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Antisemitismus und Islamophobie: Ein Vergleich
 
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Antisemitismus und Islamophobie: Ein Vergleich [Broschiert]

Sabine Schiffer , Constantin Wagner
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 24,80 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Broschiert: 260 Seiten
  • Verlag: Hwk Verlag; Auflage: 1., Neuerscheinung (26. Juni 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3937245057
  • ISBN-13: 978-3937245058
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 224.082 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Sabine Schiffer
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung



Erinnern alleine reicht nicht ...

Auch so könnte man die Auseinandersetzung in diesem Buch überschreiben.
Dieses Buch beginnt damit, systematisch Gemeinsamkeiten, als auch Spezifika von Antisemitismus und Islamophobie herauszuarbeiten.
Neben den historisch ausgerichteten Diskursanalysen beschäftigen sich die Autoren mit vielen aktuellen Diskussionen vor allem in Deutschland.
Sie tragen eine Fülle von Material zu den Themen Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Rassismus, Gruppendynamik, diskriminierende Diskurse und Feindbilder zusammen.

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58 von 97 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Arne Hoffmann TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Broschiert
In der Debatte um die Vergleichbarkeit des Judenhasses mit der Feindseligkeit gegenüber Muslimen legen Dr. Sabine Schiffer, Leiterin des Instituts für Medienverantwortung in Erlangen, sowie der Soziologe und Religionswissenschaftler Constantin Wagner mit ihrem Buch "Antisemitismus und Islamophobie" eine tiefschürfende Analyse vor. Dabei weisen sie von Anfang an darauf hin, dass es natürlich um keine Gleichsetzung der Diskriminierung von Juden während des Dritten Reiches und der Diskriminierung von Muslimen im Deutschland der Gegenwart gehen kann, wie immer wieder vor allem von jenen unterstellt wird, die eine Debatte offenbar von Anfang an unterbinden möchten. Stattdessen hat ein jahrhundertealter, wegbereitender Diskurs das Denken überhaupt erst möglich gemacht, auf dem die Greuel des Nationalsozialismus entstehen konnten. Davor gilt es auch aktuell wieder zu warnen.

Schiffer und Wagner machen in ihrer Analyse des antisemitischen Denkens deutlich, dass sich dessen Protagonisten ähnlich als defensive Bewegung sahen (und sehen) wie die Islamophoben heute. So wurde unter anderem 1883 im Chemnitzer Aufruf vor der "Jüdischen Gefahr" gewarnt, und Chamberlain legitimierte die rechtliche Schlechterstellung der Juden damit, dass man sich vor ihnen "schützen" müsse. Terrorismusangst und Ritualmordvorwürfe sorgten ebenso für Unbehagen gegenüber den Juden wie die Dreyfus-Affäre, der Rauschgifthandel war angeblich vor allem in jüdischer Hand und etliche Ideengeber der Umbruchstimmung (Marx, Lassalle etc.) waren Juden. Hätte es damals schon das Internet gegeben, man hätte die schönsten Hassblogs mit entsprechenden Halbwahrheiten und als Tatsachen präsentierten Spekulationen füllen können.

In der Wahrnehmung der Mehrheitsbevölkerung fanden juristische Auseinandersetzungen zur damaligen Jahrhundertwende vor allem zwischen Juden und Nichtuden statt, während die Juden selbst zusammenzuhalten schienen, wie das bei Minderheiten nun einmal häufig vorkommt. Das führte indes zu Vorwürfen wie jenem, die Juden würden einen "Staat im Staate" bilden - heute würde man mit dem Blick auf Muslime von "Parallelgesellschaften" sprechen. Und schon damals konnte es die religiöse Minderheit der Mehrheit nicht recht machen: Versuchten ihre Mitglieder, ihre Kultur zu bewahren, wurden sie als integrationsverweigernd dargestellt, wollten sie sich hingegen assimilieren, beschuldigte man sie der Verstellung und des Parasitentums. Ähnlich wie heute den Muslimen warf man schon damals dem Judentum eine Unvereinbarkeit mit der Moderne vor. Das Religiöse wurde als grundsätzlich verdächtig und als Bedrohung einer liberalen Gesellschaft gesehen - in einer "aufgeklärten" Welt schien es dafür keinen Platz mehr zu geben. Und obwohl der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung damals ebenso im niedrigen einstelligen Prozentbereich rangierte, wie dies heute bei den Muslimen der Fall ist, galten sie als gefährliche Fremdkörper, die die Mehrheit bedrohten. Begierig wurden Passagen aus der Heiligen Schrift der Juden gerissen ("Die Fremden magst du überwuchern, deinesgleichen nicht"), um damit die Gefahr zu belegen, die angeblich von dieser Minderheit ausging. Einzelne Autoren spezialisierten sich sogar geradewegs dazu, das Alte Testament, die Gesetzeswerke Hachalot sowie philosophische Bücher und Morallehren des Judentums selektiv nach Zitaten auszuschlachten, mit denen man den Juden irgendwas ans Zeug flicken konnte. Dasselbe Spiel spielt man heute mit Zitaten aus dem Koran. Und schließlich äußerte sich das allgemeine Misstrauen in Forderungen nach einer Untersuchung der Torahschulen und deren Lehrbücher sowie nach Predigten in deutscher Sprache. Von der Mehrheitsgesellschaft gerne gehört wurden indes jene, die persönlichen Nutzen daraus zogen, als (ehemalige) Juden das "Jüdische" abzulehnen. Auch hier liegen die Parallelen zu den Medienlieblingen der Gegenwart auf der Hand. Der "Zentralrat der Ex-Muslime" etwa konnte sich eines begeisterten journalistischen Interesses sicher sein, wie es einem "Zentralrat der Ex-Christen" niemals gegolten hätte.

