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Anständig geblieben: Nationalsozialistische Moral
 
 
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Anständig geblieben: Nationalsozialistische Moral [Gebundene Ausgabe]

Raphael Gross
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 277 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 2 (1. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100287134
  • ISBN-13: 978-3100287137
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 330.459 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Raphael Gross
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ehre, Treue, Schande und Kameradschaft: Raphael Gross stellt in diesem Buch erstmals eine moralhistorische Perspektive auf die NS-Geschichte vor. Er zeigt, dass erst ein System von gegenseitig eingeforderten moralischen Gefühlen und Tugenden die Begeisterung der deutschen Bevölkerung für die nationalsozialistische Volksgemeinschaft ermöglicht hat. Politische Reden, Schulbücher und ebenso der scheinbar apolitische Unterhaltungsbetrieb waren von dieser Moral geprägt. Raphael Gross zeigt in seiner wegweisenden Darstellung, dass diese von vielen getragene, verbrecherische NS-Moral nach der militärischen Niederlage 1945 nicht plötzlich verschwunden ist.

Über den Autor

Raphael Gross, Prof. Dr. phil., geboren 1966 in Zürich, studierte Geschichte in Zürich, Berlin, Cambridge, Bielefeld, Jerusalem und Essen. Seit 2001 ist er Direktor des Leo Baeck Instituts in London und leitet seit Februar 2006 zudem das Jüdische Museum in Frankfurt am Main sowie seit April 2007 das Fritz Bauer Institut. Er ist Honorarprofessor im Fachbereich Geschichte der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und Reader am Queen Mary College in London.

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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist eines der unheimlichsten und verstörendsten Dokumente des "Dritten Reiches". Am 4. Oktober 1943 hielt Heinrich Himmler in Posen eine Rede vor knapp 100 SS-Offizieren. Diese Rede wurde heimlich aufgezeichnet und liefert somit einen intensiven Einblick in die internen Vorgänge und Argumentationsstrukturen des Herrenmenschenordens. In seinem knapp dreieinhalb stündigen Vortrag äußert sich Himmler nur gut sechs Minuten zu dem Thema der Vernichtung der europäischen Juden. Seine Worte liefern einen Einblick in die Moral der SS, welche einen bis heute kalte Schauer über den Rücken laufen lässt: "Von euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn hundert Leichen beisammen liegen, wenn fünfhundert daliegen oder wenn tausend daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei - abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwäche - anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte." Was bildet den Kern dieser Moral, welche Mitleid mit tausenden von dahin geschlachteten Menschen als "Ausnahmen menschlicher Schwäche" und das massenhafte Morden als "anständig" bewertet? "Anständig geblieben" lautet daher auch der passende Titel der neuen Darstellung von Raphael Gross, die sich mit dem Thema der nationalsozialistischen Moral auseinandersetzt.

Gross nähert sich dem Thema, indem er verschiedene Aspekte der nationalsozialistischen Gesellschaft aufgreift und sie unter der Fragestellung der Moral analysiert. So wird unter anderem der NS-Propagandafilm "Jud Süß" bezüglich der Konstruktion der Moral in Nazi-Deutschland behandelt (Kapitel 1). In Kapitel 2 und 3 arbeitet der Autor heraus, inwiefern sich die moralischen Normen der Nationalsozialisten im Rechtssystem des "Dritten Reiches" manifestiert haben und welche Rolle die Religion für Herleitung und Rechtfertigung der NS-Moral diente. Des Weiteren werden unter anderem Adolf Eichmann als ein typischer Repräsentant des nationalsozialistischen Täters (Kapitel 8) und abschließend die Bedeutung der NS-Moral für unsere heutige Gesellschaft am Beispiel der Friedenspreisrede Martin Walsers 1998 analysiert.

