), die nichts mit der Schauspielerei oder seinem Faible für Partys, Dummheiten und Phobien zu tun haben. Hätte er tatsächlich alles erzählt, wäre die Bio wahrscheinlich ein 12-bändiges Monsterwerk geworden - aus diesem Grund kann ich darüber hinwegsehen, dass er nicht erzählt hat in welcher Grundschule er war. John Barrowman schafft es trotzdem ein so intimes Bild von sich selbst und seiner Umwelt zu zeichnen, dass man ab und zu durchaus das Gefühl hat dabei zu sein. Das liegt unter anderem auch an seinem doch sehr saloppen Schreibstil und den immer wieder eingefügten "Zwinker"-Fußnoten. Ich hab mich gut unterhalten gefühlt und es hätte mich nicht gewundert, wenn JB mit einer Tasse Tee neben mir auf dem Sofa gesessen hätte. So berichtet er beispielsweise sehr nonchalant von verschiedenen Furzwettbewerben, die er gerne mit Kollegen austrägt oder auch von Eigenheiten aus dem Theater- und Musicalbetrieb (was durchaus für jemand an dem Thema Uninteressierten wie mich ein bisschen dröge sein kann).
Ich habe die Angewohnheit die Seiten zu markieren, auf denen Dinge stehen, die ich unter Umständen bloggen möchte oder die ich generell einfach toll/lustig/emotional/erinnerungswürdig finde... in "Anything Goes" ist jede zweite Seite angekreuzt. Ich muss ein paar Passagen einfach zitieren...
Über einen Familienausflug mit einem Wohnwagen:
"'Mu-um, it's getting worse up here,' Carole (JBs Schwester) whined. 'I'm going to be sick.' - 'No, you're not, young lady!' shouted my mum. This ability to control random acts of fluid loss on car trips was one of my mother's superpowers. Her other special gift was the use of eyes in the back of her head, which I've heard is common among all mothers."
Über Trunkenheit:
"Boys and girls, there are three things you should never ever do if you've been drinking [...]:
Never drive.
Never get a tattoo.
Never take your dog swimming. This rule also applies to cats, hamsters, little bunnies, and anything in the furry rodent family."
Es gibt jede Menge weitere Absätze, die mich vor Lachen fast vom Sofa gehauen haben... sein Bericht über den Trick seiner Eltern, die ihm ein Schild um den Hals gebunden haben und den beiden Geschwistern sagten, dass sie ihn weggeben (damit die beiden ihn endlich mal akzeptieren) oder als er von seiner Lehrerin auf den Hinterkopf geschlagen wird und seine Großmutter Rache übt. Großartig. Sehr amüsant sind auch die Geschichten über beabsichtigte Nacktheiten und unbeabsichtigte Körperausscheidungen auf der Bühne... in weißen Polyesterhosen.
Aber es gibt aber auch ruhige Momente und Szenen in dem Buch - sein erster Kuss, die Berichte über seine eher unglücklichen Zeiten an der Uni und die immer mitschwingende Angst ein gestecktes Ziel vielleicht doch nicht zu erreichen.
Insgesamt: Sehr lesenswert, wenn man John Barrowman mag und mit seiner durchaus narzisstischen Art zurecht kommt - mal ehrlich: er darf das!