Reinhold Messner kam zum ersten Mal im Jahre 1986 in die Antarktis um den Mount Vinston zu besteigen. Nachdem er bereits den Elbrus( Europa), den Kilimandscharo(Afrika) den Everest (Asien), die Carszten Pyramide (Ozeanien), den Aconcagua ( Südamerika) und den Mt. McKinley( Nordamerika ) bezwungen hatte, feilte ihm nur noch dieser Gipfel, um der erste Mensch zu sein, der "die seven summits", die sieben höchsten Berge aller Kontinente, bestiegen hatte. Erwartungsgemäß leistete der Berg nur wenig Widerstand, schnell erreichte Messner den Gipfel, doch schon tat sich ein neues Problem auf; Was gab es jetzt überhaupt noch für ihn zu tun? Alle nur denkbaren Berge waren mit und ohne Sauerstoffmaske bezwungen, alle Wände waren kreuz und quer gemeistert worden - wie sollte es jetzt nur weitergehen? Er hätte sich mit seiner jungen Frau und seiner kleinen Tochter auf sein Schloss Juval in Tirol zurückziehen und ein schönes Leben leben können, würde der normale Mensch antworten, aber dieser Weg ist dem "Bergmenschen" Messner für immer versperrt. Warum das? "Nur dann, wenn ich immer wieder meinen Körper und meinen Geist bis an den Rand meiner Möglichkeiten führe, bin ich ganz ich selbst. Ich bin dann zufrieden, ausgeglichen, erträglich. Ich bin überzeugt davon, dass die Menschheit friedlicher wäre, würde jeder dann und wann eine Chance erhalten, sich bis an den Rand seiner Fähigkeiten zu verausgaben."(S. 26/7). Das überzeugt!
So kam die Antarktis eigentlich wie gerufen, denn sie enthält mehr Herausforderungen als ein normaler Mensch überhaupt erfüllen kann, und die größte von allen besteht in dem Versuch, den Kontinent, der fast doppelt so groß wie Australien ist, alleine und ohne Hundeschlitten und Motorkraft zu durchwandern. Mit dem Norddeutschen Arved Fuchs, der seiner seinerseits bereits Kap Hoorn im Paddelboot umrundet hatte, stieg der kongeniale Reisepartner mit ins imaginäre Boot, man plante und organisierte, und doch es dauerte noch fast drei Jahre ehe die beiden im Herbst 1989 ihre Tour in Patriot Hills in der Nähe des Ross Eisschelfs beginnen konnten. Im Angesicht der 2.800 km, die sie zu Fuß durch die Eiswüste zurückzulegen hatten, bekamen sie zwar am Anfang etwas weiche Knie, doch dann schritten sie mächtig aus, liefen, liefen, liefen, dass die Blasen blühten, erreichten zu Silvester 1989 den Pol - wo sie erfuhren, dass die Mauer gefallen war - um sechs Wochen später ihre Durchquerung mit dem Eintreffen auf der McMurdoch Station auf der anderen Seite des Kontinentes glücklich zu vollenden. Das ist jetzt natürlich nur die Kurzfassung einer akribisch auf Hunderten von Seiten erzählten Messener-Fuchs`schen Antarktispassion mit Blizzards., Blutblasen, Verzweiflung und Verzagen, wie man sie sich ausgeprägter kaum vorstellen kann. Aber nicht nur dass: auch das ganze Expeditions-Tagebuch wird im Anhang abgedruckt, ein eigenes Kapitel bietet eine Einführung in die Ökologie der Antarktis und ein weiteres liefert einen ausgezeichneten Kurzabriss der Arktiserforschung, der mit keinem geringeren Arktisforscher beginnt als mit Aristoteles höchstselbst. Alles in allem eine absolut lesenwerte Einführung in die Psychologie der modernen Abentuerreise und ein Basiskurs in Antarktiskunde in einem. Dem bedauerlichen Streit zwischen Reinhold Messner und Arved Fuchs, der im Anschluss and die Expedition ausbrach und vom STERN in der gewohnt reißerischen Manier in der Öffentlichkeit ausgeschlachtet wurde, widmet das Buch übrigens nur ein paar Worte. Mehr sind auch nicht nötig, denn der Leser versteht sehr schnell, dass für zwei solche Alphatiere wie Messner und Fuchs während ihres Marsches selbst die Weiten der Antarktis nicht weit genug waren.