Im Verfilmen solcher Vorlagen sind die Briten beinahe unschlagbar. Hier liegt das gleichnamige Buch von William Boyd zugrunde, das durchaus autobiografische Züge enthält.
Der Lebensweg eines Mannes durch das 20. Jahrhundert - und kaum etwas wird ausgelassen. So bunt, so reich bebildert und so erlebnisreich, dass es einem oftmals ein klein wenig zu viel wird.
Darüber schwebt latent das Thema "Sex und Frauen" wie ein roter Faden, vor allem die Frauen, die der Protagonist Logan Mountstuart in einem Rückblick auf eben sein eigenes Leben katalogisiert (dieser Begriff ist hier in einem eher positiven Kontext zu sehen) und die Episoden mit ihnen Revue passieren lässt.
Von den revolutionären 20ern, wo die Röcke kürzer und die Damen deutlich frivoler wurden, über die vielfältigen Abenteuer im Zweiten Weltkrieg und im Spanischen Bürgerkrieg, bis hin zu Begegnungen mit historisch real existierenden Persönlichkeiten wie Ernest Hemingway oder dem Herzog und der Herzogin von Windsor, bis zur sexuellen Revolution Ende der 60er und den Machenschaften der RAF im Deutschland der 70er Jahre wird ein Riesenbogen gespannt.
Dabei bedient man sich dreier Herren (plus ein Kind), um Logan Mountstuart in allen Epochen authentisch darzustellen, nämlich Sam Claflin in seiner Jugend bis zu seiner ersten Ehe, danach kommt Matthew Macfadyen absolut glaubhaft und mit Herzensbrecher-Qualitäten und der alternde Logan wird in einer ebenso großartigen Leistung von Jim Broadbent gespielt.
Macfadyen hat dabei die meiste Screentime und belebt die beiden mittleren Teile mit seiner starken Darstellung, die vor allem in der Handlung rund um die Liebe seines Lebens, Freya (super: Hayley Atwell!), kaum zu toppen ist.
Sam Claflin hat es zu Anfang schwer, in Tritt zu kommen und Mountstuart zu zeichnen, zu charakterisieren. Seine Leistung schmälert das aber nur wenig.
Broadbent mimt den alternden, am Leben fast zerbrochenen Mann ganz hervorragend, ihm kommt dabei die schwere Aufgabe zu, die Rückblicke lebendig zu gestalten und das, was ihm im Alter noch widerfährt, mit Glaubwürdigkeit rüberzubringen.
Gelungen ist ihm das, er wurde dafür auch mit einem RTS-Award und einer BAFTA-Nominierung bedacht.
Leider ist der "deutsche" Teil, in dem es um die Verwicklung Mountstuarts in die Belange der RAF geht, der am wenigsten gelungene. Hier wirkt alles sehr hölzern, aufgesetzt und konstruiert und Broadbent kommt dagegen leider nicht an. Zudem offenbaren sich vor allem zum Schluss hin einige Längen in der Konzeption und im Drehbuch.
BAFTA für das Beste Drama Serial und Beste Original Television Music, bei insgesamt acht Nominierungen. Ebenso für sechs Emmys nominiert.
Absolut sehenswert, wenn man eine Zeitreise durch das vergangene Jahrhundert machen möchte und Fan von handwerklich exzellent gemachtem Brit-TV ist. Manche Kameraeinstellungen sind mehr als superb! Die Riege der Schauspieler ist gleichfalls hochkarätig, also Daumen hoch!
Derzeit keine deutsche Fassung erhältlich. Rezension bezieht sich mehr auf Inhalt und Aussage der Verfilmung, nicht auf die Features der angebotenen DVDs.