Bevor ich das Buch in die Hand nahm, hatte ich eine Netzhautentzündung. Deshalb stand es zuerst einmal einige Wochen ungelesen im Regal - sehr unüblich bei einem neuen Durst-Benning!
Nach dem ersten Einlesen dann: Ein Hineinkrallen, in meinem Hirn, meiner Seele, meinem Herz, ausgelesen in nur einem Tag und einer Nacht - danach wieder Augen, die jeder Augenarzt gerne als Plakat zwecks Abschreckung für genau so unvernünftige Patienten verwenden würde ...
Antonias Wille beginnt seltsam nüchtern, doch kaum bist du drin, befindest du dich in einem Labyrinth. Gefesselt, gefoltert vor Spannung und Neugierde, geschockt von Themen wie lesbischer Liebe (in einem historischen Roman?!), die so wunderbar, einfühlsam beschrieben werden, dass der erste Schock schnell überwunden ist. Dann ... bisher ungewohnt bei Durst-Benning: Ein Kriminalfall, phantastisch dargestellt.
Und immer wieder die faszinierenden Wortbilder:
"... Lachen hüllt sie ein wie eine kratzige Decke ..."
"... ein Gesicht, in dem Pickel sprießen wie Pilze nach einer feuchten Herbstnacht ..."
"... sich das Genick brechen wie ein unvorsichtiger Gaul ..."
Augenschmerzen hin oder her - ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, spürte keine Schmerzen mehr, bis ich die letzte Seite verschlungen, ja, in mich hineingezogen hatte.
Kurz und bündig: Ein neues Buch, von einer ganz neuen Petra Durst-Benning