Selbst vor unserer Haustür, in Osteuropa, werden schon vollwertige Pkw für 5000 Euro fabriziert. Man sieht also, wo der Trend hingeht, und kann sich leicht vorstellen was passiert, wenn eines Tages Mächte wie China oder Indien voll in den weltweiten Pkw-Wettbewerb einsteigen. Dann fallen nämlich auch die letzten Bastionen deutscher Export- und Produktionserfolge. Wer wie Henkel, Miegel, Steingart oder Sinn dann immer noch glaubt, man könne mit einer staatlichen Verschlankungskur, gutem Firmen-Management, erhöhter Produktivität und gemäßigtem Lohnabbau der übermächtigen ausländischen Billigkonkurrenz trotzen, wird endlich seinen Irrtum eingestehen müssen.
Manfred Müller hat den sich anbahnenden Wandel in seiner ganzen Tragweite erkannt. Er versteht es, einen Überblick über die Gesamtlage zu schaffen und versteift sich nicht auch die naive Hoffnung, mit innerdeutschen Reformen das Ruder herumreißen zu können. Glaubhaft und eindringlich schildert er, daß nur noch solche Maßnahmen wirklich greifen können, die eine Wirkung auf die Importströme haben. Seine diesbezügliche Idee der Lohnkostenreform halte ich für geradezu genial (Abbau der Lohnnebenkosten, Gegenfinanzierung über die Mehrwertsteuer). Eine solche Maßnahme würde bewirken, daß sich Produktionsverlagerungen ins Ausland weniger lohnen (die inländische Fertigung wird billiger, Importe durch die allgemein höhere MwSt. teurer). Bei einer solchen Konstellation würde sich auch Opel dreimal überlegen, hiesige Arbeitsplätze abzubauen. Müllers andere Ideen sind aber kaum weniger interessant.