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Antike Glückslehren: Kynismus und Kyrenaismus, Stoa, Epikureismus und Skepsis. Quellen in deutscher Übersetzung mit Einführungen
 
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Antike Glückslehren: Kynismus und Kyrenaismus, Stoa, Epikureismus und Skepsis. Quellen in deutscher Übersetzung mit Einführungen [Gebundene Ausgabe]

Malte Hossenfelder

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Hinweise auf Bücher

Ahnungsvoll

ujw. Ahnungen «beschleichen» uns. Wenn wir sie haben, haben eigentlich sie uns – zumindest sich uns aufgedrängt. Von Intuitionen, so Wolfram Hogrebe, unterscheiden sie sich unter anderem dadurch, dass sie das «Kommen» eines – womöglich noch undeutlichen – Gedankens ankündigen, während der Gedanke in einer Intuition «mit einem Schlag» gefasst wird. Wer ahnungsvoll einem noch wenig konturierten Gedanken «folgt», sucht (nicht selten) nach Worten. Hilfe erhält, wer sich so verhält, von vorsprachlichen, «subsemantischen» Sensorien: «Ahnungen sind individuelle und situationsabhängige Resonanzen unserer sensorischen und semantischen Registratur, Empfindungen auf dem Wege zu Sätzen, Gefühle, denen schon ein semantisches Auge eingesetzt ist.» Mit dem «Brouillon zu einer Theorie des natürlichen Erkennens» setzt der in Jena Philosophie lehrende Autor seine Erkundungen der «mantischen» Deutungsnatur der Menschen fort. Expeditionsziel ist nicht eine «irrationale» Unterwelt, sondern die im grossen und ganzen «vernünftige» Alltagswelt natürlicher Erkenntnis. Zur «Ratio» dieser Welt gehört die Ahnung nicht nur als ihre unhintergehbare Vorform. Der gesamte Korpus unserer Überzeugungen, Meinungen und unseres Wissens, so die These, bleibe «stets von unserer Ahnungsnatur umgriffen» – es sei denn, wir schotteten uns gegenüber der Möglichkeit, «Neues» zu erfahren, völlig ab. Das Büchlein – ein rechtes Kleinod  – skizziert die Theorie natürlicher Erkenntnis in einigen systematischen Strichen und begibt sich sodann auf historische Spurensuche; die Etappen: Hennings, Kant, Jacobi, Fries, Görland, Schleiermacher, Goethe, Hölderlin, Novalis, Musil, Heidegger.

Opus maximum

Hg. Wenn der Verlag das neue Buch von Gerd-Klaus Kaltenbrunner als dessen «opus maximum» ankündigt, so versteht man das unmittelbar. «Dionysius vom Areopag. Das Unergründliche, die Engel und das Eine» – der Gross-Oktavband (das letzte von neun Büchern, die der Autor in zehn Jahren publiziert hat) umfasst an die 1400 Seiten, und seine Thematik ist weit gespannt und muss es auch sein; denn das Werk soll nach dem Programm der « Grauen Edition», in der es erschienen ist, zu einer «geistigen Um- und Neuorientierung» beitragen, und umweglos kommt man von der frühchristlichen Mystik nicht zu den Problemen, die heute vor allem auf Lösungsvorschläge warten. Doch hat das «Corpus areopagiticum», das wohl zur Zeit des Augustinus entstandene, leider nur unvollständig erhaltene, aber in seiner hohen Bedeutung erkennbare philosophische System eines unbekannten Verfassers, den man bis ins 15. Jahrhundert für einen Schüler des Apostels Paulus hielt, tief auf viele mittelalterliche Denker eingewirkt. Beim ersten Blättern stösst man auf eine Würdigung dieser Schriften durch Schopenhauer und stutzt bei dem Satz: «Dass Dionysius unächt sei (also nicht, wie man glaubte, im ersten, sondern im 4./5. Jahrhundert gelebt hat), thut nichts zur Sache.» Wie richtig – und wieviel kürzer als all das viele, was Kaltenbrunner sagt, um sich im Namen seines Helden gegen «ein beckmesserndes, rechthaberisches, hässliches Pseudo» zur Wehr zu setzen. Der Leser erhält so einen vorläufigen Eindruck von dem Aufwand an Emotion und Rhetorik, mit dem er es in diesem Grosswerk zu tun bekommt. Aber selbst wenn sich dieser Eindruck durchwegs bestätigen sollte, wird Kaltenbrunners hingebende Beschäftigung mit dem grossen Autor doch jedenfalls Zusammenhänge ans Licht bringen, die zu überprüfen sich lohnt. Hier war vorerst nur auf eine Leistung hinzuweisen, der die kritische Lektüre noch bevorsteht.