Die zentrale Kategorie im Wertesystem des "Dritten Reiches" bildet die Treue, was auch im Leitspruch der SS "Deine Ehre heißt Treue" zum Ausdruck gekommen ist: "'Treue' bezeichnet in fast jedem moralischen System eine Eigenschaft, die positiv bewertet wird. Sie ermöglicht es erst, dass Menschen langfristig soziale Bindungen eingehen können, und macht das Verhalten innerhalb dieses Rahmens berechenbar. Den Treuebegriff, den wir in den NS-Quellen vorfinden, weicht davon in verschiedener Hinsicht ab [...]. Der Nationalsozialismus betrachtet Treue als eine spezifisch 'deutsche' oder 'arische' Tugend, als seien moralische Werte das Eigentum bestimmter vorgegebener Gemeinschaften" (90). Ein verabsolutierter exklusiver Treuebegriff macht den Kern der NS-Moral aus und kann zumindest in Ansätzen erklären, warum viele Menschen so handelten, wie sie es nun einmal taten. Wenn Treue und Gehorsam zum kategorischen Imperativ einer gesamten Gemeinschaft werden, verliert es an Bedeutung, welche konkreten Inhalte mit den Gehorsam gegenüber bestimmten Befehlen verbunden sind. Das Gehorchen allein bildet von nun an einen Wert an sich.

Fazit: Vielfach ist zu hören, dass die Nationalsozialisten schlicht und einfach keine Moral hatten und daher in der Lage waren, ihre Taten zu vollbringen. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall: "Ohne Moral hätte sich der Massenmord nicht bewerkstelligen lassen" (248). Eine bessere Kenntnis dieser Moral ist unerlässlich zum Verständnis des "Dritten Reiches" und der in diesem Zeitraum begangenen Verbrechen gegen die Menschheit.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Gospelsinger TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Führte die nationalsozialistische Ideologie zur Herausbildung einer eigenen neuen NS-Moral? Und wirkte diese in der Nachkriegszeit fort?
Das sind neue, bisher noch nicht erforschte Fragen, mit denen Raphael Gross sich beschäftigt. Und so sieht er sein Buch auch nicht als Darstellung einer fertig entwickelten Theorie, sondern als Beginn einer hoffentlich breiten Debatte um eine Moralgeschichte des Nationalsozialismus, die interdisziplinär angegangen werden sollte.
Raphael Gross legt also Grundlagen, und das macht er gründlich und kompetent.
Dabei untersucht er die unterschiedlichsten Bereiche: Die 'Rassenschande' und das nationalsozialistische Recht, Religion und Moral, Filme wie Jud Süß, Der Untergang und Hotel Sacher, die nach dem Krieg erschienenen Autobiographien, z.B. von Traudl Junge, Juristen in NS- und Nachkriegszeit, die 'Moralität des Bösen' eines Adolf Eichmann, die umstrittene Rede von Martin Walser.
An allgemein bekannten Beispielen zeigt Gross die Zusammenhänge zwischen den Begriffen der Moral, Ehre und Schande auf.
Ebenso analysiert er den Zusammenhang zwischen moralischen Gefühlen wie Schuld, Scham, Groll und Empörung und NS-spezifischen Tugenden wie Kameradschaft, Treue, Opferbereitschaft und Anstand. Ganz normale Bedeutungen dieser Kategorien hatten in der NS-Moral eine spezifische Funktionsweise, der Gross auf den Grund geht.
Ich hoffe, dass dieses hervorragend geschriebene Buch, das einen neuen Blick auf den Moralbegriff liefert, die Grundlage für weitere Forschungen zu diesem wichtigen Thema bilden wird.
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23 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Thorsten Wiedau HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist ganz klar das der NS Staat es in wenigen Jahren schaffte ein System der Gefühle und Moralvorstellungen zu etablieren das für viele damalige Erwachsene und Jugendliche bindend für ihr ganzes Leben wurde. Dabei griff der NS Staat auf alte Begriffe zurück, welche die Wurzeln teils in der Vor-/ und Frühgeschichte, teils im Kaiserreich und auch im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen hatten. ANSTÄNDIG GEBLIEBEN von Raphael Gross behandelt innerhalb der NS Theorie ein Sonderthema, es fokussiert nämlich auf die begriffliche Moral und die Wortwahl dieser Zeitepoche. Ehre, Treue und Kameradschaft wurden damals nicht neu erfunden, sie wurden besetzt, oft zweckentfremdet und teils verbogen. Das Abhängigkeitsverhältnis erschwert bis heute die sachliche und klare Aufarbeitung der NS Geschichte, sowohl beidseits als auch historisch, dabei wäre es so wichtig und überaus wünschenswert wenn wir endlich zu einem Abschluss dieser Zeitepoche kommen würden. Ich hoffe dieses Buch von Raphael Gross hilft dabei zu verstehen und sachlich zu bewerten.

