Wenn man als begeisterter Rock/Metal-Fan geschmacksoffen durchs Leben geht, dann gibt es im Grunde nichts geileres, als sich von einer bisher unbekannten Band komplett überrumpeln zu lassen. Man erwartet nichts - und bekommt alles !!!
Jüngstes Beispiel für dieses Phänomen sind sicherlich die US-Hardrocker von HIGH SPIRITS, deren offizielle Debüt-Scheibe "Another night" bei den einschlägigen, deutschen Metal-Magazinen ordentlich abgefeiert wurde. Und auch wenn der 9-Tracker nicht die alles überragende Sensation geworden ist, so kann sich der Hörer aber ein authentisches, durch und durch mitreißendes Hardrock/Metal-Feuerwerk einverleiben, dessen rohe Melodic-Power nicht selten an die Schweden ENFORCER (u.a. "Diamonds") erinnert.
Noch eine kurze Anmerkung zur Band: Musikalischer Denker und Lenker hinter HIGH SPIRITS ist kein geringerer als Chris Black, den Szenekundige natürlich noch von seinen weiteren Großprojekten PHARAOH , DAWNBRINGER und (vor allem) NACHTMYSTIUM kennen. Ein begeisterter Sound-Workaholic alter Schule, dessen bisheriges Schaffen schon immer für Qualität stand. Wenig verwunderlich ist es daher, dass Mr. Black seinen musikalischen Weg unbeirrt weitergeht - und dabei sogar gewaltig Anlauf nimmt!
Beim ersten Höreindruck war ich anfangs etwas abgeschreckt, und habe mich ernsthaft gefragt, wie viel "easy listening" ich eigentlich ertragen kann. Denn die Refrains dieses 34-Minüters sind mit dem Prädikat "verdammt eingängig" (als Beinahe-Untertreibung!) recht gut beschrieben. Jeder, aber auch wirklich jeder (!) der 9 Songs bringt im Chorus dermaßen viel Pop-Appeal mit, dass man sich erstmal daran gewöhnen muss. Durch die feine Balance aus treibendem Riffing, Mid-Tempo, hyperventilierenden Melodic-Gitarren und Ohrwurm-Singalongs gewinnen Nummern wie "Going up" , "Demons at the door" , "Nights in black" oder "Full power" (noch Fragen?) aber bei jedem Durchlauf weitere Reize hinzu. HIGH SPIRITS könnte man somit recht treffend als musikalisches Joint-Venture aus IRON MAIDEN , TYGERS OF PAN TANG , BON JOVI , frühen FIFTH ANGEL und gaaanz viel SCORPIONS bezeichnen. Und trotzdem kocht die Band irgendwie doch ihr ganz eigenes Hardrock/Metal-Süppchen. Der genannte SCORPIONS-Vergleich passt zudem auch gesanglich recht gut...denn stimmliche Ähnlichkeiten zu Klaus Meine sind gewiss nicht zu leugnen. Volltreffer !!!
Höhepunkte des HIGH SPIRITS-Erstlings sind die überfamosen "Where did I go wrong" , "Another night in the city" und "You make love impossible" (ganz groß !!!), die sich ohne Umwege in den Gehörgängen einfräsen, und dem Charme eines unkaputtbaren Super-Hits auch noch nach mehreren Wochen gerecht werden.
Fazit: Mit dem knapp halbstündigen "Another night" hat Chris Black erneut ein absolut feines Songwriting-Näschen bewiesen. In einer Schnittmenge aus energischem Achtziger-Hardrock und melodieverliebtem NWOBHM-Sound hat diese Band sich bereits jetzt eine tolle Ausgangslage erspielt. Wie gesagt: HIGH SPIRITS sind sicher keine Sensation - dafür aber eine coole neue Band, die einfach Bock auf mehr macht!