Laibach polarisieren ihre Hörerschaft mit voller Absicht. Sie verfremdem, provozieren, schreiben deutsche Texte zum Weltuntergang, verstören oder empören-wirklich kalt lassen sie niemanden, der sie hört.
Ob es sich um Eigenkompositionen wie "Das Spiel ist aus", "Alle gegen Alle", "Tanz mit Laibach" oder "Wirtschaft ist tot" handelt, oder ob seichte Pop-Songs durch den elektro-symphonischen Fleischwolf gedreht werden (In The Army Now, Get Back, Final Countdown, und nicht zuletzt die beiden martialischen Verfremdungen des Pop-Weichspülers "Life is Life")-Laibach kokettieren mit apokalyptisch anmutenden Soundcollagen aus Symphonik, Industrial und Noise-Ambient, tragen ihre Botschaft völlig humorlos vor und nehmen keine Gefangenen.
Und gerade das macht sie so attraktiv. Laibach imitieren nicht, sondern schaffen, von einer Songstruktur ausgehend, ein völlig neues Kunstwerk.
So wird z.B. aus dem Queen-Hit "One Vision" der Laibach-Song "Geburt einer Nation", der düster-martialisch über den Hörer hinwegrollt, mit mehr als nur einer provokanten Textzeile (auf Deutsch). Der Opus-Sommerhit "Life is Life" mutiert durch Laibach gleich zweimal, einmal zum dumpf-martialischen "Leben heisst Leben", und einmal zum symphonischeren "Opus Dei", in dem der englische Originaltext verwendet wird.
Der Clou dabei ist: Laibach erfinden für diese Coverversionen keine neuen Texte, sondern tragen die Originaltexte in einer völlig veränderten Soundkulisse vor, wobei manche Texte ins Deutsche übersetzt werden. Musik als Ausdruck diktatorischen Willens? Fast scheint es so, dabei machen Laibach uns nur auf ein wesentliches Bestandteil aller Pop-Konzerte aufmerksam: auf die Tatsache, daß jeder Fan bei einem solchen Konzert einen Teil seiner Identität freiwillig aufgibt, um seinem Idol (oder seinen Idolen) zuzujubeln-ein Mechanismus, der auch an der Basis der Propagandaveranstaltungen aller totalitären Regimes steht.
So gesehen, sind die teils recht gewagten Remixes auf CD 2 eine Verfremdung der Verfremdung und der beste Beweis dafür, daß die slowenischen Avantgardisten ihre Spuren in der Szene hinterlassen haben.
Laibach-Fans und Liebhaber unkonventioneller Musik können hier zugreifen, wer aber mit radikaler Provokation und Endzeit-Klängen seine Probleme hat, sollte lieber die Finger von diesem Sampler lassen.
Fazit: fünf stählerne Punkte mit Zacken!