Das Buch geht auf eine Vorlesung aus dem Jahr 1982 zurück, die vom Autor an der Harvard-Universität gehalten wurde. Zentrum der Ausführungen auf ca 100 Seiten Text sind die Mysterienkulte der Antike, ohne aber die verschiedenen Kulte in ihren Einzelheiten vorzustellen. Es handelt sich mehr um eine Charakterisierung der Mysterienreligionen in ihrem Wesen, ihrer Funktion, Organisation, Identität und Theologie; und zwar anhand der geläufigsten Kulte (Mysterien von Eleusis, Dionysoskult, Isiskult, Mithras und Mater Magna).
Neben der sehr gelehrten Wesensanalyse ist es wichtiges Anliegen Burkerts, den Begriff "Mysterienreligion" selbst zu reflektieren und zu bestimmen. Der Begriff suggeriert seiner Meinung nach - fäschlicherweise -, dass es sich bei den Mysterien um geschlossene und von der Umwelt abgehobene Systeme handle. Er kann zeigen, dass "Mysterien ... eine persönliche Option im Rahmen des allgemeinen polytheistischen Systems" sind - also ein Teil antiker "Religiosität", deren Anziehungskraft besonders darin besteht, dass sich der Einzelne persönlich für den ihm am angemessensten erscheinenden Kult entscheiden kann.
Eine immer wieder aufgeworfenen Frage im Zusammenhang mit den Mysterienkulten ist die nach den Gemeinsamkeiten mit dem Christentum und umgekehrt. Zwar wird eine gegenseitige Beeinflussung zumeist abgestritten, so sind Gemeinsamkeiten in Kultus / Ritus unübersehbar. Daraus ergibt sich die Frage, warum das Christentum letztlich die weitaus erfolgreichere Option war und sich in der Antike durchsetzte. Die Antwort auf diese Frage liegt für Burkert in der Offenheit bzw. Abgeschlossenheit der Mysterienkulte auf der einen und des Christentums auf der anderen Seite. Sind die Mysterien charakteristische Elemente der antiken Mehrheitsgesellschaft, so bildet das Christentum eine alternative Gesellschaftsform, die ihre ideologischen Geschlossenheit mit der Möglichkeit wirtschaftlicher Autarkie und biologischer Selbstproduktion verbindet und sich letztlich für breitere Gesellschaftsschichten öffnen kann.
Zwar wird insgesamt auf die Vorstellung der einzelnen Kulte verzichtet, so vermittelt Burkert aber eine tiefgreifende Analyse eine geschichtlichen Phänomens. Es stehen mehr Gemeinsamkeiten der einzelnen Kulte im Vordergun als Unterschiede. Die Quellenkunde und -sicherheit des Autors dabei ist beeindruckend und weckt im Leser zT. lebendige Vorstellungen von den Mysterien.