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Anton Reiser: Ein psychologischer Roman (insel taschenbuch)
 
 
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Anton Reiser: Ein psychologischer Roman (insel taschenbuch) [Taschenbuch]

Karl Philipp Moritz , Horst Günther
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 531 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag; Auflage: 4 (27. Juli 1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458339299
  • ISBN-13: 978-3458339298
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 10,8 x 1,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 62.883 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Karl Philipp Moritz
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Anton Reiser
OA 1785–90 (4 Bde.) Form Roman Epoche Sturm und Drang
Das unvollendet gebliebene Werk von Karl Philipp Moritz mit dem Untertitel Ein psychologischer Roman beschreibt den Werdegang eines Jünglings in der Sturm-und-Drang-Zeit.
Entstehung: 1783–93 gab Moritz das Magazin zur Erfahrungsseelenkunde heraus, das sich der Etablierung erster Ansätze der empirischen Psychologie verschrieben hatte. In dieser Zeitschrift sollte die Geschichte um Anton Reiser ursprünglich als Modellfall Aufnahme finden.
Inhalt: Anton wächst in einer von Schmach und Verachtung dominierten Atmosphäre auf; zu Hause herrschen Krankheit, Armut, Streit und eine neurotische Frömmigkeit, da der Vater der quietistischen Sekte anhängt. Anton sucht Zuflucht in seinen Büchern. Er wird zu einem Hutmacher nach Braunschweig geschickt, der ihn gnadenlos ausbeutet und ihm ein schlechter Lehrherr ist.
Der Pastor Marquardt wird auf den Jungen aufmerksam; in einer Armenschule in Hannover gewinnt Anton allmählich den Zuspruch seiner Lehrer. Erneut findet er in der Lektüre seine Heimat; die Nachtgedanken (1742–45) von Edward Young (1683–1765), die Lenore (1773) von Gottfried August R Bürger sowie die Werke von R Shakespeare und insbesondere Die Leiden des jungen Werthers (1774) von R Goethe üben nachhaltigen Einfluss auf ihn aus. Als er – wie Werther – Selbstmordgedanken hegt, kümmert sich wiederum Pastor Marquardt um ihn.
Anton versucht sein Glück als Schauspieler; einer seiner Mitschüler ist der später berühmt gewordene August Wilhelm Iffland (1759 bis 1814). Er reist zur Ekhofschen Schauspieltruppe nach Gotha, erhält aber kein Engagement. In Erfurt bietet man ihm die Möglichkeit eines Theologiestudiums an, doch Anton zieht es vor, sich einer Leipziger Theatergruppe anzuschließen. Diese steht nach Veruntreuung ihres gesamten Fundus’ vor dem Nichts; der Prinzipal der Truppe hat sich längst davongemacht – hier bricht der Roman ab.
Aufbau: Hinter der Figur Anton Reiser verbirgt sich der Autor Moritz, der seine eigene Kindheit und Jugend wiedergibt. Erzähltechnisch spiegelt sich das aufkommende Schema des Bildungsromans, wie es im Wilhelm Meister (1795 / 1796, 1821, 1829) von R Goethe zur höchsten Ausprägung gelangte; doch nimmt die Analyse der eigenen Seele, die genaue Untersuchung des Charakters einen ungewöhnlich großen Raum ein und steht in ständiger Wechselwirkung mit inneren und äußeren Begebenheiten.
Die individuelle Geschichte wird bisweilen zur exemplarischen Fallstudie. Die Exkurse in die Seelenkunde sind nicht ausschließlich Anmerkungen eines Psychologen, sondern haben auch einen eindeutig pädagogischen Hintergrund. Scharfsinnig rekonstruiert Moritz die Gründe für Antons unglückliche Entwicklung: die nachteiligen Einflüsse der Gesellschaft und die pietistische Religiosität, die zu selbstbetrügerischer Weltanschauung verleitet und Anton in die Welt der Bücher fliehen lässt.
Wirkung: Früh setzte der Vergleich des Romans mit Wilhelm Meisters Lehrjahre von Goethe ein. Heinrich R Heine bewertete das Buch als »eins der wichtigsten Denkmäler jener Zeit«. Arno R Schmidt sah in Anton Reiser die »grandioseste aller Selbstbiografien«. C. V.

