Besonders seit dem 11. September 2001 mit dem Anschlag auf die Twin Towers des World Trade Centers in New York, sieht sich die westliche Welt vor ihre vielleicht größte Herausforderung gestellt, seit man von der westlichen Welt als einer Kultur- und Wertegemeinschaft sprechen kann. Spätestens seit diesem Zeitpunkt haben die USA und andere Länder reagiert, vor allen Dingen militärisch und sicherheitspolitisch, doch außer der Tatsache, dass die Grundrechte in diesen Ländern zurückgefahren wurden und Tausende von Soldaten ihr Leben verloren, hat dieser Kampf gegen den Terrorismus nicht viel erreicht.
Neben den politischen Antworten entbrannte auch eine wissenschaftliche , insbesondere eine geistes- und religionswissenschaftliche Debatte um die Grundlagen des Islam, seine ihm möglicherweise innewohnende Gewaltbereitschaft und die Notwendigkeit eine Reformation des Islam, so wie sie das Christentum im Mittelalter erlebt hat. Gleichzeitig wurde, besonders in Deutschland, versucht, durch nationale und regionale Islamkonferenzen das Verhältnis zwischen den Religionen zu rationalisieren und zu verbessern.
Zahlreiche Bücher sind dazu erschienen, von den der Rezensent auch einige besprochen hat.
Auch über die Ursachen und Ursprünge des islamistischen Terrorismus ist viel geschrieben und nachgedacht worden. Dabei konnte man immer wieder feststellen, wie feige und ängstlich viele im Westen vor dieser Bedrohung zurückweichen. In den beiden letzten Büchern des genialen Journalisten Henryk M. Broder "Hurra, wir kapitulieren!" und "Kritik der reinen Toleranz" kann man dazu das Nötige nachlesen.
Der 1969 in der Ukraine geborene und in den USA arbeitende Journalist Yaroslav Trifimov hat nun ein Buch mit dem Titel "Anschlag auf Mekka" vorgelegt, indem er nach der Auswertung bisher geheimer Akten diverser Geheimdienstabteilungen ein Ereignis schildert, dem er eine hohe Bedeutung für die Entstehung und das Verständnis des islamistischen Terrors zubilligt. Es geht um einen Anschlag am 20. November 1979, als bewaffnete Rebellen die Große Moschee in Mekka besetzten und vom saudischen Regime einen radikalen Bruch mit dem Westen forderten und einen Umbruch in der gesamten islamischen Welt.
Der Anschlag wurde blutig niedergeschlagen und die Informationen darüber all die Zeit unterdrückt. Es sei eine zionistisch - amerikanische Verschwörung gewesen, hieß es in altbekannter antisemitischer Manier, und die Anführer des Anschlags wurden hingerichtet. Um ihr Gesicht zu wahren, setzte die saudische Regierung aber danach die strenge, wahabitische Auslegung der heiligen Schriften durch, genau das ,was die Rebellen gefordert hatten und begann den grenzüberschreitenden Kampf gegen die "Ungläubigen" zu unterstützen, auch gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan. Einer der ersten, die in den Hindukusch aufbrachen um dort zu kämpfen, war ein damals erst 22-jähriger Anhänger des Rebellenführers Dschuhaiman, der junge Eiferer Osama Bin Laden ..
Das Buch liest sich spannend wie ein Spionageroman und ist voll von bisher unbekannten Informationen. Die im Buch beschriebenen Ereignisse sind in Saudi-Arabien bis heute ein Tabu.
Von einer "Geburtsstunde des Terrors" zu sprechen, scheint mir allerdings übertrieben und der PR für das Buch geschuldet, eher begann mit diesem Ereignis ein neuer Abschnitt des islamistischen Terrors und er gewann eine neue Qualität.