Eine Bergerzählung, von einem jungen Mann, der auf der Suche, nach Sinn, nach etwas Grösserem ist, sich an die eigene Grenze bringen will, der alles andere als ein "gewöhnlicher Bürger" sein will, wird hier nach 70 Jahren, dieses Frühwerk des damaligen 25-jährigen Max Frisch, neu von Suhrkamp aufgelegt und erstmals 1937 erschienen ist.
Der zunächst namenlose Sonderling, macht sich auf in die Berge, ausgerechnet 10 Tage vor seiner Hochzeit, will zum Nordgrad, (ev. Anspielung an die Eiger Nordwand) den wir nur in der Schweiz im Wallis der französischen Alpen annehmen können. Er kehrt zurück an einen Ort, den er schon vor dreizehn Jahren kennengelernt hat. Er macht sich fundamentale Gedanken, über das Leben, über den Sinn des Lebens, wo er Vieles zu hinterfragen beginnt. Er trifft dabei auf Irene, die er dort kennenlernt, sie beginnt ihn zu lieben, mit dem sie eine Wanderung machen wird. Beide nähern sich aus ihren vergangenen Leben und gelebten Beziehungen an, erzählen einander von sich, führen Gespräche über Glück, Wahrheit und Liebe.
Als der sonderhafte Wanderer eines Morgens bei einer Wanderung, die er mit der neu kennengelernten Irene unternimmt, spurlos verschwindet, machen sie die Menschen dort Sorgen um ihn, und beginnen ihn zu suchen. Auch seine Verlobte Barbara ist seit einigen Tagen dort oben, zwischen Oberhornhütte und Ochsenjoch, sie lernt Irene kennen und beiden Frauen beginnen sich anzunähern, wohl wissend, dass beide den gleichen Mann lieben...
Im Zentrum steht die Haltung und innere Auseinandersetzung des Wanderers. In der Grenzerfahrung scheint er etwas zu suchen, er verachtet das Gewöhnliche, sucht das Wahrhafte, das wofür es sich lohnt zu leben. Eine für mich sehr anmutig erzählte Geschichte, wo ein Mensch zu sich selbst gekehrt ist, dessen inneres Bemühen nach Grösserem Ausschau hält. Auch wenn diese Erzählung ein wenig an Schwere hat, so berührt sie doch gleichzeitig durch ihre Atmosphäre von authentischer und kompromisloser Selbstbegegnung, dem Drang zur eigenen Freiheit, wo die Sehnsucht nach wahrhaftigem, lebenswerten Leben und inneren Glücks seinen Ausdruck findet.
Das Nachwort von Peter von Matt, bringt noch ein wenig Licht ins Dunkel der Zusammenhänge zum realen Leben von Max Frisch und zeigt zumindest zum Teil gewisse Parallelen auf. (Während der ganzen Erzählung denkt man, Frisch schreibt über den Wanderer wie über sich selbst..)
Eine lesenswerte Erzählung, für ein verregnetes (oder auch sonniges) Wochenende, wo man eine innere, vielleicht stille Einkehr in sich selbst sucht, die innere Suche, den Grundfragen des Lebens, des Protagonisten Balz Leuthold auf sich selbst wirken lassen möchte, inmitten von Bergen, Bergbächen, Tieren und stillen Bergwelt und vielleicht dabei für sich selbst "Antworten aus der Stille" erlauschen mag, wenn man die gleichen Fragen in sich da sein lässt...