Kurzbeschreibung

In dieser mit großer Wahrhaftigkeit geschriebenen Biographie schildert der als Sohn eines Oboisten geborene Karl Philipp Moritz seinen einzigartigen Bildungsgang und Aufstieg in einer der bewegtesten Epochen unserer Geistesgeschichte, dem Sturm und Drang.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nicht nur für Studierte ! 26. August 1999
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Karl Philipp Moritz dürfte den meisten Lesern, wie auch mir vor dem Lesen von "Anton Reiser", unbekannt gewesen sein. Dieser psychologische und autobiographische Roman in vier Teilen ist nicht nur auf Grund seines Preises zu empfehlen. Zum Inhalt: Ungeliebt von Vater und Mutter, die sich zudem fast ständig streiten, wächst Anton in seinem Elternhaus auf. Sein Vater ist von den Lehren der Madam Guion überzeugt, die jede Art von Empfindung ablehnt. In Antons ersten Lebensjahren beschäftigt er sich, was eigentlich ganz unüblich für sein Alter ist, mit dem Lesen, da sich keine Freunde zu ihm gesellten. Auch später kann er nicht davon ablassen. Aber nach und auch schon während einer Zeit in einer Schule für Latein, einer äußerst schweren Lehrzeit und anschließendem Studium, drängt ihn sein Bedürfnis nach mehr Aufmerksamkeit. Während dieser Zeit besuchte er oft Kirchen aber auch Theateraufführungen, die seinen Berufswunsch natürlich prägten. Schließlich wird er auf seinem Weg zum Theaterschauspieler vom Schicksal hin und her gerissen. Er befindet sich, so könnte man sagen, die ganze Lebenszeit hindurch in einer manisch-depressiven Gefühlswelt, durch die der Leser ihn, Schritt für Schritt, begleitet. Teilweise lebt Reiser nur in den Romanen die er liest und nicht in der realen Welt. Moritz sagt selber, daß sich sein ganzer Roman um die Frage dreht, ob ein junger Mensch in der Lage ist, seinen Beruf selbst zu bestimmen oder ob er, beispielsweise durch Erfahrungen in der Kindheit, eine so verfälschte Urteilskraft besitzt, daß er das eben nicht kann. Der Autor hebt mehrmals den "pädagogischen Zeigefinger" und wendet sich sowohl an Lehrer, wie auch an Studenten der Pädagogik und Soziologie - aber auch Leser anderer Milieus dürften von diesem Buch und damit von der Lebensgeschichte Karl Philipp Moritz' beeindruckt sein. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
War diese Rezension für Sie hilfreich?
20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Dieser "psychologische Roman" (so der Untertitel) hat als der erste seiner Art eine gewisse Berühmtheit erlangt. Die nur notdürftig als Roman verpackte Autobiographie des nicht nur in seiner Jugend einigermaßen gebeutelten Reiser-Moritz liest sich etwas spröde; es kam dem Autor (wie z.B. auch in seinem "Magazin zur Erfahrungsseelenkunde", der ersten psychologischen Zeitschrift in Deutschland) mehr auf genaue Berichterstattung an als auf literarische Schmackhaftigkeit. Vielleicht ist es aber auch eine formale Umsetzung des im Roman immer wieder reflektierten, aber doch nicht in letzter Konsequenz durchbrochenen Sich-selbst-Unrecht-Gebens, daß Moritz i n seinem Roman so tut, als schreibe er gar keinen.

Anders als in den klassischen Geschichten von schwer erträglicher Kindheit (z.B. bei Charles Dickens) sind es im "Anton Reiser" nicht äußere Umstände wie Armut oder Elternlosigkeit, mit denen der Titelheld zu ringen hat; vielmehr setzt ihm die unter mehr oder weniger wohlgefügter Bürgerlichkeit mehr oder weniger verborgene Atmosphäre von Haß und Rücksichtslosigkeit zu. Vielleicht ist es über das banale Interesse an katastrophischen Menschengeschichten hinaus noch eine tiefergehende Verankerung in den Bedingungen der neuzeitlichen Gesellschaft, was diesen Roman trotz seiner Sprödigkeit heute interessant macht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von lyrx
Format:Taschenbuch
[buch]3150048133[/buch]Der Anton Reiser gilt als der erste "psychologische" Roman. Das Buch ist sehr autobiographisch und deshalb so etwas wie eine Selbstanalyse des Autors. Als solche ist sie äußerst beachtlich, bis heute hochaktuell und äußerst lesenswert. Auch den modernen Leser macht das Schicksal Anton Reisers unmittelbar betroffen. Die Psyche des Protagonisten, seine innere Zerrissenheit wird so differenziert und eindringlich geschildert, dass wir darin viele Muster entdecken können, die auch heute noch in der Entwicklungspsychologie wichtig sind.

