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Anthrax und das Versagen der Geheimdienste
 
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Anthrax und das Versagen der Geheimdienste [Gebundene Ausgabe]

Erhard Geißler
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 418 Seiten
  • Verlag: Homilius; Auflage: 1., Aufl. (28. Februar 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3897068893
  • ISBN-13: 978-3897068896
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 13,4 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.474.086 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Frankfurter Rundschau, 27. August 2003

Anthrax im Karton

Manche Bücher mit zeitgeschichtlichem Bezug werden nach dem Erscheinen noch aktueller, als sie es während des Schreibens schon waren. Erhard Geißlers Titel "Anthrax und das Versagen der Geheimdienste" gehört dazu. Das Buch beschreibt die Rüstungsspirale auf dem Gebiet der biologischen Waffen.

Der Genetiker, emeritierter Professor des Max-Delbrück-Zentrums für Molekulare Medizin in Berlin, verfolgt die Spur der biologischen Kriegsführung zurück bis ins 14. Jahrhundert. Im Jahr 1346 zog die Pest als "schwarzer Tod" durch Europa, möglicherweise Folge biologischer Kriegsführung bei Kämpfen zwischen Tataren und Bewohnern der Schwarzmeerhalbinsel Krim. Sicher geklärt worden ist das nie. ... Geißler erzählt die Geschichte der Biowaffen interessant und teilweise richtig spannend, angereichert mit zahlreichen historischen Zitaten.

Kurzbeschreibung

Als im Oktober 2001 die Anthraxbriefe auftauchten, in deren Folge fünf Menschen verstarben, hielt die Welt buchstäblich den Atem an. Anthrax - zu Deutsch Milzbrand – verbreitete sich bei diesen Anschlägen über die Atemwege. Der unsichtbare Tod war in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt. Die Hintergründe dieser Attentate sind bis heute ungeklärt. Schieres Entsetzen, bisweilen Panik, beherrschen seitdem die Szenerie. Die Unsicherheit ist groß. Sämtliche Bemühungen, die Biowaffenentwicklung zu kontrollieren und zu stoppen schienen gescheitert. Hatten die Geheimdienste wiederum versagt? Betrachtet man die Geschichte der Entwicklung von biologischen Waffen, so fällt, auf, dass diese auch eng mit diversen Fehlleistungen der Geheimdienste verbunden ist. Vorliegender Band erzählt wie und warum. Zum Autor: Der Genetiker und Virologe, Prof. Erhard Geißler, Jahrgang 1930, zählt weltweit zu den renommiertesten Experten, wenn es um die Biowaffen und deren Kontrolle geht. Als langjähriger Chef der Abteilung Virologie des Zentralinstituts für Molekularbiologie (ZIM) der Akademie der Wissenschaften der DDR und von 1992-2000 als Leiter der Forschungsgruppe Bioethik des Max-Delbrück-Centrums in Berlin, gehören insbesondere militärische, philosophische, ethische und soziale Probleme der Genetik und der molekularen Biotechnologien seit mehr als 30 Jahren zu seinen Hauptforschungsgebieten. So ist es nicht verwunderlich, dass er in den 80er Jahren maßgeblich an der internationalen Ausarbeitung von Maßnahmen zur Stärkung der Biowaffenkonvention beteiligt war. Zahlreiche internationale Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Biowaffen, deren Geschichte und zu den von ihnen ausgehenden Gefahren folgten.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Pest und Cholera 3. März 2010
Das Buch beschreibt die biologische Kriegführung (Biological Warfare - BW) in den vergangenen hundert Jahren. Das ist, wenn man so will, eine Geschichte von Heimlichkeiten und Abirrrungen des menschlichen Verstandes. Leider jedoch ist sie Realität.

Im Ersten Weltkrieg nahm sie ihren Anfang, als deutsche Agenten der Sektion Politik des Militärgeheimdienstes III b mit Rotzbakterien die feindlichen Pferdebestände zu dezimieren suchten. Von da an war der Teufel aus der Flasche. Eine Schraube des Schreckens entstand. Ihre Hauptantriebskraft war die Vorstellung, die sich Kriegsplaner davon machten, was wohl ein potenzieller Feind in seinem Bastelkasten der Scheußlichkeiten habe. Fast alle diese Annahmen waren Fehlvorstellungen, die von blind mutmaßenden Geheimdiensten oder Nachrichtenfabrikanten herrührten; auch an diesen Stellen des Buches tun sich Abgründe auf. Die Auslösung des jüngsten Irakkrieges ist ein solcher Fall - vielleicht der krasseste überhaupt.

Denn in einem waren sich die Militärplaner seit je her seltsam einig: Der Nutzen einer biologischen Kriegführung wurde wegen der schwer zu steuernden, weil nicht nur auf den Feind zu begrenzenden Wirkungen als eher gering eingeschätzt. So standen Abwehrüberlegungen im Vordergrund. Diese lösten allerdings Forschungen aus, die sehr wohl auch in den Dienst von Aggressionen gestellt werden konnten. Nur ein Staat von einiger Bedeutung wich von dieser Beurteilung ab. Es war das kaiserliche Japan, das in den 1930er Jahren daranging, sich in Asien ein Weltreich zu schaffen. Japan setzte biologische Kampfmittel in China ein. Die Auswirkungen müssen verheerend gewesen sein.

Was war zur selben Zeit in NS Deutschland los? Auch hierüber gibt das Buch exakt Auskunft. Nur wenige Wissenschaftler hielten die biologische Kriegführung für erfolgversprechend; doch Hitler verbot dergleichen kategorisch. Dabei blieb es im wesentlichen. Geforscht wurde zwar, doch ein Kriegseinsatz fand nicht statt. Gottlob. Die Rache der Briten und US-Amerikaner wäre schrecklich gewesen.
Nach dem Kriege verschoben sich die Ansichten. Die USA und die Sowjetunion partizipierten in reichem Maße an den Hinterlassenschaften der Besiegten. Was sie selbst als verbrecherisch in die Welt hinausposaunten, hinderte sie nicht am eigenen Tun. Aufwendige BW-Aktivitäten wurden ins Werk gesetzt. Wissenschaftlicher Fortschritt in der Gentechnik machte es zudem möglich, sich die Krankheitserreger zurechtzuschneidern und für den Einsatz in Aerosolen zu präparieren. Das Ergebnis: die Atomwaffe für den kleinen Mann. So jedenfalls behaupten es die einschlägigen Prediger der Apokalypse.

Ganz so simpel ist es wohl nicht. Sorgsam untersucht Geißler beispielsweise den Verlauf der sog. Anthrax-Briefe, die Anfang dieses Jahrhunderts die Welt in berechtigte Unruhe versetzten. Er kommt zu dem Ergebnis, dass nur eine Handvoll Menschen in der Lage gewesen sind, dieses Verbrechen mit Milzbranderregern zu begehen. Das ist interessant und beunruhigend zugleich und, das sei hinzugefügt, nur eine der vielen Fragen, denen Geißler auf den Grund geht.

Ein Glossar der einschlägigen Begriffe schließt das Buch ab. Zusammenfassend lässt sich sagen, wer auf dem Gebiet der biologischen Kriegführung und vor allem seiner Ächtung und Verhinderung mitreden will - das gilt, es sei hinzugefügt, auch für die auf diesem Feld irrlichternden Geheimdienste -, sollte es gelesen haben. Es gibt auf dem deutschen Markt nichts besseres.
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