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Nicht nur wandert man mit dem hier vorgestellten Titel in einem tatsächlich "andern Piemont" - abseits der festgetretenen Trüffel/Barolo-Verquickung, neben der vor soviel Grandezza so häufig wenig Platz bleibt für die feinen Zwischentöne, die anderen "Sapori del Piemonte", um einen weiteren Titel aufzugreifen.
Ursula Bauer und Jürg Frischknecht - hauptberuflich Journalisten und leider nur nebenberuflich passionierte Genießer - erfanden 1995 ihre eigene Art Wanderbuch für Menschen, die gerne Wandern, gern Essen und gern Lesen. Und also hat "Antipasti und Alte Wege" mehr, als man von einem Reiseführer erwarten kann: Hier betreiben Seelenverwandte ebenso Archäologie einer fast vergessenen und größtenteils entvölkerten Kulturlandschaft und lassen ganz nebenbei eine hochmoderne Anleitung für sanften Tourismus entstehen.
Eigentlich braucht man gar nicht mehr zu Laufen: Neben den üblichen Hinweisen zu Unterkunft, Verpflegung, Anreise und Klima finden sich liebevoll und detailgetreu vorgestellte Wanderwege ebenso wie herzliche Begegnungen mit "Eingeborenen", Abstecher in historische Zusammenhänge wie die "Freie Republik Maira" oder den Partisanenkampf im Zweiten Weltkrieg genauso wie ganz und gar ungewöhnliche Fotos und typische Gerichte. Mit Sicherheit finden Sie in diesem Bändchen mehr echte "Geheimtipps" als in allen Marco Polo Ausgaben, die sich mit Südeuropa beschäftigen, zusammen.
Zu jeder Etappe der Rundwanderung um das Maira-Tal erzählen die Autoren (mindestens) eine Geschichte: - "Wie zwei Bergnester den Handel mit Perückenhaar und Sardellen kontrollierten, wie die Musikgruppe Lou Dalfin zur Bannerträgerin neuen okzitanischen Selbstbewusstseins wurde, was die "okzitanische" Küche an Antipasti, Primi und Secondi auftischt, wie Mussolini im Juni 1940 einen Krieg gegen den guten Nachbarn Frankreich anzettelte, wie der Allgäuer Heilige Magnus in einem piemontesischen Bergtal heimisch wurde, wer den Wettlauf um die Erstbesteigung des alles dominierenden Monviso gewann oder auch wie sich eine Kölnerin und ein Vorarlberger ins Mairatal verirrten und was sie dort anrichten" (Klappentext).
Bauer und Frischknecht machen mit ihrem ebenso sinnlichen wie kenntnisreichen Buch Lust auf Land und Leute - es juckt in den Hühneraugen und das Wasser läuft einem sowieso im Mund zusammen. Was das beste ist: Das ganze ist außerdem eine Lust zu lesen.
Und so, lieber Rotpunktverlag, schickt die beiden unbedingt in "mein" Val Grande - ein solches Buch wird hier schmerzlichst vermißt.
Kai Tippmann
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