Das Buch beschreibt die biologische Kriegführung (Biological Warfare - BW) in den vergangenen hundert Jahren. Das ist, wenn man so will, eine Geschichte von Heimlichkeiten und Abirrrungen des menschlichen Verstandes. Leider jedoch ist sie Realität.
Im Ersten Weltkrieg nahm sie ihren Anfang, als deutsche Agenten der Sektion Politik des Militärgeheimdienstes III b mit Rotzbakterien die feindlichen Pferdebestände zu dezimieren suchten. Von da an war der Teufel aus der Flasche. Eine Schraube des Schreckens entstand. Ihre Hauptantriebskraft war die Vorstellung, die sich Kriegsplaner davon machten, was wohl ein potenzieller Feind in seinem Bastelkasten der Scheußlichkeiten habe. Fast alle diese Annahmen waren Fehlvorstellungen, die von blind mutmaßenden Geheimdiensten oder Nachrichtenfabrikanten herrührten; auch an diesen Stellen des Buches tun sich Abgründe auf. Die Auslösung des jüngsten Irakkrieges ist ein solcher Fall - vielleicht der krasseste überhaupt.
Denn in einem waren sich die Militärplaner seit je her seltsam einig: Der Nutzen einer biologischen Kriegführung wurde wegen der schwer zu steuernden, weil nicht nur auf den Feind zu begrenzenden Wirkungen als eher gering eingeschätzt. So standen Abwehrüberlegungen im Vordergrund. Diese lösten allerdings Forschungen aus, die sehr wohl auch in den Dienst von Aggressionen gestellt werden konnten. Nur ein Staat von einiger Bedeutung wich von dieser Beurteilung ab. Es war das kaiserliche Japan, das in den 1930er Jahren daranging, sich in Asien ein Weltreich zu schaffen. Japan setzte biologische Kampfmittel in China ein. Die Auswirkungen müssen verheerend gewesen sein.
Was war zur selben Zeit in NS Deutschland los? Auch hierüber gibt das Buch exakt Auskunft. Nur wenige Wissenschaftler hielten die biologische Kriegführung für erfolgversprechend; doch Hitler verbot dergleichen kategorisch. Dabei blieb es im wesentlichen. Geforscht wurde zwar, doch ein Kriegseinsatz fand nicht statt. Gottlob. Die Rache der Briten und US-Amerikaner wäre schrecklich gewesen.
Nach dem Kriege verschoben sich die Ansichten. Die USA und die Sowjetunion partizipierten in reichem Maße an den Hinterlassenschaften der Besiegten. Was sie selbst als verbrecherisch in die Welt hinausposaunten, hinderte sie nicht am eigenen Tun. Aufwendige BW-Aktivitäten wurden ins Werk gesetzt. Wissenschaftlicher Fortschritt in der Gentechnik machte es zudem möglich, sich die Krankheitserreger zurechtzuschneidern und für den Einsatz in Aerosolen zu präparieren. Das Ergebnis: die Atomwaffe für den kleinen Mann. So jedenfalls behaupten es die einschlägigen Prediger der Apokalypse.
Ganz so simpel ist es wohl nicht. Sorgsam untersucht Geißler beispielsweise den Verlauf der sog. Anthrax-Briefe, die Anfang dieses Jahrhunderts die Welt in berechtigte Unruhe versetzten. Er kommt zu dem Ergebnis, dass nur eine Handvoll Menschen in der Lage gewesen sind, dieses Verbrechen mit Milzbranderregern zu begehen. Das ist interessant und beunruhigend zugleich und, das sei hinzugefügt, nur eine der vielen Fragen, denen Geißler auf den Grund geht.
Ein Glossar der einschlägigen Begriffe schließt das Buch ab. Zusammenfassend lässt sich sagen, wer auf dem Gebiet der biologischen Kriegführung und vor allem seiner Ächtung und Verhinderung mitreden will - das gilt, es sei hinzugefügt, auch für die auf diesem Feld irrlichternden Geheimdienste -, sollte es gelesen haben. Es gibt auf dem deutschen Markt nichts besseres.