Celibidache wird hier einmal mehr in den hoechsten Toenen gefeiert. Vielem will ich gar nicht widersprechen: Der Genauigkeit, dem Atem und vor allem nicht der Seelenverwandschaft, schon allein weil beide Bruckner und Celibidache als aeusserst schwierige, sproede Zeitgenossen Eindruck hinterlassen haben.
Allerdings: Diese Aufnahmen werden durch eine "Juengerschaft" hier nachtraeglich romantisch verklaert. Es gab Zeiten, da gab es ausser Celibidache und Jochum kaum jemanden, der wirklich Bruckner verbunden war und das auch so klar in seinen Aufnahmen durchsetzte, und dafuer ist Celibidache zu loben. Inzwischen tauchen jedoch wirklich immer mehr Dirigenten auf, die qualitativ Beachtliches mit Bruckner anstellen, oder, wenn es sie schon vorher gegeben hat, dann wird man erst jetzt dank der vielen Einspielungen endlich auf sie aufmerksam.
Wand sei fuer alle empfohlen, die eine sehr praezise, eher klassische Einspielung moechten, Inbal fuer die rastlosen Entdecker unter den Bruckner Liebhabern und Skrowacewski sowieso.
Celibidache liegt da zurueck in zweierlei Hinsicht:
1. Preislich - unverschaemt teuer
2. Im Tempo: Bei aller Liebe, praktisch jede Symphonie wird verhunzt. Beispiele gefaellig ? In der 7. und 9. werden die eigentlich leichten, gespenstischen Scherzos zu Elefantentaenzen. In der 4. wird der 2. Satz (Andante quasi Allegretto !), der durch seinen nicht langsamen, sondern bestaendigen, sich weiterentwickeln wollenden Charakter so herausragend ist, zu einer Schwerstarbeit. Und von den Ecksaetzen (besonders 3.-5.) will ich lieber gar nicht erst reden. Es ist klar, dass Celibidache die 0.-2. nicht vorgetragen hat. Denn da duerfte selbst ihm klar geworden sein, dass dieser lahme Geist einfach nicht mit den fruehen Symphonien zu vereinbaren ist.