Nach rund 40 Jahren Aufnahmekarriere gönnte sich Ron Wood mit "Anthology: The essential Crossexion" seinen ersten Best of-Sampler, aufgeteilt in Soloalben und Bandprojekte:
CD 1 (75:44, 1974-2005) widmet sich Rons Soloaufnahmen aus den Alben "I've got my own Album to do", "Now look", "1234", "Slide on this", "Slide on live" und "Not for Beginners". Gekrönt wird die CD durch zwei unveröffentlichte Songs, Little mixed up und You strum and I'll sing, beide keine Riesenhits, aber ganz okay. Von "Gimme some Neck" gibt es Seven Days in der grandiosen '92er Live-Version, aufgenommen bei Bob Dylans 30th Anniversary Tribute Concert.
CD 2 (74:40, 1964-1981) beinhaltet Songs aus Rons diversen Bandformationen, angefangen bei den A- und B-Seiten zweier früher Mono-Singles ('64/'65) mit den Birds (nicht zu verwechseln mit den amerikanischen Byrds), die schön dreckig und klanglich gar nicht so weit weg von den Pretty Things, Them oder anderen R&B-Combos jener Zeit klingen. Leider war mit den Birds nach recht kurzer Zeit schon wieder Schluss. Von Rons nächster Band, The Creation, gibt es eine '68er Mono-Single, die eher pop-orientiert und etwas Flower-Power-mäßiger klingt, ebenfalls passend zum Jahrgang.
Ein Song von "Truth" und drei von "Beck-Ola" mit der Jeff Beck Group machen Lust, diese beiden Alben wieder aufzulegen! Ron ist zu Recht stolz auf seine Rolle als Bassist bei dieser Formation, bei der er auch Rod Stewart kennenlernte, mit dem er zusammen bei den Small Faces als Ersatz für Steve Marriott einstieg, was deren Umbenennung in Faces nach sich zog. Mit Flying, Gasoline Alley, Maggie May, Stay with me, Every Picture tells a Story und Ooh la la bekommen wir in chronologischer Reihenfolge einige wunderschöne Perlen aus dieser fruchtbaren Zusammenarbeit sowohl mit den Faces als auch mit Rod Stewart auf dessen erfolgreichen Soloalben zu hören. Die Rolling Stones sind mit Everything is turning to Gold, der B-Seite von Shattered, und mit Black Limousine nur kurz vertreten; aber man darf davon ausgehen, dass deren Songs der Allgemeinheit sowieso schon hinlänglich zugänglich sind.
Die Songauswahl mag ich diesmal gar nicht in Frage stellen; natürlich hätte man sich den einen Song anstelle eines anderen vorstellen können. Den Charme dieser Zusammenstellung aber macht aus, dass Ron Wood sie offensichtlich selber besorgt hat.
Diese Anthology belegt sehr schön, dass Ron Woods instrumentalen und kompositorischen Talente oft am besten in Zusammenarbeit mit anderen Bands oder Solokünstlern zur Blüte kamen (Jeff Beck Group, Faces, Rod Stewart), und auch bei seinen besseren Solosongs sind nicht ohne Grund u.a. Mick Jagger (I can feel the Fire), Keith Richards (Cancel everything) oder George Harrison (der auf Far East Man mitspielt und -singt) beteiligt. Wobei man seine Hauptarbeitgeber seit fast 35 Jahren, die Rolling Stones, leider wiederum etwas ausklammern muss, da Ron dort oft nur buchstäblich die zweite Gitarre spielt und um seine Kompositionen eher mal kämpfen muss; laut "According to the Rolling Stones" scheint er mit dieser Rollenverteilung dort aber sehr zufrieden.
Das Booklet ist eher knapp gehalten: Ron bringt zu den meisten Songs einen kurzen Kommentar, und am Ende sind noch nette Anmerkungen von den Charlatans, Rod Stewart, Jeff Beck, Keith Richards, Bernard Fowler, Kelly Jones (Stereophonics), Slash und Jools Holland abgedruckt. Das Om-Symbol, das das Cover und die Silberlinge ziert, war ich bisher nur von George Harrison-Alben und -Fotos gewohnt; vermutlich ein dezenter Werbehinweis auf Rons gleichnamige Live-DVD.
Der Sound der CD ist astrein remastert; gerade bei einigen Faces-/Rod Stewart-Nummern kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass dort bei den Höhen etwas nachgeholfen wurde - aber okay!
Wie Ron zu Seven Days anmerkt: "... meine Sammlung wäre ohne diese Version nicht vollständig ..." - stimmt!