Kurz zusammengefasst, dies ist ein umwerfend gutes Buch, es ist ein wahres Wunderwerk, ich bin restlos begeistert. Ich habe bei meinen Recherchen zum Thema Antarktis nichts Besseres gefunden.
Das Buch ist informativ, abwechslungsreich, unterhaltsam und von den Themen her umfangreich, aber nicht überladen. Es bleibt verständlich und anschaulich, wenn es in die Tiefe geht, es bewahrt den Überblick und zeigt Zusammenhänge auf. Also eine gelungene Mischung, genau das Richtige, wenn man sich über die Antarktis informieren will. Es hat zu Recht den "Ritterschlag" einer angesehenen deutschen Tageszeitung bekommen.
Insgesamt nähert sich das Buch der Antarktis sehr weise und behutsam (unbedingt das Vorwort lesen). Die Kapitel sind hervorragend organisiert, in lauter gut verdaubare Themenhäppchen unterteilt, die Karten erleichtern einem die Orientierung ungemein und viele Zeichnungen unterstützen das Verständnis. Und die Fotos sind erste Sahne - ein super Gesamtpaket.
Im Folgenden will ich mich bemühen etwas konkreter zu werden:
Gleich am Anfang trifft man auf ein interessantes Buchmerkmal. Auf den ersten Seiten wird der Ablauf einer typischen Antarktisreise geschildert. Sie ist, wie es im Internet die Links gibt, mit Verweisen auf die anderen Buchkapitel versehen. Da hier alle übrigen Kapitel als Verweise auftauchen, spiegelt sich in dieser Lesereise praktisch das ganze Buch wieder. Diesen Verzweigungen kann man je nach Interesse folgen oder nicht, entweder man liest die angebotenen Kapitel oder fährt einfach mit der Lesereise fort. Das ist genial und super zur Vorbereitung und Einstimmung auf eine Reise. Ganz wichtig: Man erfährt so fast spielerisch, was für Reisemöglichkeiten es gibt und worauf man im Vorfeld achten sollte (z. B. dass man Südgeorgien auf keinen Fall links liegen lassen sollte). Und wenn man gar nicht reisen will, liest sich diese Lesereise wie eine unterhaltsame Reiseschilderung.
Ansonsten teilt sich das Buch in eine Hälfte, die sich der Landeskunde widmet und eine, in der ganz konkret die schönsten, interessantesten Stellen beschrieben werden, die auf Antarktisreisen häufig besucht werden.
Ich habe in den Reiseführern immer etwas Bange vor den etwas trockenen landeskundlichen Themen. Aber in diesem Buch ist es ganz anders. Die Entdeckungsgeschichte der Antarktis ist z. B. in mehrere kleine Kapitel gegliedert, die alle in sich abgeschlossen sind, sich spannend lesen und sich auf das Wesentliche beschränken. Dazu gibt es kurze, praktische Zeittabellen mit den allerwichtigsten Geschichtszahlen. Zudem finden sich die aufregendsten Momente der Entdeckungsgeschichte als Extrakapitel genau an den Stellen im Buch, wo die Orte beschrieben werden, an denen sich das Geschehene auch wirklich zugetragen hat. Das lockert alles auf und macht das Buch sehr abwechslungsreich.
Auch die für mich immer etwas trockene Landesgeologie ist hier kein hartes Steine klopfen. Es geht eher um die Geowissenschaften als Ganzes und die zugehörigen Kapitel verdeutlichen das heutige Weltbild im Lichte der Plattentektonik. Da lernt man nicht nur eine Menge über die Antarktis, sondern auch wie unsere Erde insgesamt 'funktioniert'.
Kapitel über das Antarktisklima insgesamt, das Wettergeschehen im Einzelnen und das Ozonloch schließen sich an. Ich habe endlich verstanden, was jeder von uns mit diesem "Loch" zu tun hat, wie es funktioniert und wie unsere heutige Lebensweise globale Auswirkungen zeitigen kann.