Es geht um einen jungen Menschen, Anton Reiser, der ohne Liebe und ohne Wertschätzung aufwachsen muss. Seine Eltern sind Quietisten, eine heutzutage unbedeutende Frömmigkeitsrichtung aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert. Sie ist am ehesten noch mit dem Pietismus vergleichbar. Im Quietismus sind Selbstkritik und Selbstverzicht die höchsten Werte. Dem Kind wird dieser radikale Glaube aufgezwängt, es wird ihm durch ständige Wiederholung die Doktrin eingepflanzt, dass das eigene Selbst keinen Wert hat.

Dennoch lässt Anton schon früh große Begabungen erkennen. Er interessiert sich für Philosophie und Literatur, lernt schnell und gut die alten Sprachen, dichtet, und hätte offenbar eine vielversprechende Zukunft vor sich, wenn er gefördert werden würde. Erst durch die offensichtlichen Begabungen Antons wird sein Schicksal tragisch. Der Roman protokolliert nun genau, wie der Mangel an Eigenliebe verhindert, dass Anton seiner Bestimmung folgen und zu sich selbst finden kann. Es wird zwar zugelassen, dass er studiert, allerdings nur, weil sein Talent von Lehrern erkannt wird. Von seinen Eltern erfährt er keine Unterstützung, auch keine finanzielle. Das ist zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches. Normal ist vielmehr, dass Studenten bettelarm sind und als Kostgänger darauf angewiesen sind, dass sie bei mehr oder minder menschenfreundlichen Gönnern endgeltlos essen oder schlafen dürfen.

Zunächst scheint es, als sei Anton ein Opfer der Zeitumstände, der Roman eine soziale Anklageschrift à la Oliver Twist. Dann wird klar, dass Anton nicht nur gegen die sozialen Probleme seiner Zeit zu kämpfen hat, sondern auch gegen sich selbst. Zu groß ist die Sehnsucht nach Anerkennung, die ihm in der Kindheit verwehrt worden ist. Sie sorgt dafür, dass er immer wieder vom Weg abkommt. Wenn er Zuspruch erfährt, wenn er Gönner hat, macht ihn das euphorisch, aber mit Ablehnung kann er nicht umgehen.

Es gelingt ihm nicht, sein Studium "durchzuziehen", wie man heute sagen würde. Die unstillbare Sucht nach Anerkennung kondensiert sich in dem Wunsch, Schauspieler zu werden. Zum Schauspieler ist er nicht geboren, es fehlen ihm sowohl das Äußere als auch das Talent. Dennoch glaubt er von einem bestimmten Punkt an, nur als Schauspieler glücklich sein zu können. Er bricht sein Studium ab, begibt sich mehrmals ohne ausreichend Geld auf planlose Wanderschaften, die ihn physisch und psychisch schwer belasten. Er reist einer Schauspielertruppe nach, um sich ihr anzuschließen, nimmt dafür vielen Entbehrungen in Kauf, nur um am Ende erfahren zu müssen, dass sich die Truppe aufgelöst hat. Das aber ist fast ein Glück, denn in einer mittelmäßigen Theatertruppe wäre es um sein Talent endgültig geschehen gewesen.

Der Roman bleibt unvollendet und wirkt doch rund, denn am Ende ist klar, was Reiser tun müsste und warum er es nicht kann. Der Wunsch, Schauspieler zu werden ist Ausdruck einer falschen Identität, die sich in ihm herangebildet hat in den Jahren emotionaler Vernachlässigung. Mit der Schauspielerei hält er an dem einen Wunsch fest, der ihm in seiner Jugend hatte ausgetrieben werden sollen, dem Wunsch, als ein Mensch mit eigenen Gefühlen wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Tragisch ist diese Lebensgeschichte dadurch, dass sich aus einer berechtigten Sehnsucht heraus ein Irrtum entwickelt, ein falsches Bild von sich selbst und der Realität. All seine Klugheit und seine Fähigkeit zur Selbstanalyse versetzen ihn nicht in die Lage, seinen Irrtum zu durchschauen.

Die Existenz dieses Romans beweist, dass der Autor Karl Philipp Moritz im Gegensatz zu seiner Romanfigur irgendwann verstanden hat. Erst dadurch war er in der Lage, diesen Roman zu schreiben, den ersten, der die Bedeutung der menschlichen Psyche bei der Sozialisierung des Individuums thematisiert.
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