War in den ersten Kapiteln die Islamophobie der Gegenwart nur implizit und gespiegelt im Antisemitismus der Vergangenheit Thema, kommen Schiffer und Wagner schließlich direkt darauf zu sprechen. So wie damals die Ängste vor den Juden vor dem Hintergrund politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten entstanden, ist es heute offenbar die Globalisierung, die zu ähnlich bizarren Befürchtungen führt. Schiffer liefert einen groben Abriss der islamophoben Szene zwischen Internetportalen, obskuren Bürgerinitiativen und antimuslismischen Karikaturen. Es gibt wohl nichts Neues unter der Sonne: Die berüchtigten Webblogs der Gegenwart erinnern mit ihren endlosen Auflistungen von muslimischen Taten an die Sammlung "jüdischen Vergehens", die Hans Diebow 1938 für die Ausstellung "Der ewige Jude" herausgab und die auf über 100 Seiten die Weltverschwörungsabsichten der Juden beweisen sollte - natürlich jeweils garniert mit Zitaten aus der Torah.

Nicht nur die sprachlichen Parallelen sind offensichtlich - so wie heute die "Musel" verspottet werden, machte man sich damals über die "Wollschädel" lustig. Auch zu der von Ulfkotte & Co. gestreuten Behauptung, Muslime würden in Metzgereien auf das angebotene Schweinefleisch spucken, findet sich eine Parallele aus dem Jahr 1901 - nur dass es damals hieß, Schweinefleisch sei von Juden mit Urin beschmutzt worden. Und wenn auf der Website "Akte Islam" verbreitet werde, dass ein Moslem dazu aufgerufen habe, "das Blut der Ungläubigen zu trinken", erinnere das an Ritualmordvorwürfe, die in früheren Zeiten gegen die Juden gerichtet wurden. Während der Antisemitismus heute im Bildungsbürgertum verpönt ist, war er das im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts keineswegs, sondern erhielt von Ingenieuren, Lehrern und anderen Akademikern ebenso starken Aufwind, wie dies heute bei der Islamophobie geschieht. Gegenwärtig vereint die Anti-Islam-Haltung die widersprüchlichsten politischen Ausrichtungen: so etwa Neoliberale, Feministinnen, christliche Fundamentalisten, Humanisten, Rechtsextreme und Antideutsche. Nirgends ist man sich so einig wie im gemeinsam ausgemachten Feind.

Gründlich analysieren Schiffer und Wagner die Sprache, die auf Websites wie Politically Incorrect gang und gäbe ist und mit welcher der Islam im Zusammenhang mit Wörtern wie "Krebsgeschwür" und "Ansteckungsgefahr" genannt, geradezu inflationär aber auch mit dem Nationalsozialismus und dem Faschismus gleichgesetzt wird. Beides sorge dafür, dass dem Islam und den Muslimen jegliche Existenzberechtigung abgesprochen werde. Und wenn früher Saddam Hussein und heute Ahmadinedschad der "neue Hitler" sei, ermögliche diese Dämonisierung offenbar die Propaganda für einen Angriffskrieg und damit die diskursive Ausschaltung des Völkerrechts. Wo bei Diffamierungen anderer Gruppen (Antisemitismus, phänotypischer Rassismus) beherzt eingegriffen wird, gilt die kollektive Diffamierung von Muslimen als "freie Meinungsäußerung". Inzwischen müssen sich gar die Verteidiger der Minderheiten für ihr "Gutmenschentum" rechtfertigen.

Insofern, so die Autoren, bilde "der antiislamische Propaganda-Film FITNA von Geert Wilders (...) nur einen kleinen Höhepunkt in der langen Tradition des Zusammenschnitts". Fast sei es zu bedauern, dass der NS-Propagandafilm "Der ewige Jude" für die Öffentlichkeit unter Verschluss liege, da hier die Parallelen zu FITNA deutlich zu erkennen seien. Dementsprechend wies die niederländische Gruppe "Eine andere jüdische Stimme" um Harry de Winter zu Recht darauf hin, dass Wilders Film sofort geächtet würde, wenn man "Moslem" durch "Jude" ersetzen würde. Auch ein Ralph Giordano spiele inzwischen "eine fast tragische Rolle, weil er gegen den Moscheenbau mit ähnlichen Argumenten zu Felde zieht, wie 100 Jahre zuvor die Judenhasser gegen den Synagogenbau".

