Da isser wieder, unser aller liebster Berufsmelancholiker mit der vielleicht schönsten Stimme des Pop. Der Mann, der Konzerte gerne mal mit dem Hinweis beginnt, dass er sich heute nicht besonders wohl fühlt und auch keinen Hehl daraus zu machen scheint, dass er Probleme mit dem Älterwerden hat. Entsprechend handeln die heutigen Geschichten z. B. von jungen Idealisten. Wurde früher jemand schwärmerisch mit Eve Marie Saint verglichen wurde, ist da heute Scarlett Johansson, die allerdings einen "lazy" und "no longer young" Menschen nicht mehr zu tangieren vermag.
Spiegelt sich die Vergänglichkeitssentimentalität auch in der Musik wider? Nun, sicherlich, sonst wäre es ja nicht Lloyd Cole, und die reduzierte Nachdenklichkeit vom Vorgänger "Music In A Foraign Language" setzt sich auch bei "Antidepressant" fort. Doch wie der Titel bereits verspricht, verbreitet dieses Album gleichzeitig auch durchgehend eine gewisse Heiterkeit, woraus sein besonderer, unwiderstehlicher Reiz entsteht. Wir hören wieder mehr Instrumente. Die meisten, inklusive Schlagzeug, hat der Künstler selber gespielt, doch unter den wenigen Begleitmusikern findet sich auch Alt-Commotion und Gitarrengott Neil Clark. Wahrlich, hymnenartige Songs wie "Butterfly" oder "A Long Way Down" sind von Lloyd heute wohl nicht mehr zu erwarten. "Antidepressant" enthält vielmehr 11 unaufdringliche Kleinode, die sich heimlich, still und leise ihren Weg ins Bewusstsein bahnen und bereits nach wenigen Hördurchgängen zum Mitsummen zwingen. So mag man in Situationen der Musikabstinenz plötzlich bemerken, dass einem die ein oder andere Passage aus dem Album im Kopf herumgeistert, und schon ist der Moment gekommen, wo man sich auf's Nachhausekommen freut, weil man dann wieder der Musik lauschen kann. Und sowas macht, finde ich, ein 5-Sterne-Album aus.