Kurzbeschreibung
Eindringliche Porträts, aufgenommen aus verblüffenden Perspektiven, stehen im Zentrum dieser Aufsätze: Heiner Müller, Nietzsche, Goethe, Shakespeare, aber eben auch die geheimnisvolle Büste eines Miles romanus. Auf dieser physiognomischen Linie durchquert der Autor die Zeiten: in Essays, Reportagen und Recherchen, Erzählungen, Miniaturen und Charakterbildern. Ob er sich dem ikonischen Paradox einer "protestantischen Reliquie" in Marxwalde zuwendet oder dem zwischen Archaik und Modernitätssignalen flirrenden 'Event' einer Schönheitskonkurrenz in Caracas; ob er in einem phänomenologischen Parforceritt den Kult der Totenmaske entlarvt als Zeugnis der Indifferenz und der Menschenleere oder ob er mit seinen Antikeporträts zu Seneca und Juvenal Schaustücke bietet in der künstlerischen Rekonstruktion einer Epoche - alle diese Aufsätze setzen auf die irreduzible Physiognomik des Einzelfalls, konzentrieren sich auf das je besondere Denkbild: "Auf einer Marmorbüste herumzuhacken ist keine Kunst", hat Grünbein einmal geschrieben, "weitaus schwieriger ist es, der Maserung ihrer Oberflächen zu folgen, die so vieles bedeuten kann."
Über den Autor
Durs Grünbein wurde am 9. Oktober 1962 in Dresden geboren. Seit 1986 lebt er nach kurzzeitigem Studium in Berlin, als Dichter, Übersetzer und Essayist.
Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs führten ihn Reisen durch Europa, nach Südostasien und in die Vereinigten Staaten. Er war Gast des German Department der New York University und der Villa Aurora in Los Angeles. Für sein Werk erhielt er mehrere Preise, darunter den
Peter-Huchel-Preis, den
Georg-Büchner-Preis, den
Literaturpreis der Osterfestspiele Salzburg 2000, den
Friedrich Nietzsche-Preis des Landes Sachsen-Anhalt 2004 und den
Berliner Literaturpreis 2006 der Preussischen Seehandlung verbunden mit der
Heiner-Müller-Professur 2006.
Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.