Es ist schon ein eigentümliches Gefühl, diese Rezension über dieses Buch hier zu veröffentlichen. Denn ich fürchte, dass die endlosen Diskussionen, die über die bösen postmodernen Denker, die sich an den heiligen Kühen der Mathematik und Logik vergreifen,die bereits geführt wurden, durch eine positive (wohlwollende) Bewertung dieses Buches explodieren könnten; dass man totgepostet wird, ein solches Machwerk, das in dieser Form, nämlich nach einem exzentrischen Interpretationsstil, geschrieben ist, vollgestopft mit Anleihen bei Mathematik, Logik, Kybernetik, Marxismus, Linguistik usf., dass man da nicht entsetzt "Missbrauch !" ruft und jeden ungespitzt in den Boden rammt, der diesem "Unsinn" was abgewinnen kann. Jetzt kommts: ich mache diesen Fehler. Ich halte es für ein sehr interessantes Buch, das einen zwar arg,arg ins Nachdenken stürzt, aber ob seiner Ungewöhnlichkeit einen Silberstreif am Horizont derer sein kann, die sich ausserhalb der Welt der sektenhaft in sich abgeschlossenen Geisteswissenschaftler befindlichen, dastellt. Inwiefern durch dieses Buch der Ödipuskomplex tatsächlich überflüssig wird, ist schwierig mit drei Sätzen zu sagen (man lese selbst), eigentlich wird er durch den schizophrenmachenden Kapitalismus aufgefressen, aber - zum Trost für alle, die schon lange darauf warten - der bitterböse Thesenklauer und zu hängende Mathematikschänder Lacan (leider ist er schon tot) wird kräftig zur Strecke gebracht; was eines der Hauptziele der Autoren war. Es gibt gewiss viele Dunkelheiten im Text, worauf man lange rumkauen muss, aber das gibts auch bei Hegel oder Schelling. Wer schwierige, ergiebige Lektüre mag, greife zu.