Die Handlung dieses Romans zu beschreiben fällt schwer, denn eigentlich gibt es gar nicht eine Handlung, sondern eine ganze Reihe von Handlungssträngen, die natürlich miteinander verbunden sind und sich an vielen Stellen treffen. Erschwerend kommt hinzu, dass Robinsons Hauptinteresse auch gar nicht der Handlung oder zumindest seinen Charakteren zu gelten scheint, sondern vielmehr einer genauen Beschreibung der Antarktis. Da werden die Landschaften der Antarktis ausführlich und wortgewaltig beschrieben, die verschiedenen Naturphänomene, das Wetter, die Geologie, die allgemeine Naturgeschichte und die Geschichte ihrer Erforschung in langen Passagen und mit viel Sachkenntnis wiedergegeben, so dass man manchmal glauben möchte, eine Art Sachbuch oder Reiseführer zu lesen. Auch auf die wenigen Hauptcharaktere geht Robinson genauer ein, wenn auch nicht ganz so ausführlich wie auf die Antarktis selbst. Dabei interessieren ihn aber weniger ihre Handlungen in der einige Wochen umspannenden Geschichte, sondern in erster Linie ihre Persönlichkeit und wie diese Persönlichkeit durch die Antarktis beeinflußt und verändert wird. Ach ja, die Handlung. Nun, ein paar Jahrzehnte in der Zukunft wird die durch den Treibhauseffekt bereits in Veränderung begriffene Antarktis zum Schauplatz einer Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Interessengruppen. Nach dem Auslaufen des Antarktisvertrages geht es um die Frage, was in Zukunft auf dem bislang streng geschützten Kontinent erlaubt sein soll und was nicht. Die Hauptcharaktere geraten mehr oder weniger zufällig in das Geschehen und tragen dazu bei, eine friedliche Lösung zu finden. Im Gegensatz zu dem, was uns der Klappentext Glauben machen will, hat der Roman mit Kampf und "Action" gar nichts zu tun und jeder der einen Krieg zwischen skrupellosen Großkonzernen und edelmütigen Ökoterroristen erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Der Roman ist stilistisch hervorragend geschrieben und von Peter Robert ebenso gut übersetzt worden, er hat überzeugende Charaktere und gute Dialoge, er hat aber leider keine Handlung, die in der Lage wäre, den Leser über die vollen 685 Seiten "bei der Stange zu halten" oder gar zu fesseln. Etwas mehr Handlung und etwas weniger Seiten hätten dem Roman sicher gut getan ...