Verlorene Ehre der Anarchie

upj. Ein frei denkender Mensch mit Namen Anselm Bellegarrigue hatte 1850 ein kurioses Journal gegründet, dessen programmatischer Titel – «L'Anarchie, Journal de l'ordre» – die Zahl der damals schon vorhandenen politischen Orientierungen auf schönste erweiterte. Folgt man Max Nettlaus «Geschichte der Anarchie» (1925), so ist die Anarchie, zumindest was ihre Terminologie betrifft, von eben diesem Herrn Bellegarrigue eingeführt worden und damit noch keine hundertfünfzig Jahre alt. Dennoch scheint sie ihre Ehre verloren zu haben. (Überhaupt, so fragte schon Johann Most: Ist ein Anarchist nicht einer, der «in jeder Tasche eine Bombe trägt, angefüllt mit Dynamit, den Mordstahl in der einen, die Brandfackel in der andern Hand»?) Wer interessiert sich denn noch für Max Stirners Einzigen und sein Eigentum; für den «Heiligen Anarchismus» eines Leonhard Ragaz. Diesen Eindruck bestätigt auch ein Blick durch die Anarchie-Literatur: «Bewegungen» sind out; «Geschichte» ist in. Ergo scheint Hans Diefenbacher mit der Herausgabe eines Buches zur «Geschichte und Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft» das historisch Gemässe getan zu haben. Nicht ganz: Neben Bakunin, Stirner und Kropotkin enthält der Band auch einen Beitrag zu Murray Bookchins anarchischer «Ökologie der Freiheit».

Jeffersons Schwarzkopf-Biographie

fsb. 1995 erschien Alan Jeffersons englische Biographie über Elisabeth Schwarzkopf (vgl. NZZ 19. 1. 96). Sie erregte beträchtliches Aufsehen, weil die Verstrickung der ebenso begabten wie ehrgeizigen Sängerin im Dritten Reich so gut dokumentiert wie noch nie ausgeleuchtet wurde. Das Buch rief kontroverse Reaktionen hervor und bewog die Künstlerin zu einer «Richtigstellung». In der deutschsprachigen Ausgabe beschränkt sich der Einwand der Sängerin freilich auf eine geringfügige Korrektur ihrer im Anhang registrierten Bühnenauftritte und eine vom Übersetzer angebrachte Anmerkung, wonach die Künstlerin laut eigener Aussage zu keiner Zeit eine Förderung durch das Propagandaministerium angestrebt habe. Mit Ausnahme des Hinweises auf die aktive Rolle, die die Absolventin der Akademischen Hochschule für Musik im Berlin der dreissiger Jahre laut der englischen Ausgabe im nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund spielte, wurde die Spurensuche in der braunen Vergangenheit im wesentlichen unverändert, wenn auch teilweise neu gegliedert, übernommen; der Bildteil wurde dagegen stark vermehrt. Im übrigen ist die Biographie keine Abrechnung mit der grossen Künstlerin, sondern eine das eminente Künstlertum der Sängerin in ein erhellendes Licht rückende Schilderung ihrer glänzenden Karriere. Viele eingestreute Anekdoten sowie die Einblicke, die Jefferson in das Geschehen hinter den Kulissen der Konzert-, Opern- und Schallplattenwelt vermittelt (in welch letzterer Schwarzkopfs englischer Ehemann Walter Legge eine Schlüsselfigur war), machen das Buch erst recht zu einer spannenden Lektüre, nehmen aber, je näher die Biographie der Gegenwart rückt, doch etwas gar überhand.