Zuletzt präsentieren Schiffer und Wagner Gruppen, Projekte und Einzelpersonen, die sowohl den Antisemitismus als auch die Islamophobie überwinden möchten, und nennen erste Erfolge. So habe etwa die Erklärung des Jüdischen Kulturvereins Berlin "Wider die Islamophobie" im Jahre 2004 eine Erklärung der Deutschen Muslimliga nach sich gezogen, in der sich diese gegen jede Form von Antisemitismus und weitere Diskriminierungen aussprach. Anlässlich der OSZE-Antisemitismuskonferenz 2004 ließ der Zentralrat der Muslime verlauten, dass "die Bekämpfung rassistischer und totalitärer Ideologien, wie des Antisemitismus, ein Anliegen eines jeden Muslims sein muss". 2006 forderte die Schura Hamburg in einer Pressemitteilung zum Holocaust-Gedenktag, dass jeder Versuch von Holocaust-Leugnung oder -Relativierung zu verurteilen und zu unterlassen und nicht mit dem Islam vereinbar sei.

Abschließend: Das Buch von Sabine Schiffer und Constantin Wagner lässt sich von seinem Anspruch sehr gut mit der Dokumentation "Islamfeindschaft und ihr Kontext" des Zentrums für Antisemitismusforschung vergleichen. Alles Behauptete wird bestens belegt, es gibt im Anhang des Buches sogar ein ausführliches Glossar sowohl zu Fachausdrücken als auch zu Schlagworten wie "Dhimmitude", "Islamkritik", "Islamophilie" und "Taqiya". Lesen Sie weiter... ›
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26 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
"Nehmt eure Sprache ernst!" 23. August 2009
Von kf h
Format:Broschiert
Es handelt sich um ein Buch, das in sehr subtiler Weise aufzeigt, wie sehr durch Sprachmuster unsere Wahrnehmungen von (politischer, gesellschaftlicher usw.) "Wirklichkeit" beeinflusst, gesteuert, geprägt werden.
Gefährlich wird es dann, wenn solche Sprachmuster gezielt dazu eingesetzt werden, um im Bereich des Politischen, im Bereich der öffentlichen Meinung gezielt (ganz bestimmte) Stimmungen, Meinungen zu erzeugen.
Solche Mechanismen werden an den Beispielen "Antisemitismus" und "Islamophobie" aufgezeigt; Sie werden so aufgezeigt, dass man sich bisweilen wohl auch selbst "ertappt" fühlt ....!
Auch wenn man bisweilen vielleicht noch etwas differenzierter und vorsichtiger darstellen und urteilen könnte: Ein sehr empfehlenswertes Buch!
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13 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Boby23
Format:Broschiert
Um die Qualität der vorhandenen Rezensionen ein wenig zu heben zum Einstieg meiner Rezension ein Auszug aus einem FAZ Artikel vom 4.3.10 der sich unter Anderem mit diesem Buch beschäftigt:
"Dass Material für einen Vergleich vorhanden ist, der natürlich auch die Unterschiede herauszuarbeiten hat, kann nur leugnen, wem die Frage politisch nicht passt. ['] Auch Berufsjournalisten unter den Islamkritikern verbreiteten die Falschmeldung, englische Banken hätten Sparschweine aus dem Verkehr gezogen. Die Umwelt, in der solche Gerüchte heute wuchern und gezüchtet werden, ist das Internet."
So verwundert es wenig, wenn manch einer Versucht die Existenz von Islamophobie völlig zu leugnen. Gerade aus diesem Grund ist das vorliegende Buch ja so wichtig.
Nun aber zu meiner eigentlichen Rezension:
Der in diesem Buch gezogene Vergleich ist seit langem überfällig und es ist erfreulich zu sehen, dass es endlich mal Wissenschaftler schaffen sich nicht nur mit geschichtlichen Vorurteilen zu beschäftigen sonder ebenso die Projektion auf die Vorurteile der Gegenwart zu wagen. In dem Buch von Schiffer und Wagner wird sehr geschickt anhand der historischen Quellen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert gezeigt, wie damals ähnliche Vorurteile gegen 'Die Juden' geschürt wurden wie es heute gegen 'Den Islam' geschieht.
Ein weiterer entscheidender Aspekt in dem Buch ist die Analyse der verwendeten Sprache. Hier wird dem Leser sehr schön vor Augen geführt wie die Besetzung von Begriffen mit bestimmten Konnotationen sowohl im 19. und frühen 20. als auch im frühen 21. Jahrhundert schrittweise die Gesellschaft für die breite Diskriminierung einer Minderheit öffnet.
Aus meiner Sicht ist das Buch ein Muss für jeden der sich für die Situation von Minderheiten in Deutschland interessiert.
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