Die NS Begriffe verschwanden nicht nach 1945, nicht nach 1968 und nicht nach 1990 und auch nicht heute... Diese Begriffe sind stehende Phänomene und im Grunde genommen auch nicht schlecht, seit wann kann ein Wort, ein Begriff schlecht sein? Es ist der Mensch, welcher es mit Leben und Sinn erfüllt, oder? Das Messer verübt nicht den Mord, es ist immer noch der Mensch, welcher die Straftat begeht.

Doch sein wir ehrlich, viele Menschen, insbesondere Deutsche haben Probleme mit Patriotismus, Kameradschaft, Treue und Ehre - man sollte sich die Frage stellen WARUM? Das Buch ANSTÄNDIG GEBLIEBEN von Raphael Gross hilft bei dieser Fragestellung, denn es führt uns zurück in die Zeit als die Begriffe erneut und unheilvoll mit Leben gefüllt und aus ihrem geschichtlichen Zusammenhang in die Moderne gerissen wurden. Darf man sie nun nie wieder benutzen? Eine schwierige Frage, aber auch eine die man stellen darf. Eine Frage die man stellen sollte.

Obwohl der Autor anhand des Beispieles von Martin Walser es beschreibt, wage ich zu bezweifeln das eine Vergangenheitsbewältigung in Deutschland je gegeben hat. Wie kann man etwas bewältigen das man nicht gänzlich begriffen hat? Das man bis heute nicht sachlich diskutieren kann? Was man bis heute nur einseitig beleuchtet hat?

Das Phänomen NS Staat und NS Moral ist größer als man sich vorzustellen wagt. Ich denke der Autor Raphael Gross hat sich hier einem sehr schwierigen Thema verschrieben und versucht aus seiner Sicht hier Licht ins Dunkel zu bringen, was im Übrigen dringend notwendig ist - denn je mehr wir wissen, um so besser können wir bewerten.

Den Juden zum Monster zu machen, wie in Jud Süß war eine moralische Bankrotterklärung nicht nur des NS Staates, so etwas tut man nicht egal ob man National - Patriotisch gesinnt ist oder nicht.

Wer Jude ist, bestimme immer noch ich": auch dieses Zitat zeigt die Unzulänglichkeit der Rassegesetze - für wen waren sie eigentlich bindend, anscheinend nicht für jeden.

Auch die Einbeziehung der christlichen Ethik und Moral in die NS Philosophie war und ist eine weitere Bankrotterklärung der ganzen Gesellschaft. Was der Begriff Treue angerichtet hat, obwohl er doch so strahlend ist, weiß jeder. Denn die Treue zu Gott oder die Vertragstreue sind auch heute feststehende Begriffe. Niemand würde sich doch dagegen wehren? Ist Treue daher schlecht, Nein, es geht um die NS Treue und die damit eingeforderten Unrechtsverhältnisse. Man verband Treue mit Mord und Treue mit Unrecht - dieser Hexensabbat der damals gefeiert wurde hat die Begriffe erniedrigt und entehrt - schon wieder ein Wort: Ehre - darf man ihn heute benutzen - ich denke Ja, wenn man weiß woher es kommt, wie es benutzt wurde und wie man es nie wieder benutzen sollte.

Es geht auch um unterschwellige Botschaften innerhalb der Begriffe, um Problemzonen die noch niemand erkannt hat, hier wirft das Buch ANSTÄNDIG GEBLIEBEN von Raphael Gross ein erstes klares Licht.

Das Buch möchte die Hintergründe deutlich machen und klarstellen woher sie kamen und wohin die NS Begriffe entschwanden - wenn sie denn entschwanden. Das Buch ANSTÄNDIG GEBLIEBEN von Raphael Gross startet erstmals eine Diskussion um die moralischen Befindlichkeiten, wichtig und beschämend zugleich - denn es hat lange gedauert bis wir uns auch diesem Thema öffnen konnten. Ich denke, ebenso wie der Autor, dass hier weitere Forschungen und Diskussionen starten müssen.

Klar, sachlich, aufgeschlossen und positiv gestimmt sollte man gemeinsam in die Zukunft blicken um die Vergangenheit zu verstehen.

Sehr empfehlenswert!
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