Kiefers "himmlische Paläste" waren Nebensache. Der Grund für den Erwerb des rezensierten Werkes war eine Verknüpfung mit dem Namen "Christoph Ransmayr" in den entsprechenden elektronischen Medien: Christoph Ransmayr ist in diesem opulenten Werkkatalog über Großplastiken und Multiples des Künstlers Anselm Kiefer nur mit einer wie von ihm gewohnt exellent durchformulierten Beschreibung einer Nachtwanderung durch die französische Enklave Kiefers in einer aufgelassenen Seidenfabrik in den Cevennen, die von dem Genie allmählich zu einem Gesamtkunstwerk umgestaltet wird, vertreten. Der Österreicher beschreibt in wortmächtigen und einprägsamen Bildern Wahrnehmungen, Empfindungen und Eindrücke bei einer nächtlichen Führung über das verwunschen wirkende Gelände, auf dem sich Kiefer seinen Traum vom Gesamtkunstwerk in und mit und -teilweise - auch gegen die Natur erträumt: Bleierne Bücher ungeheuerlichen Ausmaßes stapeln sich in düsteren Fabrikhallen, gipsüberzogene Sonnenblumen baumeln in fahler, leichenhafter Weiße von den Decken hoher Räume und auf riesigen Formaten werden penibel Galaxien und Sterne aufgezeichnet und beschriftet: die himmlischen Paläste, deren Lichter den Ungeborenen (frei nach Franz Werfel) leuchten.
Die sieben himmlischen Paläste wirken auf den Betrachter auch in dem schön ausgestatteten Band grandios. Doch wie alle Bildbände von den Betrachter anrührender oder beeindruckender Kunst gibt auch dieser nur eine ungefähre Ahnung von den eindrücklichen Dimensionen der Kieferschen Werke. Man muss sehr spezielle Interessen haben um diesen Band häufiger zu betrachten. Trotzdem lohnt es sich, die Abbildungen mehrfach zu betrachten und neue, interessante Einblicke in das Oeuvre Kiefers zu bekommen - auch wenn ich den Band zunächst nur wegen des kurzen Textes von Ransmayr erworben habe.