Ein Kleinod ist das Kapitel über die Naturphänomene zwischen Himmel und Erde, das den optischen Phänomenen in der Atmosphäre nachspürt und einem den südlichen Sternenhimmel vorstellt sowie auf die vielen kleinen Unterschiede zwischen Nord- und Südhalbkugel eingeht.
Auch das Eis hat seine kleinen Kapitel und die Rätsel um die blaue Farbe des Eises und die grünen Eisberge werden gelüftet und erklärt.
Danach geht es um die belebte Antarktis und das Südpolarmeer. Von einem kurzen Abriss der Nahrungskette und der Bedeutung des Krills geht das Buch mit herrlichen Tierfotos zu den Pinguinen, Robben, Walen und Seevögeln über und vergisst auch die sparsame Pflanzenwelt nicht.
Auch die Rolle des Menschen wird in diesem Buch beleuchtet, als Forscher und als Tourist. Der Autor hat ein Jahr als Wissenschaftler in der Antarktis überwintert und lässt seine Erlebnisse in die Beschreibung der deutschen Polarforschungsstation einfließen. Der Antarktistourismus wird kritisch diskutiert, mit handfesten Daten über die Besucherentwicklung, die Reisearten, woher die Touristen kommen und welche Orte sie bevorzugt besuchen. Die für alle Antarktisbesucher geltenden Verhaltensregeln verdeutlichen noch einmal, wie dort mit der Natur umgegangen werden muss.
Im zweiten Buchteil folgen die Beschreibungen von etwa 60 Naturschauplätzen in der Antarktis, in Südamerika, auf den Falklandinseln und Südgeorgien. Sie zeichnen ein atmosphärisches Bild dieser Orte, beschreiben Wanderungen, Vulkanbesteigungen, Forschungsstationen und verknüpfen dies mit ihrer Geschichte, der Tier- und Pflanzenwelt und allem Wissenswerten, was einem dort begegnet. So etwas kann man wohl nur aus einer profunden Erfahrung heraus niederschreiben, die sich der Autor als Begleiter von Kreuzfahrten angeeignet hat. Hier spürt man an der anschaulichen Schilderung und der detaillierten Ortskenntnis, wie dies einmal alles selbst erfahren wurde. Und dieses Wissen ist deshalb so wertvoll, weil die Kreuzfahrtschiffe immer wieder genau diese raren Orte mit ihren Naturschönheiten anlaufen und man als Reisender eine Hand braucht, die einen durch diese fremdartige Welt führt. Auf meiner Antarktisreise ging es mir wie in einem Museum mit fremden Kunstwerken. Man braucht einen guten Führer, der sie einem erklärt, der einem überhaupt erst den Zugang zu dieser fremden Welt ermöglicht. Und erst dann fängt man zu verstehen an und das Reiseerlebnis wird noch viel intensiver und nachhaltiger. Und deswegen gehört das Buch auch unbedingt ins Reisegepäck!
Das Buch schließt mit einem praktischen Teil über Reiseinformationen ab. Es werden Reisearten und Routen angesprochen, Veranstalter und Preise genannt, Tipps zur Ausrüstung, Foto, Film, Kleidung und Seekrankheit gegeben, weiterführende Literatur und Internetadressen genannt. Besonders wertvoll sind die Hinweise zur Schiffs- und Kabinenwahl (gerade wenn man zur Seekrankheit neigt).
Ich finde es immer wichtig, dass ein Sachbuch einen guten Index und ein gutes Inhaltsverzeichnis aufweist - auch hier ist das Antarktisbuch vorbildlich.
Was will man mehr, wenn man sich einfach über die Antarktis informieren will, sich speziell auf eine Reise vorbereiten möchte oder einen kundigen Führer vor Ort braucht. Ein fabelhaftes Buch, ein abwechslungsreicher Lesegenuss, eine große Bereicherung - mehr kann man nicht verlangen!