Der Untertitel Persönlichkeit und Werk entspricht voll und ganz den Intentionen des Buches. Es gliedert sich in die drei Teile: 1. Ein Charakterbild, 2. Geistliche Musik, 3. Der Symphoniker.
Biographisches gibt es reichlich über Bruckner. Das Buch von Floros zeichnet sich durch klare Gliederung, gute Lesbarkeit und sorgfältige Unterscheidung zwischen Nachgewiesenem und Anekdotischen aus. Es gelingt dem Verfasser, die verschlungenen Pfade der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte von Bruckners Werken verständlich zu machen - soweit das überhaupt möglich ist.
Der Schwerpunkt des Buchs liegt auf der Würdigung von Bruckners Werken. Nachdem Floros im 2. Teil vor allem auf die drei großen Messen (Nr. 1 bis 3) und das Te Deum eingeht, wendet er sich im umfangreichen 3. Teil den Sinfonien zu. In diesen beiden Teilen unterzieht er die Werke einer an Hand von vielen Notenbeispielen für den Interessierten gut nachvollziehbaren Analyse. Er zeigt viele Bezüge auf: Einflüsse anderer Komponisten (u. a. Beethoven, Liszt und vor allem Wagner), zwischen den Sinfonien und den geistlichen Werken sowie zwischen den Sinfonien selbst. Die Entstehung und der Stellenwert der verschiedenen Fassungen werden beleuchtet. Auch auf die frühen Sinfonien sowie das Fragment des Finales der 9. Sinfonie geht Floros ausführlich ein. Dabei befindet sich der Verfasser auf der Höhe der zeitgenössischen Bruckner-Forschung. Etwa 50 Seiten Register und Anmerkungen runden das Buch ab.
Gelegentlich misst Floros meines Erachtens Bruckners außermusikalischen Bemerkungen zu seinen Werken (Drei-Kaiser-Treffen, Deutscher Michel) zu viel Bedeutung bei, vor allem wenn diese Äußerungen Antworten auf beharrliches Nachfragen von ratlosen Zeitgenossen sind. Dies mindert den Wert dieses Buches aber in keiner Weise.
Fazit: Jedem, der sich von Bruckners wundervoller Musik nicht nur davontragen lassen, sondern tiefer in sie eindringen möchte, sei dieses Buch unbedingt empfohlen.