Ende der 90er Jahre war er plötzlich wieder, nach all den Jahren der musikalischen sidesteps - der Night Tripper, der Untote.
Schon auf dem ersten richtigen song ,Ki Ya Gris Gris' klingt er als ob er Voodoo Beschwörungen loslässt, die die Geister seiner musikalischen Vergangenheit wieder auferstehen lassen sollen. Freilich klingt er hier aufgeräumter und klarer, was sicherlich an den prominenten britischen Beteiligten liegt; unterstützt wurde er hier nämlich von Mitgliedern von Primal Scream, Portishead, Supergrass und von Paul Weller - alle miteinander eingeschworene Rebennack Fans der frühen Alben, die auch nie ein Hehl aus dem Einfluss machten, den der Doctor auf Sie hatte.
Und ja - die Briten funken anders, als die alten Mitstreiter, aber dieses mystische, düstere, unheilschwangere feeling seiner ersten 4 Alben sind Sie trotzdem im Stande zu kreiieren. Seien es nun die percussion Spuren, die Wah Wah Gitarren oder die background Gospel Chöre, das alles atmet den Geist von songs wie ,I Walk On Guilded Splinters' oder ,Mama Roux' und bis zu ,I Don't Wanna Know' ist das eine Swamp Blues-Funk Zeremonie die einen in ihren Bann zieht, mit dem Doctor als Ober Voodoo Priester der die Abgründe der Liebe beschwört. Die bösesten Momente hat ,John Gris' (inkl. Psychdelischem Sax und Querflöten Tupfern). ,Party Hellfire' ist dann der Abschluss der ersten Hälfte dieser Platte und ist ,funky as hell'.
,I Don't Wanna Know' ist ein ganz toller - für John's Verhältnisse - um Erlösung flehender song, mit dem Wunsch endlich Liebe statt des Bösen zu erfahren. Der Titeltrack schliesslich nähert sich musikalisch den Alben ,Gumbo' und ,In The Right Place' mit jeder Menge N'Awlinz-R&B, bevor es mit ,I Like Ki Yoka' noch mal in die Sümpfe geht.
Kräftige, aber in den Hintergrund gemischte, Gitarrenchords begleiten, zu gespenstischen Bongos, dann ,The Olive Tree', bevor eine orientalische Flöte dazu kommt, während John den Text wie eine Beschwörungsformel darüberspricht.
Ganz großartig ist der mit Horns unterlegte Funk ,Soulful Warrior', aber wie immer hat's der Doktor hier nicht eilig, es groovt zwar zwingend, aber nie schnell oder hektisch.
,The Stroke' ist nochmals hervorragender R&B, bevor er mit dem Rausschmeisser ,Sweet Home New Orleans' seiner geliebten Heimatstadt wieder mal eine Liebeserklärung macht.
,Anutha Zone' ist ein ,Night Tripper' Album, fast durchgehend düster und gespentisch und es lässt musikalisch die Jahre 1968-1972 in John's Karriere wiederauferstehen, ist aber soundmäßig trotzdem in der Gegenwart verankert (keine Angst - Elektronik oder Synthies sucht man auch hier vergeblich!)
Ein starkes Statement war das, nach den zwar oft sehr unterhaltsamen, aber harmlosen Soul, Disco, Cajun und Jazz Ausflügen der Jahre zwischen 1974 u. 1995 und 5 Sterne sind hier absolut verdient.
Warum das Teil von Capitol mittlerweile aus dem Katalog gestrichen wurde, verstehe wer will...