Idelogiekritik mit aktuellen Bezügen
Dieses Buch über den Antisemitismus als Herrschaftinstrument in Israel und Deutschland verbindet scharfsichtige Analyse mit aufklärerischer Leidenschaft, ganz im Sinne des Diktums von Jean Améry, dass Aufkärung ihrer Aufgabe nur dann gerecht werden kann, wenn sie sich mit Leidenschaft ans Werk macht.
In der Vorbemerkung zu seinem Buch "'Antisemit!' : Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument" legt Moshe Zuckermann dar, dass die Beschreibbarkeit, Analysierbarkeit und Präzisierung des Antisemitismusproblems aus seiner sozialen Einbettung resultieren. In Anlehnung an Max Horkheimer ist ihm das Insistieren auf Erkenntnis wichtig, damit die mit der geistigen Kapitulation vor den Antisemiten einhergehende Banalisierung des Grauens und der trivialisierende Umgang mit der Monstrosität der Shoah nicht um sich greifen. Denn: "Noch nie sind 'Shoah', 'Antisemitismus', 'Juden' und 'Judenhasser' so vollmundig zelebriert und mit Genuss öffentlich gefaucht worden."
Nachdem Norman G. Finkelstein den Antisemitismus als politische Waffe in Israel und Amerika entlarvt hat, stellt Zuckermann Israel und Deutschland in den Focus seiner Aufmerksamkeit, wobei die USA und Österreich, wo sinnvoll, miteinbezogen werden.
Die jeweils gut achtzigseitigen Ausführungen über den Antisemitismus in den beiden Ländern sind strukturell ähnlich angelegt. Nach grundlegenden Erörterungen folgt ihre Exemplifikation durch Einzelbeispiele aus dem politischen Leben der Jahre 2008 bis 2010, die das Thema durch ihre Nähe zum Zeitgeist weiter erhellen und amplifizieren.
Sehr empfehlenswert für alle, die sich für die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel interessieren.
Rainer Kessler
Moshe Zuckermann, "Antisemit!" : Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument, Wien : Promedia 2010, ISBN 978-3-85371-1, br., 208 S., 15,90 Euro, 29,00 sFr.