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Susie Orbach räumt mit den Vorurteilen auf, dass Frauen dick sind, weil ihre Willenskraft zu schwach ist oder sie sich falsch ernähren. In ihrer sehr stark feministisch geprägten Einleitung geht Susie Orbach darauf ein, dass die Fettschicht bei Frauen eine Ablehnung der Frauenrolle in der Gesellschaft ist, indem sie durch ihr Dicksein nicht dem idealen Frauenbild entsprechen. Zunächst waren mir ihre Ausführungen etwas zu feministisch, aber man konnte sich durchaus mit einigen ihrer Äusserungen identifizieren. Dadurch, daß das Buch Ende der 70er Jahre in den USA geschrieben wurde, trifft es mit einigen Äusserungen nicht mehr ganz den heutigen „Zeitgeist".
Sehr aufschlussreich sind dann die Kapitel „Was bedeutet Dicksein für Esssüchtige?" und „Was bedeutet Schlanksein für Esssüchtige?". Susie Orbach beschreibt hier, dass die Esssucht mit dem Wunsch verbunden ist, dick zu werden. Das erscheint zunächst absurd, da alle Esssüchtigen doch den Wunsch haben dünn zu werden, aber nach und nach wird deutlich, dass Susie Orbach mit ihrer These richtig liegt. Der Wunsch dick zu werden, ist den meisten Esssüchtigen nicht bewusst, aber das Dicksein hat eine Funktion. Es schützt vor weiblicher Konkurrenz, vor sexuellem Interesse von Männern (z.B. am Arbeitsplatz oder als Ehefrau anderen Männern gegenüber). Dicksein kann Stärke und Autorität suggerieren. Es bedeckt die Weiblichkeit. Durch Fantasieübungen (auf Seite 35, 116) kann eine Esssüchtige erkennen, welche Funktion das Dicksein im Vergleich zum Dünnsein für sie hat.
Im darauffolgenden Kapitel geht die Autorin darauf ein, wie esssüchtige Hunger erleben. Bei den meisten Esssüchtigen kommen richtige Hungergefühle gar nicht mehr auf, da sie nicht aus Hunger essen, sondern weil sie traurig, nervös, gelangweilt, gestresst usw. sind. Das Essen wird hier zur Droge. Esssüchtige leben mit einem starken Gefühl der Unersättlichkeit und stopfen immer mehr in sich hinein, ohne auf die physiologischen Anzeichen (Hunger-, Sättigungsgefühl) zu achten. Damit entfremdet sich eine Esssüchtige immer mehr ihrem eigenen Körper und somit ihrer Körperwahrnehmung.
Neben einem Plädoyer für Selbsthilfegruppen gibt die Autorin Tipps für den Umgang mit der Esssucht (in diesem Zusammenhang sehr hilfreich ist auch Susie Orbachs Buch „Lob des Essens"): Nur Essen wenn man Hunger hat, einen Teil des Essens liegen lassen und eine Ersatzhandlung vornehmen und dann wieder zum Essen zurück kehren, die Spiegelübung (S. 76) durchführen, um einen Bezug zum Körper zu bekommen, nur Kleidungsstücke im Schrank haben, die auch wirklich passen (und nicht in 3 unterschiedlichen Größen für dünne, mittlere und dicke Zeiten) und auch „gefährliche" Nahrungsmittel in Hülle und Fülle im Haus haben, um den Umgang mit ihnen zu lernen.
Dieses Buch hält eine Fülle von Tipps und Erkenntnissen zum Thema Essucht bei Frauen bereit und ist für Frauen, als auch für Ärzte und Therapeuten, die sich mit dem Thema beschäftigen, uneingeschränkt empfehlenswert.
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