22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
moderne Version des "Stadtneurotikers", 6. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Anything Else [UK Import] (DVD)
Eines gleich vorweg: wer Woody Allen's Filme mag, der wird auch von "Anything else" nicht enttäuscht sein. Von vielen Fans wird er sogar als sein bester Film seit Jahren gehandelt, dies liegt möglicherweise daran daß der Altmeister hier gewissermaßen eine Brücke zwischen seinen feinsinnigen Beziehungsporträts aus den 70ern (allen voran "Manhattan") und den etwas 'seichteren' (sofern der Ausdruck bei Woody Allen's Filmen überhaupt angebracht ist) Komödien der letzten Jahre schlägt. Manch ein "Woodyianer" mag ob des mangelnden Tiefgangs seiner letzten Filme etwas enttäuscht gewesen sein; ich fand sie größtenteils sehr amüsant und besser als fast alles was einem heutzutage im Kino als "Komödie" verkauft wird, und sich meist auf Humor mit der Brechstange oder unter der Gürtellinie beschränkt.
Jedenfalls sind da einerseits wieder die Lieblingsthemen des Regisseurs (der neurotische Künstler und sein erfolgloser Agent, die Psychoanalyse, das Weib das dem Mann den Sex verwehrt etc.), welche stark an einige seiner frühen Filme erinnern; und andererseits beeindruckt wiederum das tolle Ensemble an Jung-und Altschauspielern, sowie die hohe Frequenz und Treffsicherheit der Pointen, die seine letzten Filme ausgezeichnet haben. New York als Schauplatz, sowie heiter-be"swing"liche Jazzmusik als Untermalung erweisen sich natürlich erneut als Konstanten im Woody-Allen-Universum. Der Plot (wie immer bei Woody Allen lediglich der Hintergrund für seine geistreichen Dialoge) in Kurzform: Ein junger, verunsicherter Schriftsteller (Jason Biggs) kämpft mit Problemen im Job und außerdem mit seiner, gelinde gesagt, etwas schwierigen Freundin, die nicht mehr mit ihm schlafen will und stattdessen ihre Mutter, eine Alkoholikerin und zweitklassige Bar-Sängerin, bei ihm einziehen lässt. Zum Glück hat er den Lehrer Dobel (Allen) kennengelernt, der ihm bei ausgedehnten Spaziergängen im Central Park mit seinen vermeintlichen Lebensweisheiten aushilft.
Ein goldenes Händchen bewiesen Allen und seine Casting-Agentin Juliet Taylor wieder einmal bei der Auswahl des Ensembles: wie schon im "Jade Skorpion" geben sich auch in "Anything else" ein paar frische Gesichter Hollywoods mit ein paar großen Namen des Kinos ein Stelldichein. Während Danny DeVito den armseligen Agenten mimt, machen Christina Ricci als hysterische Ober-Zicke und Jason Biggs als hilfesuchender Jungschriftsteller ihre Sache wirklich ausgezeichnet. Die Verpflichtung von Jason Biggs ist besonders pikant: immerhin gehört "American Pie" genau zu der Sorte Komödien, die Woody Allen für den Verfall der Kinokultur verantwortlich macht... womit auch geklärt wäre, welche Leute sich diesen Film eher nicht anschauen sollten! Wer aber Beziehungskomödien mit feiner Klinge schätzt und nicht nur über Peinlichkeiten lachen kann (Stichwort: "Meet the Fockers") wird sich bei diesem Film bestens amüsieren.
Ein besonderes Lob, auch das muß endlich mal gesagt werden, gebührt der deutschen Synchronisation von Allen's Filmen: es ist erfreulich daß man so dialoglastige und auf Wortwitz basierende Filme in einer derart hohen Qualität auf Deutsch geboten bekommt! Bleibt nur zu hoffen daß der deutsche Verleih auch eine DVD-Fassung in Erwägung zieht...
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kein großer Film, aber immerhin von Woody Allen!, 19. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Anything Else [UK Import] (DVD)
Wer die ersten paar Minuten von Woody Allens 34. Kinofilm schaut, muss zunächst denken, wirklich im falschen Film zu sein - denn der Anfang lässt vermuten, der Altmeister habe seinen Klassiker "Der Stadtneurotiker" einfach nochmal mit jüngerer Besetzung verfilmt. Zwar zeigt sich auch in der Folge, dass "Anything else" deutlich auf den älteren Film aufbaut, aber zum Glück wird das Ganze mit frischen Elementen belebt - Allen erschließt sich selbst die neue Rolle des leicht gestörten Mentors und überlässt Jason Biggs das Feld, der seine Sache als ungelenker Nachwuchskomiker mit Liebesproblemen sehr ordentlich macht. Es gibt die gewohnten Dialoge über Gott, das Jiddisch-Sein und menschliche Beziehungen - immer blitzgescheit, amüsant, großartig gespielt, wenn auch ohne spektakuläre Überraschungen. Kurz gesagt: zuverlässig gut.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Genialer Film - ersetzt so manches Lebensberatungsbuch, 29. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Anything Else [UK Import] (DVD)
Unser Protagonist Jason hat zu Beginn des Filmes folgende Lebensregeln:
Mach es allen Recht! Sei freundlich! Passe dich an!
Und wie weit ist unser Freund damit gekommen? Fassen wir zusammen:
1. Seine Freundin hat keinen Sex mehr mit ihm.
2. Sein Agent redet viel, kostet viel und es kommt nichts dabei heraus.
3. Sein Psychoanalytiker kassiert ebenfalls, nur damit sich Jason seine eigenen Fragen beantworten kann.
Und hier kommt Dobel (Woddy Allen) ins Spiel. Er öffnet Jason so langsam die Augen, worauf es im wirklichen Leben ankommt. Und dass das ständige Anpassen und sich etwas schönreden nichts bringt.
Mit einer List bringt Dobel Jason dazu, dass er seinen Agenten feuert, beim Psychoanalytiker aufhört und zumindest den Anlauf nimmt, mit seiner sogenannten Freundin Schluss zu machen. Klar, dass in einem Woddy-Allen-Film SIE ihm dabei zuvorkommt und die ganze Sache dadurch noch eine gewisse zusätzlich Tragik erhält.
Doch warum sollten wir so einen Film ansehen, warum rezensieren?
1. Die Aussage, dass sich für Jungs oder Männer eine eigene Meinung doch auch lohnen könnte, ist in der Mainstream-Diskussion zur Emanzipation fast schon revolutionär. Woddy Allen hat dies aber schon im Jahr 2003 erkannt! Sämtliche "gut-dass-wir-drüber-geredet-haben" und "du-musst-nett-und-freundlich-sein" Glaubenssätze werden hier im komischster Weise karikiert, übertrieben dargestellt, perfekt inszeniert und dann gottlob über Bord geworfen.
2. Es sind nicht die Umstände, die uns einengen, sondern unsere geistige Vorstellungkraft, was wir daraus machen. Die Perspektive, in Kalifornien neu anzufangen, setzt letzten Endes die Energien frei, die Jason braucht um sich endlich mal FÜR etwas und GEGEN etwas entscheiden zu können und dies auch so auszudrücken.
Woddy-Allen-Filme sind stark textlastig. Ein schnell gesprochener Satz jagt den anderen. Ein Kompliment an die Übersetzer des Filmes, die jede Menge Sprachwitz zielgenau in die deutsche Sprache übertragen haben.
Insgesamt also ein Film, der sehr unterhalsam und lustig ist. Und zusätzlich ist es ein Film, der Impulse setzt, auch mal über die eigenen kleinen gedanklichen Gefängnisse nachzudenken.
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