Eine kurz und übersichtlich gehaltene Arbeit über den "Antisemitismus", über ein Thema, das normalerweise ganze Bibliotheken füllt. Gerade aber die Kürze, der sich Steven Beller befleißigt, macht den Reiz dieser Arbeit aus.
Die gängigen Definitionen dessen, was "Antisemitismus" sei - sie werden im ersten Kapitel von Steven Beller zitiert - lauten schlicht (nach Beller): Antisaemitisms bezeichne recht unterschiedliche Dinge: "einen Judenhass, der sich über Jahrtausende und Kontinente erstreckt, eine verhältnismäßig moderne politische Bewegung und Ideologie, die im Mitteleuropa des späten 19. Jahrhunderts entstand und ihren Höhepunkt, den Gipfel des Bösen, in der Schoah erreichte, sowie die irrationale, in psychologischer Hinsicht pathologische Variante eines zugleich ethnozentrischen wie auf die Religion konzentrierten Antijudaismus, der aus der Auseinandersetzung des Christentums mit seinen jüdischen Wurzeln herrührt und in der Schoah gipfelte, oder aber eine Verbindung all dieser Erscheinungen."
Dieser Text wurde zitiert, um die ganze Komplexität des Themas "Antisemitismus" deutlich zu machen. Beller beschränkt sich jedoch vor allem auf die politische Bewegung und die Ideologie. Und: Steven Beller sucht die Ursachen nicht bei den Juden, sondern bei den Nichtjuden.
Die historischen Bedingungen, die zum Entstehen von Antisemitismus entscheiden waren, sind zu finden vom Mittelalter bis zu Neuzeit, im Rassismus und Nationalismus späterer Zeiten - bis zum Holocaust. Für Beller allerdings noch nicht das Ende. So konstantiert er auch einen Antisemitismus nach Auschwitz. Und das alles sehr fundiert erarbeitet und in eine gut verständliche und lesbare Form gebracht.
Der amerikanische Wissenschaftler, Autor bereits mehrer bedeutender Arbeiten über mitteleuropäische Geschichte, gibt mit dem schmalen einen hervorragenden Überblick über da Thema, liefert eine Fülle von Hinweise auf weiterführende Literatur - und somit den Anreiz, sich mit diesem Thema weiter zu beschäftigen.