Wenn eine über 50 Jahre alte Einspielung wie diese aus dem Jahr 1958 aufwendig restauriert und klanglich auf Hochglanz poliert wird, wenn zudem ein großer Name wie Antal Dorati schon für sich genommen lockt, dann sind die Erwartungen hoch gesteckt. Doch mit den Jahren haben sich unsere Hörgewohnheiten verändert, und so wird sich nicht nur der an historisch informierter Aufführungspraxis geschulte Hörer über ein wenig inspiriertes und unartikuliertes, gleichförmiges Spiel wundern. Zum Ausgleich bieten die Mitglieder der Ungarischen Philharmoniker üppiges Vibrato bei - vorsichtig ausgedrückt - einem uns fremd gewordenen Intonationsideal. In den schnelleren Sätzen hat Dorati zudem Probleme, die Instrumentengruppen in den Griff zu bekommen. So etwas wird einem heute von professionellen Kammerorchestern eigentlich nicht mehr präsentiert.
Der Klang ist recht präsent und direkt, die Instrumentengruppen auf der Bühne klar gestaffelt. Die technische Seite gelang somit tadellos. Das leichte Grundrauschen hält sich kaum vernehmbar im Hintergrund.
Eine beispielhafte Interpretation nach heutigen Maßstäben, die zugleich meine abschließende Empfehlung für den anspruchsvollen Hörer darstellt, hat 1993 das Orpheus Chamber Orchestra vorgelegt (Suiten I und III; DG/Universal). Die hier vorgelegte Aufbereitung war jedoch leider der Mühe nicht wert.