Bereits als ich Kerry Ellis vor über drei Jahren das erste Mal live gesehen habe, war ein Album von ihr angekündigt gewesen. Nun ist es also endlich da, und in diesem Fall greift wohl wieder einmal der Spruch "Gut Ding will Weile haben". Denn "Anthems" ist nicht einfach ein schnell aufgenommen 0815-Album, sondern ein ganz besonderes Sahnestück, und, um Brian May zu zitieren, "vielleicht der Beginn einer ganz neuen Musik-Ära"!
Ellis' unverwechselbare Stimme macht auch aus schon oft gehörten Klassikern wie "Diamonds are forever" (mit teilweise neuen Texten von Don Black, eigens für sie geschrieben), oder den altbekannten Queen-Songs "Save me" und "I loved a Butterfly (Some Things that glitter)" völlig neue Hörerlebnisse. Letzteres besticht vor allem durch seine Einfachheit, es ist das einzige Lied auf dem Album, auf dem ausschließlich May und Ellis zu hören sind, es ist fast schon "acoustic". Dazu kommen einige bisher nur auf Konzerten interpretierte Stücke, wie das wunderschöne "You have to be there" und die uptempo-Nummer "I love it when you call", was ganz besonders bei einer schnellen Autofahrt einfach nur Spaß macht. "Anthem" aus "Chess" wurde bisher nur von Männern interpretiert, dass dies kein Muss ist, zeigt Kerry Ellis durch ihre ganz eigene Version eindrucksvoll. Besonders gelungen sind auch die von Brian May geschriebenen Songs "Dangerland", das fast schon etwas orientalisch anmutet, und "I can't be your Friend", in dem Ellis wieder einmal unter Beweis stellt, dass sie durchaus auch leisere Töne anschlagen und nicht ausschließlich belten kann.
Die weiteren drei Lieder, "No one but You", "Defying Gravity" und "I'm not that Girl", kennt man schon von ihrem 2008 erschienen Teaser-Album "Wicked in Rock" und zuerst erschloss sich mir nicht ganz, warum diese Nummern nun auch nochmal mit auf "Anthems" mussten. Beim Anhören der CD wird allerdings klar, dass es sich hier fast um eine kleine Reise durch das bisherige (Musical-)Leben der Kerry Ellis handelt und diese drei Titel aus ihren größten Erfolgen "We will rock You" und "Wicked" folglich zu wichtig sind, um weggelassen werden zu können!
Alles in allem für mich das Album des Jahres, dem sich hoffentlich auch wie geplant eine Tour anschließen wird! Ganz große Musik einer Ausnahmekünstlerin, 5 Sterne!