KI: Viel Lärm um nichts?

rox. KI (oder, für die Angelsachsen, AI) steht für Künstliche Intelligenz, und wer dieses Kürzel noch nicht in die persönliche Klaviatur der Abbreviaturen aufgenommen hat, darf sich ehrenvoll zum alten Eisen zählen. Die Idee des Geistes als einer Art Rechenmaschine geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Wie ist es einem Körper – einer Person, einem Tier, einem Roboter – möglich, durch Wahrnehmung zu Wissen über die Welt zu gelangen und damit eine rationale Basis für erfolgreiches Handeln zu schaffen? Philosophen haben von der KI über Jahrhunderte hinweg geträumt. Hobbes und Leibniz versuchten, auf sehr unterschiedliche Weisen, den Geist in kleine, letztlich mechanische Operationen zu zerlegen. Und Descartes habe sogar den Turing-Test antizipiert (Alan Turings vieldiskutierter Vorschlag der Anhörung von verschiedenen Computern, deren Aufgabe darin besteht, die Prüfer davon zu überzeugen, dass sie sich mit menschlichen Wesen unterhalten). Dennoch sei, so Daniel C. Dennett, den meisten Philosophen die Vorstellung, dass Maschinenbau und Epistemologie kompatibel seien, ein Greuel. Hilary Putnam stellt seinen Beitrag zum Thema KI gar unter den Titel «Viel Lärm um fast nichts». – Dieses und mehr ist zu verfolgen in einem nun übersetzten Diskussionsband über die «Probleme der Künstlichen Intelligenz», der 1988 beim MIT herausgekommen ist.

Antikes Glück

lx. Malte Hossenfelder ist als Kenner der antiken Philosophie, insbesondere der Stoa, des Epikureismus und der pyrrhonischen Skepsis bekannt. Nicht jedermann aber ist es gegeben, Sextus Empiricus oder Epiktet im Urtext zu lesen. Und doch ist der Beitrag zur Philosophie des Glücks, den diese drei grossen hellenischen Schulen geleistet haben, auch heute, wo das Glück zur reinen «Privatsache» geworden ist, nicht nur historisch relevant. Im vorliegenden Kröner-Band rekonstruiert Malte Hossenfelder die Struktur des antiken Glücksideals, das eben (noch) nicht einfach darin bestand, jeden «nach seiner Fasson selig» werden zu lassen. Der Band umfasst, neben den bekannten Schulen des Hellenismus, auch die Kyniker und den Kyrenaismus. Besonders bei diesen weniger bekannten Schulen erschliesst die vorliegende Quellensammlung bisher schwer zugängliche und zum Teil noch unübersetzte Texte. «Schmeichelei ist ein Strick aus Honig»: Wer den Sentenzen des Diogenes Laertius folgt, wird wohl einsehen, dass geistige Souveränität keine Erfindung der Neuzeit ist.

Eine französische Metternich-Biographie

haj. Unter den französischen Historikern unseres Jahrhunderts, die sich mit der österreichischen Geschichte auseinandergesetzt haben, muss auch Guillaume de Bertier de Sauvigny genannt werden, der sich als Fachmann auf dem Gebiet der Restauration vor allem mit der Persönlichkeit Metternichs befasst hat. Ihm verdanken wir die Untersuchungen «Metternich et son temps», «Metternich et la France après le congrès de Vienne» und «La Sainte Alliance», denen er 1986 als krönenden Abschluss «einen einfachen Lebensbericht» folgen liess, dessen deutsche Neuedition in Elmar Braunbecks Übersetzung vorliegt. Unter Verzicht auf eine Darstellung der politischen Philosophie und der diplomatischen Methoden konzentriert sich Bertier de Sauvigny auf den Lebenslauf des Diplomaten und Staatsmannes, dessen private Persönlichkeit er in emotionsloser Nuancierung mit ihren positiven und negativen Seiten zeigt, ohne darüber dessen Wirken als Staatsmann zu vernachlässigen. Dabei folgt er der Erkenntnis Golo Manns: «Er gehört einer Welt an, die buchstäblich nicht mehr ist, die aber mit ihrem eigenen Massstab gemessen werden muss.» Der Autor erweist sich als ein hervorragender Kenner der Quellen, über die er sich abschliessend kritisch äussert und die ihm ein gerechtes Bild des in der Aufklärungszeit wurzelnden Grandseigneurs ermöglichen, eines Diplomaten, der in europäischen Dimensionen dachte und handelte und so zu einem Garanten der Stabilität wurde.

