Dieses Buch wird an Heilpraktikerschulen sehr beworben. Es gehört quasi zum Standard Rüstzeug des (werdenden) Heilpraktikers. Ich konnte mich dem nicht entziehen und legte mir das Buch seinerzeit zu. Als nach einem Jahrzehnt der Bücherschrank geräumt werden musste, fiel mir "der Bach" wieder in die Hände. Nach kurzer Recherche zeigt sich das er immer noch einen erstaunlichen (finanziellen) Wert hat welcher mir nicht klar wird. Das liegt daran, das ich dieses Buch in den letzten Jahren nie benutzt und kein großen Nutzen von getragen habe. Es gehörte zu meiner Sammlung, sprich verstaubt im Bücherschrank weil es eben sehr empfohlen worden ist. Jetzt retrospektiv komme ich zum Schluss das es meiner Ansicht nach völlig und zu Unrecht überbewertet ist.
Erstens: der Preis - 90 Euro für ein 350 Seiten "starkes" Lehrbuch ist ein staatlicher Preis. Zum Vergleich mit einem Lehrbuch der Dermatologie z.B. MLP bekommt man für die Hälfte des Preises eine umfangreichere Bildsammlung und Information auf dem derzeitigen Wissensstand. Oder den Tischendorf Compactatlas Blickdiagnostik, hier erhält man für ein Drittel des Preises eine umfangreiche Bildsammlung in hervorragender Bildqualität welche die Bereiche Innerer Medizin über Dermatologie zu Neurologie u.v.m. umfasst.
Zweitens: die Bild Qualität - Die Qualität der Bilder schwankt zwischen ungenügend bis mäßig. Die Aufnahmen fanden wohl in den 60zigern im Praxisraum unter mäßiger Belichtung statt. Es gibt eine Anzahl von Darstellungen, die ohne Erläuterung nicht zu interpretieren wäre. Die typischen Hauteffloreszenzen lassen sich nur schlecht erkennen, hier gibt der Autor wenig weitere Informationen zu typischen Zeichen oder Erkennungsmerkmalen, so dass der Praxisbezug fehlt. An einigen Stellen empfand ich Bild und Diagnose als nicht kongruent.
Drittens: Der Naturheilkundliche Anspruch; und damit ist das ganzheitliche Erfassen einer Erkrankung über den somatischen Komplex hinaus gemeint. Es werden Zeichen beschrieben die auf seelische bzw. psychosomatische, oder humoralpathologische Zusammenhänge deuten. Z.B. das eine Nasolabialfalte auf ein Magenkarzinom, ein geröteter Zungenrand auf eine Colitis ulcerosa, ein kurzer Daumen auf Willensschwäche hinweisen. Solche Zeichen sind immer schwierig wenn man die Anamnese nicht kennt, leider werden keine Fallgeschichten sondern kurze Absätze zu dem Symptomen und zur Ursache beschrieben. Mit langjähriger Erfahrung wird der Blick für verborgenen Entitäten geschärft und sicherlich sind solche Zeichen in der Gesamtschau (d.h. Symptome, Labor, Diagnostik) mit einzubeziehen, jedoch bezweifle ich, das es ein typisches Ulcusgesicht wie auf Seite 18 beschrieben gibt. (Steht das noch in den neuen Auflagen?) Solche Festlegungen haben nach meiner Ansicht eher medizinhistorischen als praktischen Wert.
Fazit: Diese Rezension soll vor allem den Hinweis geben nicht sinnlos Bücher Empfehlungen nachzugehen weil "große" Namen damit verbunden sind. Es gibt wie in diesem Fall, besser gestaltete und inhaltlich umfangreicher Bücher die weniger kosten.