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Antrag auf ständige Ausreise: Mythen der DDR
 
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Antrag auf ständige Ausreise: Mythen der DDR [Broschiert]

Jakob Hein , Atak
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Produktinformation

  • Broschiert: 176 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 4 (Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492250467
  • ISBN-13: 978-3492250467
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 79.485 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Jakob Hein
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Das ist ein Schreiben, das auf der Achse Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Max Goldt liegt.« Tagesanzeiger

Kurzbeschreibung

Erich Honecker wollte seine sozialistische Heimat in Richtung Westen verlassen und soll dazu einen förmlichen Ausreiseantrag gestellt haben? Im legendären Transitabkommen hat es eine teuflische Geheimklausel gegeben, nach der die DDR westdeutsche Kinder bei Verlassen der Transitautobahn automatisch zur Adoption freigeben durfte? Die Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik steckt voller unglaublicher Geschichten - die unerhörtesten davon versammelt der Schriftsteller und gebürtige Leipziger Jakob Hein in diesem Buch!

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Satire soll boshaft sein. Verspotten soll sie Torheiten, gesellschaftliche Missstände anprangern, scheinheilige Welten zerreißen und sie der Lächerlichkeit preisgeben. Ihr typisches Stilmittel ist ironisierende Übertreibung im Gewand einer naiven, scheinbar objektiven Beobachtung. Geht ihr aber beim Übertreiben die Fantasie durch, so kippt die Satire um und wirkt dann mythisch, besonders wenn das Anzuprangernde bereits in neblig nostalgischer Ferne zu verschwimmen scheint. Gullivers Reisen, ursprünglich eine beißende Satire auf die europäische und besonders die englische Gesellschaft, wird heute als abenteuerliche Fantasie gelesen. Swifts Brobdingnager und Liliputaner sind nicht mehr Spottgestalten sondern magisch mythische Wesen einer Märchenwelt.

Der Reiz der fiktiven DDR Berichte Jakob Heins, (er nennt sie bereits Mythen), ist ihr rhetorischer Drahtseilakt zwischen Satire und Mythos. Erzählte man uns, dass Erich Honecker persönlich mal einen Antrag auf ständige Ausreise aus der DDR stellte, so würden wir herzlich lachen über diesen Witz. Hein jedoch ist ein begnadeter "Lügner": Honeckers "offizieller Antrag" ging im "Juli 1989 bei der Abteilung Inneres der Stadt Bernau" ein; "formal war das Schreiben vollkommen in Ordnung"; "es war auf dem besten in der DDR erhältlichen Schreibmaschinenpapier" mit einer "Schreibmaschine der Marke Erika" verfasst und "die Unterschrift glich exakt der Honeckers". Ohne mit der Wimper zu zucken, mit einem Pokergesicht und entwaffnender Nüchternheit, erläutert Hein die historischen Hintergründe, umwickelt sie kunstvoll mit selbstgesponnenem Garn, deutet alles außerordentlich plausibel, und am Ende? Also doch! Honecker wollte die DDR verlassen..., kaum zu glauben...

In seinen Satiren ohne bitteren Beigeschmack und Mythen ohne Pathos verwandelt der nüchterne Barde die beklemmende Idiotologie der DDR Dystopie literarisch in magische Fantasiewelten, in eine Utopie unbegrenzter Skurrilität. Alles ist möglich hier: Cannabis aus Afghanistan soll als sozialpolitisches Instrument zur Stützung des Landes eingesetzt werden, eine mechanische rote Waldameise wird für militärische Zwecke konzipiert, eine Doping Substanz, deren Erforschung staatlich subventioniert wird, führt zu einer überproportionalen Entwicklung der Schließmuskulatur. Es erscheint unglaublich, dass dies alles dem Hirn Heins entsprossen sein soll. Einiges ist einfach zu gut, um unwahr zu sein. Ich muss zugeben, dass ich dem "Koba 2000", einem quasi wertlosen Steinkohle Reststück, aufwendig verpackt und teuer verkauft als Konsumprodukt zur Förderung von Schlüsseltechnologien, bereits nachgoogelte. Dies "Produkt" erinnert mich an Kurt Kusenbergs "Nihilit". Wäre ich im Internet auf einen Koba Kohlebatzen in unbeschädigter Originalverpackung gestoßen, wer weiß, ...vielleicht hätte ich ihn gekauft. Nicht alle Geschichten Heins jedoch sind derart originell. Bei einigen, wie z.B. den Baumwollfeldern Sachsen-Anhalts, fehlt zwar die Pointe, aber schmunzeln darf man doch.

Fantasie lässt sich nicht unterdrücken. Honeckers Antrag auf ständige Ausreise? Es könnte sein!
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Von IG
Format:Broschiert
Seine letzten beiden Bücher waren um ein vielfaches besser. Aber "Vielleicht ist es soagr schön" und gerade "Herr Jensen steigt aus" sind so nicht zu schlagen. Gerade letzteres ist ein Werk, dass man gelesen haben sollte.
Aber nun zurück zu den "Mythen". Dieses Buch ist das, was ich im Vorfeld erwartet hatte. Man schmunzelt bisweilen, gelegentlich lächelt man. Doch vieles ist zu sehr schon ausgereizt und in den Medien breitgetreten worden. Und als ehemaliger DDR-Bürger kennt man den Kram eh schon. Da hat wohl der Verlag Druck gemacht, dass er mal wieder was von Hein drucken kann. Hein hätte sich mal lieber mit der heutigen Zeit auseinander setzen sollen. Vielleicht mit dem Mythos soziale Marktwirtschaft. Bei "Herr Jensen" ist es ihm wunderbar gelungen. Für gute und auch intelligente lustige Sachen kann ich Uschmann lesen, oder auch den Jaud. Es tut mir leid, aber die Themen sind, wie ich schon erwähnt habe, ausgelaugt. Was wesentlich Neues kann da nicht mehr kommen. Man kann dieses Buch lesen, keine Frage. Aber man wird es auch leider wieder schnell vergessen. Und das ist eigentlich nicht der Zweck eines guten Buches. Aber ich bin da bei Jakob Hein mal zuversichtlich, dass wieder was 5sterne mäßiges rauskommt. Er hat es ja bewiesen, und das nicht nur einmal.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Langweilige Lügen 28. August 2008
Format:Broschiert
Antrag auf ständige Ausreise: Mythen der DDR
Der geneigte und unvorbelastete Leser staunt zuerst über die Geschichten. Seltsam, was es alles gegeben hat in der Ex-DDR. Beim näheren Hinsehen stellen sich aber erste Zweifel ein, und beim genaueren Recherchieren bemerkt er: alles nur gelogen.
Nun bedeutet die Freiheit des Schriftstellers nicht, dass er nur Tatsachen berichten muss, im Gegenteil. Aber wozu soll man etwas erfinden? Um das System bloßzustellen? Dazu ist das ganze nicht authentisch genug; es fehlen echte Erfahrungsberichte der gewiß nicht an Absurdität armen DDR. Aber auch der Unterhaltungswert eines Lügenbarons der Münchhausenklasse wird nicht erreicht: Dazu sind die Geschichten einfach zu langweilig, uninteressant und unoriginell, um darüber lachen zu können. Das einzige dankbare Publikum, das ich mir denken kann, sind Ex-Bewohner der DDR die das Ganze noch nicht verarbeitet haben. Naja, wenn's hilft....
Interessante Literatur sieht anders aus.
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