«Der junge Bach»

ab. Der 1959 geborne Konrad Küster vermochte nach der Auflösung der DDR in Thüringen, dem Ursprung der Bach-Familie, weitere Dokumente für die Geschichte der zugleich zeittypischen und (begabungsmässig) einzigartigen Musikertradition dieser Familie zu finden. Küsters Funde und Folgerungen bereichern die Kenntnis der Lehr- und Wanderjahre Johann Sebastian Bachs, der Anstellungen in Lüneburg, Arnstadt, Mühlhausen und Weimar, der lokalen Gegebenheiten und der politischen Verhältnisse zwischen 1685 (dem Geburtsjahr Bachs) und 1717 (dem Rücktritt in Weimar). Die Konsequenz des jungen Bach im Erwerb einer Bildung, seine ungemeine Fähigkeit des Lernens, seine Hartnäckigkeit im Verfolgen zuerst der organistischen, dann auch der Ziele einer «regulierten», von beruflich angestellten und besoldeten Musikern ausgeführten Kirchenmusik, auch Bachs Neigung zu norddeutschen Vorbildern sind noch nie so detailliert dargestellt worden. Das leserfreundliche Buch ist gut dokumentiert und enthält vorzügliche Literaturhinweise und Register.

Wilhelm Reich – der Ausgeschlossene

S. Rb. Wilhelm Reich (1897–1957) kann als die umstrittenste Person aus der Geschichte der Psychoanalyse bezeichnet werden. Als junger Mediziner lernte er in Wien Sigmund Freud und dessen Gedanken kennen; Reich wird zu einem aktiven Mitstreiter der Psychoanalyse; 1934 wird er auf kaltem Wege aus der Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen. Dieser Zeitpunkt und dieses Ereignis werden in der Geschichte der Psychoanalyse als Auslöser für den Ausbruch einer schweren Persönlichkeitsstörung bei Reich beschrieben. Eine kürzlich auf deutsch erschienene Sammlung von autobiographischen Schriften dokumentiert Reichs Sichten, seine Arbeit und sein Denken in der persönlich und gesellschaftspolitisch kritischen Zeit von 1927 bis 1937. «Menschen im Staat» enthält neun Aufsätze zu so verschiedenen Themen wie der sexualpolitischen Arbeit im «Roten Wien», dem Engagement in der Jugendbewegung und der Gründung der Sexpol-Bewegung in Deutschland; ausserdem zahlreiche sehr detaillierte und auch lebendige Beschreibungen von Klassenkampfsituationen in Wien und Berlin, Überlegungen zur Faschismustheorie; einiges zum Versuch, Marxismus und Psychoanalyse zu verbinden, sowie über seine Konflikte in den entsprechenden Organisationen, die schliesslich zum Ausschluss aus der Kommunistischen Partei wie aus der Psychoanalytischen Vereinigung führten. Der letzte Aufsatz, «Der Weg zur Biogenese», gibt einen genauen Einblick in Reichs naturwissenschaftliche Experimente. «Menschen im Staat» bietet über weite Strecken in sozialhistorischer Hinsicht interessante Dokumente. Ferner können diese Texte eine Lücke in der Rezeption des Reichschen Lebens und Werkes schliessen helfen.

Pressestimmen

"Der kleine Band bietet ein gut dokumentiertes buntes Bild antiker Lebenslehren. Das Buch kommt nicht hochtrabend daher; eine diskrete Skepsis beseelt es. Es tönt nicht laut, aufregend und thesenwütig, sondern spricht leise, gescheit und menschenfreundlich. es dient dem Ziel der alten Denker - dem nachdenklichen Schmunzeln, der Unterhaltung mit Freunden, vielleicht gar der Seelenruhe." (Kurt Flasch, Berliner Zeitung)

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