Die vorliegende lateinische Lektüre zu Ovids "Ars amatoria" aus der Reihe "Antike und Gegenwart" eignet sich meiner Meinung nach ausgezeichnet für den Gebrauch im Lateinunterricht. In zwanzig Lektüreeinheiten, die vorwiegend dem I. und dem II. Buch der ovidischen Liebeskunst entnommen sind, werden bedeutungsschwangere Abschnitte gewählt, die einen sehr lebendigen Eindruck des Werks vermitteln. So erfährt der Leser Interessantes über die Parallelen zwischen Jagd bzw. Kriegsdienst und dem Umwerben der Geliebten, über geeignete Treffpunkte für die Partnersuche in der Antike, über das richtige Styling, die geeignete Liebeskorrespondenz sowie, quasi als frivolen Abschluss, über das an sich pikante Thema des Beischlafes, das jedoch hierin nicht verissen, sondern als ehrliches Wechselspiel zwischen Mann und Frau dargestellt wird. Sehr erfreulich ist einzustufen, dass der Herausgeber den Blickwinkel nicht allein auf die Liebesunterweisungen für den Mann beschränkt, sondern an geeigneter Stelle die feminin-intendierten Paralleltexte aus dem III. Buch der "Ars amatoria" einflicht.
Durch die stufenweise Steigerung in der Tiefe der Thematik, wird der Spannungsbogen bis zum Abschluss des Lektüreprojektes aufrechterhalten, woraus eine hohe Motivation resultieren dürfte.
Zusätzlich zum lateinischen Originaltext, der durch nützliche sub-linea-Kommentare vereinfacht wird, werden den SuS neue Perspektiven auf die dargestellte Thematik durch Vergleichstexte, Karikaturen und dem Verweis auf Parallelen in der modernen Welt eröffnet. Kann beispielsweise die Aufforderung Ovids, zur Jagd auf das jeweils andere Geschlecht (cf. Ars amatoria I 41-50 + III 421-428) nicht mit modernen Flirt-Maschinen im Internet verglichen werden? Welche Facetten der Liebe aus der modernen Sozialpsychologie finden sich bei Ovid wieder? Zu diesen und weiteren Fragen vermag das vorliegende Werk Denkanstöße zu geben.
Zu fundiertem Wissen über die Lebenswelt der Antike verhelfen des Weiteren Informationstexte über den Venus-Kult in Rom, die Rolle der Frauen im Römischen Reich und das homerische Gelächter u.a.
Mein Fazit: Ein wichtiger Leitfaden für den Latein-Unterricht zu Ovid Liebesliteratur in der Jahrgangsstufe 10 und 11, der bei Lerngruppen eine sehr hohe Motivation sowie Eigeninitiative hervorrufen kann. Ein facettenreicher Überblick über die "Ars amatoria" wird gewährt!